Zwei Jahre und drei Monate
Kinder brauchen Zeit und Raum zum Spielen, sowohl alleine als auch mit anderen Kindern. Ihr Spielverhalten kann sehr unterschiedlich sein.
Spielen Sie gerne? Wenn ja, dann ist es grossartig, dass Sie mit Ihrem zweijährigen Kind jemanden an Ihrer Seite haben, der diese Spielfreude teilt. Spielen Sie nicht so gerne, müssen Sie sich zu nichts zwingen und nur da mitmachen, wo es Ihnen wohl ist. Vielleicht ist Ihr Partner, Ihre Partnerin spielfreudiger oder ein anderer Erwachsener aus dem Bekannten- oder Verwandtenkreis, zum Beispiel der Grossvater, die Gotte, eine Freundin? Kleine Kinder geniessen es nämlich sehr, mit den «grossen Kindern» zu spielen. Wichtig dabei ist, dass nicht die Erwachsenen das Spiel leiten, sondern dass sie sich vom Kind leiten lassen und «mitspielen».
Die hohe Kunst des Mitspielens besteht also darin, dem Kind die Führung zu überlassen und geduldig zu warten, welche Aufgaben es zuteilt. Bringen Sie nur hie und da einen Anstoss oder eine Idee ein. Seien Sie kein Spielverderber, keine Spielverderberin, indem Sie das Spiel häufig unterbrechen, aus welchem Grund auch immer. Vielleicht gelingt es Ihnen, das Spiel schlussendlich zu beenden, indem Sie spielerisch zum nächsten «Programmpunkt» – zum Beispiel Zähneputzen mit der Puppe als Zuschauerin – überleiten.
Etwas ganz Wichtiges, was Sie Ihrem Kind für sein Spiel geben können, sind Raum und Zeit. Kinder brauchen geeignete stressfreie Spiel- und Zeiträume, in denen sie ihr Spiel entfalten können, ganz allein für sich. Dies gilt auch für Kinder, die häufig mit anderen Kindern zusammen sind (zum Beispiel in der Kindertagesstätte).
Dem Faktor «Zeit» sollte auch Aufmerksamkeit geschenkt werden, wenn es ums Beenden des Spieles geht. Brechen Sie das Spiel Ihres Kindes nicht abrupt ab. Kündigen Sie ihm das Spielende zirka fünf Minuten vorher an. So geben Sie Ihrem Kind einen kleinen Zeitraum, um aus seinem Spiel auszusteigen.
Kinder spielen gerne mit Erwachsenen. Zum Spielen brauchen sie jedoch vor allem andere Kinder, denn Kinderbeziehungen haben eine eigenständige Bedeutung. Kinder lernen voneinander und im Miteinander, indem sie beobachten und nachahmen, verhandeln und entscheiden, sich streiten und sich wieder versöhnen, aufeinander Rücksicht nehmen und sich durchsetzen, helfen und sich helfen lassen. Geben Sie Ihrem Sohn, Ihrer Tochter Gelegenheit, mit anderen Kindern zu spielen. Pflegen Sie regelmässige Kontakte. Voraussetzung für das Entstehen von Beziehung ist, dass Kinder miteinander vertraut werden können.
Falls Sie Ihr Kind in einer Spielgruppe anmelden möchten, sollten Sie sich rechtzeitig informieren. Über Angebote an Ihrem Wohnort orientieren Sie sich am besten bei der Mütter- und Väterberatung, bei der Gemeindeverwaltung oder am schwarzen Brett im Einkaufszentrum. Gibt es in Ihrer Nähe keine Spielgruppe, Sie haben aber das Bedürfnis danach: Warum nicht gemeinsam mit anderen Eltern eine entsprechende Initiative ergreifen?
Meinen Eltern es zu gut und überhäufen ihr Kind mit Spielzeug, kann es vorkommen, dass das Kind überfordert ist und dadurch in Unruhe gerät. Es probiert alles kurz aus und lässt es wieder liegen. Besser ist es, wenn es nur wenige Spielsachen in greifbarer Nähe hat. Der Rest kann im Kasten bleiben. Räumen Sie einzelne Dinge weg, wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind spiele kaum damit. Kinder entwickeln zu ihren Spielsachen eine Beziehung. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Auswahl überschaubar ist.
Nicht alle Kinder spielen zu jeder Zeit mit der gleichen Intensität und Freude. Das ist normal. Kinder sind sehr empfindsam, viel empfindsamer, als wir oft ahnen: Sie spüren Veränderungen, Unannehmlichkeiten, Hektik oder eine angespannte Atmosphäre in ihrer Umgebung deutlich. Das kann ihr Spielverhalten beeinflussen. Auch wichtige Entwicklungsschritte oder Krankheit brauchen Energie und können das Spiel beeinträchtigen.
Wenn Ihnen das Spielverhalten Ihres Kindes Sorgen macht, zum Beispiel, weil Sie beobachten, dass es über lange Zeit Unlust am Spiel zeigt, sehr sprunghaft im Spielen ist oder mit den Spielsachen zerstörerisch umgeht, könnte der Rat einer Fachperson wertvoll sein. Wenden Sie sich an eine Erziehungs- oder Elternberatung oder an Ihre Kinderärztin, Ihren Kinderarzt. Vielleicht trägt schon ein kurzes Beratungsgespräch dazu bei, dass sich die Situation entspannt und Ihr Kind wieder unbeschwert das tun kann, was für Kinder so wichtig ist: lernen und Spass haben, Auseinandersetzung mit sich und der Welt, Fantasie und Wirklichkeit – eben: spielen.
Es ist verständlich, wenn Sie keine Freude daran haben, dass der eben gekaufte Wagen schon keine Räder mehr hat oder der herzige Pinguin nur noch auf einem Bein steht. Doch bevor Sie Ihrem Unmut freien Lauf lassen, gilt es herauszufinden, warum das Ding kaputtgegangen ist. Die meisten Spielsachen gehen in die Brüche, weil sie einfach zu wenig stabil sind. In diesen Fällen müsste man eher mit dem Hersteller als mit dem Kind schimpfen.
Es kommt aber auch vor, dass Spielzeug zerlegt wird. Kinder nehmen gerne Sachen auseinander. Sie wollen wissen, was da surrt – und warum. Sie wollen ergründen, wie etwas funktioniert, was dahintersteckt. Dabei handelt es sich um Entdeckungsdrang und nicht etwa um Zerstörungswut. Obwohl dabei natürlich etwas kaputtgehen kann. Bevor Sie ein kaputtes Spielzeug wegwerfen, lohnt sich ein Versuch, dieses zu reparieren. Gelingt dies, ist das eine bedeutende Erfahrung für Ihr Kind. Vielleicht kann Ihnen Ihr Kind sogar dabei helfen.