Una bimba indossa un cappello buffo

Die magische Welt des Kindes

Drei Jahre und neun Monate

Im Vorschulalter erleben Kinder die Welt mit einer ausgeprägten magischen Sichtweise. Sie sehen sich selbst als «Feen» oder «Zauberer». Diese Fantasien sind wichtig für die Entwicklung des Kindes.

Kinder im Vorschulalter glauben, dass ihre Gedanken, Wünsche und Handlungen bestimmte Ereignisse hervorbringen oder verhindern können. Oder dass alle Menschen so denken und handeln, wie sie es selber tun.

Diese Vorstellung ermöglicht ihnen auch, sich in andere Wesen zu verwandeln und plötzlich nicht mehr «Alicia» zu sein, sondern zum Beispiel «Bello» Der kann bellen, knurren und auf vier Beinen herumtoben. Vielleicht erscheint «Bello» pünktlicher am Esstisch, wenn Sie ihn als Belohnung dafür hinter dem Ohr kraulen. Vielleicht macht auch Aufräumen auf vier Beinen mehr Spass als auf zwei Beinen. Und vielleicht geht «Bello» abends auch widerstandsloser ins Körbchen als Alicia ins Bett? Probieren Sie einmal aus, ob Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter auf der Fantasieebene begegnen können.







Illustration Kind und Mutter spassen in der Badewanne

Im Rollenspiel verarbeitet das Kind, was es beschäftigt und berührt. Gleichzeitig macht es die Erfahrung, wie man sich in verschiedenen Rollen fühlt und bei anderen ankommt.

Erlebnisse, Handlungen und Figuren aus Büchern oder Sendungen inspirieren Kinder und beeinflussen das Spiel. Das Kind taucht in andere Welten ein und ahmt nach, was es im Alltag beobachtet.

Keine klare Grenze zwischen Realität und Fantasie

Für Kinder im Vorschulalter ist es oftmals nicht möglich, klar zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Weil die Grenzen fliessend sind, erlebt das Kind Darstellungen in Filmen ebenfalls als real. Deshalb ist es wichtig, dass Medieninhalte kindgerecht sind, zum Alter passen und sorgfältig ausgewählt werden.

Auch wenn Sie die fantasievollen Spiele manchmal nicht verstehen: Geniessen Sie es, dass Ihr Kind Sie vorbehaltlos daran teilnehmen lässt und Ihnen einen Einblick in seine «magische» Gefühls- und Gedankenwelt gibt.







Illustration Kinder spielen mit Fantasie in einer Kartonbox

Die magische Phase

Die Fantasien Ihres Kindes sind wichtig für seine Entwicklung. Sie sind keine Spinnereien und erst recht keine Lügen. Einige Kinder leben länger in ihrer Fantasiewelt, andere weniger lang. Das magische Denken gefährdet auch die intellektuelle Entwicklung nicht, sondern entspricht der altersgemässen kindlichen Logik.

In der Erwachsenenwelt, in Natur und Technik gibt es viele komplizierte Dinge. Kinder suchen dafür ihre eigenen Erklärungen. Vielleicht dachte Ihr Kind bis jetzt, dass ein kleiner Zwerg im Lichtschalter sitzt und über Hell und Dunkel befiehlt? Lassen Sie Ihrem Kind diese Sichtweise, damit es seine fantasievollen Vorstellungen bewahren kann. Begegnen Sie dem Denken Ihres Kindes mit wachem Interesse und Einfühlungsvermögen. So verschaffen Sie sich einen direkteren Zugang zur Kinderwelt und eröffnen sich selber eine neue Welt.

Warum weinen Blumen?

Kinder beleben und beseelen die Dinge um sich herum. Daher ist der Tisch, an dem man sich gestossen hat, ein «böser» Tisch, der einem absichtlich wehgetan hat. Der Tautropfen auf einem Blütenblatt ist die Träne einer Blume. Sinn und Zweck der Dinge sind für Kinder in diesem Alter noch nicht eindeutig bestimmt. An ihre Stelle treten Erklärungen, welche die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse des Kindes widerspiegeln. So scheint der Mond, damit wir in der Nacht etwas sehen, und die Sonne schläft in dieser Zeit, damit sie am nächsten Morgen wieder aufstehen mag.

Fantasie oder Wirklichkeit?

Die Trennungslinie zwischen leblosen Gegenständen und lebendigen Wesen ist fliessend. Das zeigt sich auch darin, dass sich Kinder mit ihren Spieltieren, Puppen und unsichtbaren Freunden unterhalten und ihnen im «gemeinsamen» Spiel Leben einhauchen. Manchmal erscheint diese Beseelung auch widersprüchlich. Eben wird die Puppe noch liebevoll umsorgt. Einen Moment später wird sie achtlos zu Boden geworfen, weil sie ja nur eine Puppe ist. Damit zeigt sich auch, dass Kinder durchaus in gewissen Situationen in der Lage sind, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden.

Mit zunehmendem Alter werden sich auch die vielen «Was»-, «Warum»- und «Wieso»- Fragen häufen, denn Ihr Kind möchte immer mehr wissen und verstehen. Wenn Sie manchmal nicht so recht wissen, wie Sie eine Frage beantworten sollen, so fragen Sie doch zuerst Ihr Kind nach seiner Vorstellung. So spüren Sie auch am besten, wie realitätsnah Ihre Antwort erwartet wird. Können Sie die Frage Ihres Kindes nicht sofort beantworten, so nehmen Sie sich Zeit. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Sie auch nicht alles wissen und zum Beispiel zuerst im Internet nachlesen müssen.

Ermöglichen Sie Ihrem Kind ein Ausleben seiner Träume und Fantasien. Dazu gehört auch das Verständnis für Fantasiefiguren wie zum Beispiel für den Osterhasen, die Befana oder den Samichlaus. 

Wenn Kinder fragen, ob es diese Gestalten nun wirklich gibt oder nicht, können Sie zum Beispiel mit der Gegenfrage «Was meinst du dazu?» antworten. Bedenken Sie, dass es eine Übergangszeit gibt, in der die Kinder an diese Figuren glauben und doch nicht glauben. Sie sollten das respektieren und die Kinder selber entscheiden lassen, wann sie sich von diesen «Figuren» verabschieden wollen.

Verständnis für fantastische Geschichten zeigen

Erzählt Ihre Tochter immer wieder von einem erfundenen Freund, mit dem sie spielt und singt und lacht? Verbreitet Ihr Sohn im Quartier die Mitteilung, dass in Ihrem Haus eingebrochen wurde, obwohl es eigentlich das Nachbarshaus war? Behauptet Ihre Kleine steif und fest, dass ein Krokodil unter dem Bett wohnt? Fantasie oder Lügenmärchen? Angst oder Wunschdenken? Wenn Sie genau hinsehen, hinhören und nachfragen, werden Sie feststellen, was hinter der «Unwahrheit» steckt: Lust am Fabulieren, am Ausschmücken, am Übermut? Oder doch eher ein Angst auslösendes Erlebnis, das Verlangen nach Aufmerksamkeit und Bewunderung oder eine Notlüge, um Unangenehmes zu vermeiden?

Die fantastischen Geschichten helfen Kindern, Widersprüche in der inneren und äusseren Welt auszuhalten und zu verarbeiten. Reden Sie Ihrem Kind seine Fantasien daher nicht aus, sondern zeigen Sie Verständnis dafür. 

Rituale und Feste im Alltag und im Jahreslauf

«Man sollte öfter einmal Feste feiern und nicht erst, wenn eins fällt. 
Man kann sie ohne Gäste feiern und auch ohne Geld. 
Ein hübsches Fest heisst Freunde-Suchen, ein lustiges heisst Lachen-Fest. 
Es gibt das Fest der Zwetschgenkuchen und das Drachenfest. 
Ich könnte euch noch viele nennen, doch hoff ich, ihr versteht – 
man muss auch grundlos feiern können, wenn es sonst nicht geht.» 
(Rudolf Neumann)

Einmal im Jahr die Königin am Dreikönigstag sein, an der Fasnacht als gefährlicher Pirat allen Angst einjagen oder als Geburtstagskind im Mittelpunkt stehen: Kinder sehnen Feste mit wiederkehrenden Ritualen das ganze Jahr herbei. Sie helfen ihnen, sich im Jahresverlauf zu orientieren, geben den Dingen eine Ordnung und entsprechen in ihrer Gestaltung ganz dem magischen Denken des Kindes. Wie wäre es damit, verstaubtes Brauchtum neu zu beleben? Wenn Sie mit dem ursprünglichen Sinn eines rituellen Festes nichts anfangen können, so gestalten Sie doch gemeinsam eigene Rituale und Traditionen. Feiern kann man übrigens viele Anlässe. Feste müssen nicht nur an offiziellen Feiertagen stattfinden. Rituale lassen sich auch im Alltag einbauen, zum Beispiel als «Aufwach»-, «Zubettgeh»-, «Geschichtenerzähl»- oder «Aufräum»-Ritual. Auch hier geben sie durch ihren vertrauten Ablauf Sicherheit und Orientierung.







Illustration Kind will nicht schlafen ohne Gute-Nacht-Fest

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