Una bimba esprime la sua creatività giocando con acquarelli e rotoli di carta igienica.

Was es zum Kreativsein braucht

Drei Jahre und neun Monate

Kinder sind gerne kreativ und probieren verschiedenste Materialien aus. Helfen Sie Ihrem Kind, sich selbst zu helfen und eigene Lösungen zu finden.

Kreativität kann Erwachsenen Zugang zu Erholungsinseln im Alltag schaffen. Für Kinder gehört sie ganz einfach zum Kindsein. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, das darzustellen und zu verarbeiten, was sie erleben und was sie beschäftigt. Dies geschieht beim Malen, Zeichnen, Basteln, Werken und Gestalten, aber auch beim Musizieren, Singen, Tanzen, beim Geschichtenerfinden, beim Reimen und natürlich ganz besonders im Rollenspiel. Gerade hier können Kinder ihren grossen Erfindergeist vielseitig ausleben und in ihrer gestalteten Fantasiewelt entfalten.

Kreativ sein, ohne Zweck und Ziel

Kinder lassen sich inspirieren von dem, was sie umgibt, zum Beispiel von einem riesigen Haufen Herbstblätter. Wie viel Spass macht es doch, die Blätter in die Luft zu werfen, sich in den bunten Haufen hineinzulegen, darin zu wühlen und gänzlich darunter zu verschwinden. Einfach geniessen, einfach sich selber sein, ohne Zweck und ohne Ziel.

Bei Kindern ist nicht das Endprodukt wichtig, sondern der Entstehungsprozess: ausprobieren, herumbauen, werkeln, spielen, ohne dass dabei «etwas» herauskommen muss. Im Sandhaufen wird hingebungsvoll gewühlt, geschaufelt, gegraben.

Gefühle ausleben

Gefühlen, Vorstellungen und Gedanken werden auf kreativen Wegen Formen gegeben und gleichzeitig wichtige Erfahrungen gemacht, denn Kinder werden in ihrer Kreativität auch mit Grenzerfahrungen konfrontiert. Material lässt nicht alles mit sich anstellen. Die eigene Geschicklichkeit ist nicht grenzenlos, sondern wächst erst langsam mit den Entdeckungen und Erfahrungen. Die Freude am Erfolg stärkt das Selbstvertrauen und lässt mit jedem Erfolgserlebnis die Selbstständigkeit wachsen.

Anregendes Material, ein geeigneter Platz und Ordnungsbehälter sowie Ihre Anerkennung und Anteilnahme unterstützen Ihr Kind in seinem schöpferischen Tun. Diese Möglichkeiten finden Kinder zusätzlich auch, wenn sie eine Krippe oder eine Spielgruppe besuchen. Nicht zu vergessen ist natürlich auch, wie viele fantastische und kreative Ideen entstehen, wenn mehrere Kinder gemeinsam spielen!

Verschiedenes Material

Jedes Kind ist anders, dies gilt auch für die schöpferischen Fähigkeiten und Interessen. Daher sollten Sie Ihrem Kind verschiedenste Materialien und Werkzeuge zum Ausprobieren zur Verfügung stellen. Sie müssen dafür keinen Grosseinkauf machen. Schauen Sie sich zuerst einmal bei Ihnen im Haushalt und in der freien Natur um, Sie werden einen Reichtum an kostenlosem Material finden! Es lohnt sich auch, in Fabriken, in Geschäften oder Handwerksbetrieben nach Restposten zu fragen, zum Beispiel nach Papier, Kartonschachteln, Holz- oder Stoffresten, Knöpfen und so weiter. Lassen Sie Ihr Kind ganz verschiedene Materialien ausprobieren.

Schenken Sie Ihrem Kind Vertrauen, wenn es mit scharfen oder spitzen Gegenständen (zum Beispiel Schere) umzugehen lernt. Klären Sie es über mögliche Gefahren auf und zeigen Sie ihm die notwendigsten Regeln im Umgang mit Material und Werkzeug. Lassen Sie es dann aber frei ausprobieren. Unterstützen Sie es nur, wo es wirklich nötig ist. Selber schaffen schafft Selbstvertrauen!

Kreativität im Alltag

Kreativität kann mit den verschiedensten Materialien ausgelebt werden:

  • Einfache Instrumente oder dazu umfunktionierte Haushaltsgegenstände (zum Beispiel Pfannendeckel, Büchsen und Kochlöffel) zum Musizieren
  • Naturmaterialien wie Blätter, Zweige, Tannenzapfen, Kastanien zum Bauen und Basteln
  • Sand, Wasser und Steine zum Experimentieren und Gestalten
  • Buntstifte, Filzstifte, Neocolor, Wasserfarben oder Fingerfarben zum Zeichnen und Malen
  • Bilderbücher zum Anschauen, Träumen, Erzählen undeventuell dazu ein Gerät mit Aufnahmefunktion, um selbst erfundene Geschichten festzuhalten.
  • Kleider und Requisiten fürs Rollenspiel
  • Bauklötze zum Bauen
  • Legosteine zum Konstruieren
  • Ton oder Salzteig zum Kneten
  • Perlen und Schnüre für kunstvolle Ketten

Räume und Ordnungsbehälter

Kinder sind viel in Bewegung und brauchen Raum, wo sie aktiv sein können. Ihr Erfindergeist und ihr Schöpferdrang ist dabei oftmals überschwänglich und sieht zuweilen für Erwachsene mehr nach Chaos aus. Die ganze Wohnung als kreativer Tummelplatz? Machen Sie doch mit Ihrem Kind ab, wo es zu Hause seine Kreativität ausleben kann. Ausgelassene Farbexperimente verlegt man zum Beispiel mit Vorteil ins Badezimmer, ebenso wie Wasser- und Planschspiele. Vielleicht ist es möglich, eine Ecke zum Bauen und Basteln oder fürs Rollenspiel einzurichten, die nicht täglich aufgeräumt werden muss?

Auch wenn Ihr Kind eine Malecke besitzt, wird es oftmals lieber am Küchentisch malen, wenn Sie am Kochen sind, denn Ihre Nähe zählt! Geniessen Sie in diesem Moment die gemeinsame Schaffenskraft mit Malstift und Kochlöffel.

Viel Zeit zum Vertiefen

Kreativität braucht Zeit. Zeit, um etwas anzufangen, auszuprobieren, weiterzuführen, zu zerstören, neu zu beginnen. Geben Sie Ihrem Kind diese Zeit und unterbrechen Sie es nicht unnötig. Greifen Sie auch nicht sofort ein, wenn etwas nicht gerade auf Anhieb klappt. Ihr Kind lernt am meisten, wenn es etwas selber (er)schafft. Oftmals genügt ein kleiner Denkanstoss oder ein praktischer Hinweis und es kann alleine weiterfahren.







Illustration Kind ist in einer kreativen Phase

Und noch etwas: Auch Kinder haben manchmal keine Lust, kreativ zu sein. Sie müssen gar nicht immer etwas tun, sondern sollten das Recht haben, sich langweilen zu dürfen. Aus dieser Langweile kann dann wieder etwas anderes, etwas Neues entstehen. Lassen Sie Langeweile zu, auch wenn es nicht ganz einfach ist, zuzusehen und die Stimmung Ihres Kindes auszuhalten. Um diese Leere zu füllen, braucht es von Ihnen nicht gleich ein neues Angebot.







Illustration Kinder finden Bewegung gesund und kreativer als Langeweile

Anerkennung und Anteilnahme

Der Entstehungsweg ist wichtiger als das Ziel. Daher ist es ganz wichtig, dass Väter und Mütter ihren Anspruch auf Perfektion zurücknehmen. Ermuntern Sie Ihr Kind seine Ideen umzusetzen, und lassen Sie es Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln. Falls es doch einmal ein «Vorzeigeprodukt» braucht, zum Beispiel als Geschenk, so achten Sie darauf, dass Sie Ihr Kind nicht überfordern! Wenn eine Bastelarbeit so kompliziert ist, dass Sie Ihrem Kind die Arbeit ständig aus der Hand nehmen müssen, wird Ihr Kind das Gefühl bekommen, dass es nichts kann, und schnell die Freude daran verlieren.

Anerkennen Sie die frei aus der Fantasie entstehenden Werke. Zeigen Sie Ihre Wertschätzung zum Beispiel für das Auto aus Abfallmaterial auch dadurch, dass es eine Zeit lang aufgestellt bleibt. Mit dem Einverständnis Ihres Kindes können geschaffene Objekte von Zeit zu Zeit wieder in ihre Bestandteile zerlegt werden, um dann das Material erneut zu verarbeiten. Sollten Sie im Keller oder im Estrich noch ein wenig Stauraum zur Verfügung haben, so könnte eine grosse Kiste aufgestellt werden, in der Ihr Kind seine liebsten Sachen auf unbestimmte Zeit aufbewahren kann.

Selbstvertrauen heisst sich trauen

Nehmen Sie Anteil am Tun Ihres Kindes und drücken Sie Ihre Anerkennung in Worten aus: «Da hast du dir etwas ganz Gutes ausgedacht und dir so viel Mühe gegeben!»

Denken Sie bei Ihrem Lob jedoch daran: Selbstvertrauen kann man nur sich selbst geben, daher muss das entstandene «Produkt» oder die vorgeführte «Produktion» dem kleinen Künstler oder der kleinen Künstlerin gefallen und nicht Ihnen. In diesem Sinne können Sie Ihr Kind darin unterstützen, mit sich selber zufrieden zu sein. Falls das nicht den Anschein macht, so versuchen Sie doch gemeinsam herauszufinden, was es noch braucht, damit Ihr Kind mit seinem Produkt zufrieden ist. Benötigt es zum Beispiel eine Anregung, wie es aus den Legosteinen ein Hausdach konstruieren kann? Fehlt noch ein Zauberhut, um sich in einen Zauberer verwandeln zu können? Vielleicht lässt sich ein solcher ja selber herstellen? Helfen Sie Ihrem Kind, sich selber zu helfen. Unterstützen Sie es darin, eigene Lösungen zu finden. Das schafft Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und damit die Voraussetzung, unbeschwert zu experimentieren und Neues zu wagen.

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