Ein Jahr und vier Monate
Kinder beobachten genau: Sie bemerken, wie die Eltern von den Nachbarskindern sprechen, wie die Mutter reagiert, wenn ihr jemand den Parkplatz weggeschnappt hat, wie der Vater tönt, wenn ein alter Freund anruft, was passiert, wenn ein Teller in die Brüche geht.
Ob es uns Erwachsenen gefällt oder nicht, Kinder beobachten uns, übernehmen unsere Verhaltensweisen, lernen durch unser Beispiel. Wir sind ihre Vorbilder, sie orientieren sich an uns und ahmen uns nach.
Kinder nehmen auch sehr genau wahr, wie Eltern miteinander umgehen, in welchem Ton sie miteinander sprechen. Sie spüren, wenn die Eltern freundlich und zärtlich zueinander sind. Genauso merken sie, wenn Unstimmigkeiten bestehen. Kinder haben feine Antennen und sie erfassen, ob die Stimmung angespannt oder friedlich, traurig oder fröhlich ist.
In diesem Alter können Kinder noch nicht verstehen, warum Papa plötzlich so wütend ist oder warum Mama sich ärgert. Sie hören nur Papas laute Stimme und sehen Mamas funkelnde Augen und spüren, dass sie im Eifer des elterlichen Gefechts recht unsanft auf den Arm genommen werden. Dicke Luft, aber warum?
Kinder können komplizierte oder widersprüchliche Zusammenhänge noch nicht erfassen und verstehen. Sie beziehen Stimmungen und Handlungen tendenziell auf sich selbst. Eltern sollten sich dessen bewusst sein. Geben Sie Ihrem Kind zu verstehen, dass sie es gern haben – auch wenn dicke Luft herrscht.
Verschiedene Ansichten und Wertvorstellungen gehören zum Leben und können zu Meinungsverschiedenheiten führen. Ihr Kind kann und soll solche Diskussionen mitbekommen. Nur so lernt es, dass es verschiedene Arten zu denken und zu fühlen gibt. Wichtig ist dabei, den eigenen Unmut möglichst nicht aufs Kind zu übertragen und auch im Streit auf die Umgangsformen zu achten.