Un bimbo e una bimba litigano sul divano.

Kinder haben sich zum Streiten gern

Drei Jahre und sechs Monate

Beim Streiten lernen Kinder, wie man sich durchsetzt, Kompromisse sucht oder neue Lösungen finden. Eltern fällt es manchmal schwer, bei Konflikten nicht einzugreifen.

Kommen Ihnen die folgenden Situationen bekannt vor?

  • «Der Teddy gehört mir!», schreit Tina und reisst ihrem kleinen Bruder Meister Petz aus der Hand. Natürlich folgt die Reaktion postwendend – Tim brüllt aus Leibeskräften und versteht die Welt nicht mehr.
  • Brennende Kerzen auszublasen macht riesig Spass, aber nicht, wenn zwei es gemeinsam tun: «Ich blas sie aus, nicht du!», schreit Leandro seinen Freund an und schubst ihn weg. Nico wird wütend, schlägt zurück und schon liegen sich die beiden in den Haaren.
  • Zuerst ein Krachen, dann lautes Geschrei. Das prächtige LEGO-Schloss ist zerstört. Leonie weint herzzerreissend: «David hat mein Schloss kaputtgemacht», und David schreit zurück: «Aber du hast mich nicht mitspielen lassen!»

Wut, Eifersucht, Neid: Konflikte haben viele Ursachen. Egal, welche es sind, und egal, ob der Streit unter Geschwistern oder Freunden ausgetragen wird, wesentlich ist, dass gestritten wird. Wer streitet, setzt sich mit sich selbst, seinen Bedürfnissen, Interessen und Gefühlen und denen des anderen auseinander. Kinder erleben dadurch, wie man sich durchsetzt, nachgibt, Mut zeigt, die Gefühle des anderen wahr- und ernstnimmt, zuhört, Kompromisse sucht und gemeinsam kreative Lösungen findet.

Wenn zwei sich nicht riechen können

Kinder sind verschieden und es kann vorkommen, dass sich zwei überhaupt nicht verstehen und ständig auf Kriegsfuss sind. Handelt es sich dabei um die Kinder von befreundeten Müttern oder Vätern, kann die Situation für alle Beteiligten schwierig werden. Erzwingen lässt sich keine Kinderfreundschaft. Vielleicht ist es in so einer Situation besser, sich vorerst nur unter Erwachsenen zu treffen und eine Begegnung der Kinder auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Wiederholte Streitigkeiten unter Kindern müssen aber nicht immer zu einer Auszeit führen. Entscheidend ist, warum und wie gestritten wird und ob es auch zu einer Versöhnung kommt. Auseinandersetzungen unter Freunden können auch Zeichen von Vertrautheit, Verbundenheit und intensiver Auseinandersetzung sein.

Auf diese Weise machen Kinder auch die Erfahrung, dass Freundschaften immer wieder neu «verdient» werden müssen. Im Gegensatz zu Familienangehörigen, die in guten und schlechten Zeiten einfach da sind.

Eine eigene Streitkultur entwickeln

Im Streit verhalten sich Kinder genauso unterschiedlich wie wir Erwachsenen: Die einen brausen auf, die anderen geben schnell klein bei, manche provozieren Streit, andere geben bei Streitigkeiten dem Frieden zuliebe nach. Eines ist sicher: Kinder beobachten genau, wie in der Familie mit Schwierigkeiten umgegangen wird und welche Lösungen dafür gefunden werden.

Versuchen Sie, Streit als eine wichtige Form von zwischenmenschlicher Auseinandersetzung anzuerkennen. Diese Sichtweise hilft Ihnen, möglichst wenig einzugreifen. Kinder sollen eigene Erfahrungen machen. Werden Streitigkeiten von den Erwachsenen wiederholt in Ordnung gebracht, lernen Kinder nicht, selber mit unangenehmen Situationen fertigzuwerden.

Ohne streitschlichtende Erwachsene fühlen sie sich schnell aufgeschmissen. Es lohnt sich also, die Situation erst einmal zu beobachten. Und gegebenenfalls zur eigenen inneren Beruhigung bis zehn zu zählen.

Denken Sie auch daran, dass die erbittertsten Feinde oftmals sehr schnell wieder ein Herz und eine Seele sind.







Illustration Kinder streiten und versöhnen sich

Streiten lassen oder eingreifen?

Nicht in jedem Fall entspricht die Art und Weise, wie Kinder ihre Konflikte weiterentwickeln, den elterlichen Vorstellungen. Zum Beispiel dann, wenn sie sich handgreiflich zu helfen versuchen. Zurückhaltung kostet Eltern meist mehr Energie als Einmischung. Zweifellos gibt es jedoch Streitigkeiten, bei denen es nötig ist, sich sofort einzumischen. Beispielsweise, wenn mit gefährlichen Gegenständen geschlagen wird, wenn eines der Kinder sich so in seine Wut hineinsteigert, dass es alle Grenzen überschreitet, oder wenn ständig das gleiche Kind angegriffen wird. Dann müssen Sie klare Streitregeln aufstellen und diese konsequent einhalten.

Bevor Sie einschreiten, lohnt es sich, sich erst mal Zeit zu nehmen, weinende Kinder zu trösten und zu warten, bis sich die Wogen geglättet haben. Da am Konflikt meist alle Betroffenen beteiligt sind, ist es oftmals sehr schwierig, den Streit zu rekonstruieren. Ergreifen Sie daher nicht automatisch Partei für das (scheinbar) schwächere Kind. Manchmal ist es gerade das «Opfer», das zuvor als «Anstifter» herausgefordert hat. Viel fruchtbarer, als einen Schuldigen oder eine Schuldige zu ermitteln, ist, die Streitenden wieder friedlich zusammenzuführen. Vielleicht hilft ein Ritual wie sich die Hand reichen, ein gutes Wort sagen, das Kriegsbeil begraben.

Regeln fürs Streiten

  • Mit harten Gegenständen darf man nicht schlagen.
  • Beissen und mit den Füssen treten ist verboten.
  • Bestimmte (zuvor abgemachte) Schimpfwörter dürfen nicht gebraucht werden.
  • Einem anderen Kind darf nichts kaputtgemacht werden.






    Illustration Kinder schauen sich Streitregeln an

    Die aufgestellten Streitregeln gelten natürlich für Gross und Klein. Erklären Sie Ihrem Kind und eventuell auch seinen Freundinnen und Freunden, wenn es Besuch hat, warum Sie an diesen Vereinbarungen konsequent festhalten. Machen Sie auch ab, was passieren soll, wenn diese nicht eingehalten werden. In jeder Familie gelten andere Regeln. Wenn sich Eltern befreundeter Kinder darüber austauschen, kann manches Missverständnis oder manche Unklarheit vermieden oder vielleicht auch eine neue gute Idee aufgenommen werden.

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