Ein Jahr und vier Monate
Nicht immer erfüllt das Kind die Erwartungen, die Eltern und Verwandte an es stellen. Der Fokus auf die Stärken und Talente ist hilfreich.
Haben Sie – und vielleicht Ihre Verwandten, Freundinnen und Freunde – festgestellt, dass Ihr Sohn der Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ist? Oder die Tochter die gleichen lustigen Augen wie der Vater hat? Und die roten Haare müssen vom Opa stammen! Vielleicht ist die Tochter genauso musikalisch wie die Tante? Hoffentlich hat der Sohn etwas mehr Ausdauer beim Lernen als der Vater seinerzeit! Kein Wunder, kann die kleine Tanja keinen Moment stillsitzen, ihre Mutter war ja genauso ein Wirbelwind …
Die Frage, was das Kind wohl von wem «geerbt» hat, stellen sich Eltern immer wieder. Solche Vergleiche sind meist positiv gemeint. Doch sie können auch zu Bewertungen führen. Anstatt zu vergleichen, zelebrieren wir doch lieber die Einzigartigkeit jedes Kindes.
Oft rätseln Eltern auch, welche «Anlagen» ihr Kind sonst noch haben könnte und was sich daraus einmal entwickeln wird.
Jedes Kind ist anders, und nicht immer entwickelt es sich so, wie sich das Eltern vorstellen oder wünschen. Lassen Sie sich überraschen, was in Ihrem Sohn, in Ihrer Tochter steckt! Geben Sie diesem kleinen Menschen die Chance, sich so zu entfalten, wie es seiner Persönlichkeit entspricht. Orientieren Sie sich an den Stärken Ihres Kindes und bauen Sie darauf auf. Freuen Sie sich über seine Begabungen und Fähigkeiten. Legen Sie sich aber nicht darauf fest, denn Vorlieben und Talente können sich im Verlauf der Entwicklung verändern.
Die Freude und der Stolz an kleinen und grösseren Erfolgen des Kindes sind bei Eltern erheblich. Doch zum Elternsein gehören auch Enttäuschungen. Nicht immer gelingt alles auf Anhieb, nicht immer erfüllt das eigene Kind die Erwartungen, die man insgeheim an es stellt. Ideale und Vorurteile können einem das Leben schwer machen, und zwar nicht nur den Eltern, sondern auch den Kindern.
Kleine Kinder merken, wenn über sie gesprochen wird. Sie verstehen weniger den Inhalt als die Art und Weise, wie etwas gesagt wird. Hört ein Kind beispielsweise immer wieder, dass es zwei linke Hände hat – vielleicht, weil es ihm noch nicht gelingt, einen Klötzliturm zu bauen oder Sandkuchen schön zu formen –, verliert es mit der Zeit das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Es wird vermeiden, sich solchen Herausforderungen zu stellen.
Versuchen Sie deshalb, keine negativen und abwertenden Äusserungen zu verwenden. Auch Angehörige haben nicht das Recht, Ihr Kind zu bewerten oder äusserliche Merkmale zu kommentieren. Bestärken Sie Ihr Kind in dem, was es kann. Kleine Kinder sind, wie Erwachsene auch, empfänglich für Lob, für liebevolle und positive Bemerkungen. Vertrauen schafft Selbstvertrauen, und dazu können Sie Ihrem Kind durch Ermutigung und Bestätigung verhelfen.