Papà e figlio si danno «il cinque».

Zuwendung – immer wieder anders

Vier Jahre und drei Monate

Nach dem Kindergarten brauchen Kinder manchmal besonders viel Zuwendung. Doch nicht immer wollen sie Zärtlichkeiten austauschen. Es ist wichtig, die Bedürfnisse der Kinder ernst zu nehmen.

Auf dem Weg in die Selbstständigkeit braucht Ihr Kind das sichere Gefühl, dass Sie ihm immer wieder die nötige Aufmerksamkeit und Zeit schenken. Genauso wie ein Flugzeug seinen Landeplatz braucht, wo es gewartet, repariert und aufgetankt wird, damit es sicher wieder abheben kann, so brauchen Kinder einen Ort der Geborgenheit, von wo aus sie gestärkt ihre «Erkundungsflüge» in die grosse Welt starten. Jede liebevolle Achtsamkeit, die es bekommt, macht es mutiger, sicherer und gibt ihm das Gefühl, dass die Eltern es gern haben, so wie es ist, ohne Wenn und Aber!

Zuwendung gibt es in den verschiedensten Variationen, wie folgende Beispiele illustrieren:

«Ich hab dich gern!»

Elia geht seit einem Monat in den Kindergarten. Wie jeden Morgen zieht er auch heute die Jacke an, hängt sich das Znünitäschli um und springt der wartenden Freundin entgegen. Plötzlich hält er inne, kehrt um und rennt zurück zum Vater, der noch unter der Türe steht. Er umarmt ihn und drückt ihn einen Moment lang ganz fest an sich. Und schon ist er wieder weg, zieht fröhlich mit der Freundin Richtung Kindergarten.

Elia holt sich von seinem Vater eine kurze «Rückversicherung», ein Stück Vertrautheit und Geborgenheit, bevor er den aufregenden Kindergartenweg in Angriff nimmt. Die meisten Kinder melden ihre Wünsche nach Zuwendung spontan an und verschenken ihrerseits grosszügig Zärtlichkeit. Es ist an Eltern und anderen Bezugspersonen, diese Zeichen wahrzunehmen. Auch wenn Sie gerade am Kochen sind, am Computer oder im Garten. Gönnen Sie sich und den Kindern einen Augenblick für ein herzliches Wort oder ein liebevolles Streicheln.

«Bin wieder da-a!»

Lilian kommt gegen Mittag vom Kindergarten zurück. Ihre Mutter ist in ein intensives Telefongespräch vertieft. Sie macht dem Mädchen ein Zeichen, es solle in die Küche gehen, sie würde gleich nachkommen. Lautes Geschrei lässt ahnen, dass die Begrüssung mit dem kleinen Bruder nicht besonders herzlich ausgefallen ist. Das Geklirr eines zerschellenden Glases lässt die Mutter das Telefongespräch rasch beenden. Sie rennt zu Lilian und schimpft mit ihr.







Illustration "Na endlich kommst du!"

Lilians «Störaktionen» haben ein klares Ziel: Sie will die Aufmerksamkeit von Mama. Auch Schimpfen, das heisst eine negative Zuwendung, ist ihr im Moment immer noch lieber, als gar nicht beachtet zu werden.

Sicher kommt Ihnen diese Szene bekannt vor: Das Kind kehrt von einem spannenden Kindergartenmorgen nach Hause zurück und wünscht sich etwas Zeit. Es ist wichtig, Kindern diesen Moment der Aufmerksamkeit zu schenken, Telefonate auf später zu verschieben und die Bedürfnisse kleinerer Geschwister kurz in den Hintergrund zu stellen. Eine Umarmung und ein aufmerksamer Blick auf das Kind zeigen schnell, ob es noch mehr Zuwendung braucht.

«Ich bin kein Baby mehr!»

Manchmal holt Karins Grossvater sie am Nachmittag vom Kindergarten ab. Zur freudigen Begrüssung gehörte immer ein Kuss. Doch seit einigen Wochen windet sich das Mädchen aus der Umarmung. Vor allem wenn Gspänli dabeistehen.

Die erste und stärkste Form der Zuwendung zwischen dem Kind und seinen Bezugspersonen ist der Körperkontakt. Berühren, halten, schmusen gehören zum Alltag. Wird das Kind älter, will es plötzlich nicht mehr «wie ein Baby» auf dem Schoss sitzen, beim Spazierengehen die Hand geben, vor Publikum gehalten werden. Es gehört zur Entwicklung, dass das Kind nach anderen Ausdrucksformen der Zuneigung sucht. Vielleicht werden Worte wichtiger, kleine gezeichnete Briefe, Gesten oder Blicke. Und wenn Ihr Mädchen oder Ihr Junge dann wieder Ihre Nähe sucht und «ganz klein» wird – freuen Sie sich darüber und geniessen Sie diese Momente mit Ihrem Kind zusammen.

Das Geben und Annehmen von Zuwendung, das Spüren von Bedürfnissen und das Äussern von Wünschen ist gar nicht immer einfach, weder für Erwachsene noch für Kinder.

Bedürfnisse ernst nehmen

Nehmen Sie Bedürfnisse ernst, auch wenn Ihr Kind gerade keine Zärtlichkeit geben oder bekommen will. Zuwendung kann verweigert werden, Kinder haben dafür gute Gründe: Nach einer Auseinandersetzung mit Ihnen braucht es manchmal etwas Zeit bis zu einer Friedensumarmung. Und wenn Ihre Tochter oder Ihr Sohn dem Besuch partout keinen Kuss geben will, lassen Sie’s dabei bewenden! Auch wir wollen nicht von allen geküsst und geherzt werden und ziehen manchmal einen Händedruck oder ein einfaches «Hallo» vor!

«Das machst du gut!»







Illustration Kind hilft kleiner Schwester beim Essen

«Seid doch mal ruhig, ich bin am Telefon!» – «Es macht mich wütend, wenn ich ständig über deine Schuhe stolpere!» Solche Sätze sind Teil des familiären Alltags. Es gehört dazu, Kindern zu sagen, wenn etwas stört. Genauso wichtig ist, Kindern zurückzumelden, wenn sie etwas wirklich gut machen: «Ich bin so froh, dass du mit deiner kleinen Schwester spielst, wenn ich am Telefon bin!» – «Toll, wie du gerade die Schuhe nebeneinandergestellt hast!» Verdiente Anerkennung lässt Kinder aufblühen. Manchmal bewirkt ein Lob im richtigen Moment, dass ein Kind gar vergisst zu quengeln, obwohl es das gerade vorhatte.

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