Tre bimbi giocano insieme in una camera.

Erste Schritte in eine eigene Welt

Drei Jahre und sechs Monate

Mit zunehmendem Alter werden Kinder immer selbstständiger. Manche gehen zielstrebig auf andere Kinder zu, andere tun sich schwerer mit der ersten Kontaktaufnahme. Kinder wie Eltern müssen üben, loszulassen.

«Tschüss, ich gang jetzt zu de Lisa übere, muesch nöd mitcho!», heisst es keck aus dem Kindermund. Freuen Sie sich über Ihre «grosse» Kleine? Oder gibt es Ihnen manchmal einen wehmütigen Stich ins Herz, wenn Sie Ihr Kind so selbstständig hinter der Haustüre verschwinden sehen? Vor allem, wenn Sie Ihr Kind erst kurz vorher von der Kita abgeholt haben und es nun gleich wieder alleine loszieht. Vielleicht möchte Ihr Kind noch nicht alleine weg und ist am liebsten zu Hause?







Illustration Kind verabschiedet sich von Eltern

In den vergangenen dreieinhalb Jahren bewegte sich Ihr Kind im sicheren Netz der Familie. Je nach Betreuungssituation ist es sich gewohnt, von den Grosseltern oder einer Tagesmutter betreut zu werden oder Zeit in der Kita zu verbringen. Im Zusammenleben mit Mutter, Vater und vielleicht auch Geschwistern macht es täglich wichtige Erfahrungen. Es lernt, wie Eltern und vielleicht auch wie Geschwister miteinander umgehen, worüber gelacht, geredet und gestritten wird. Die Familie ist sein erstes Übungsfeld im Umgang mit anderen Menschen, ihren Gefühlen und Bedürfnissen. In der Auseinandersetzung mit weiteren grossen und vor allem kleinen Leuten erweitern Kinder ihre sozialen Fähigkeiten. Kontakte zu anderen Kindern stellen ein unersetzliches Lern- und Erfahrungsfeld dar. So lernt das Kind von klein auf, sich in einer Gruppe zurechtzufinden.

Vom «Ich» zum «Du»

Auf dem Spielplatz, bei Nachbarn, Verwandten oder Bekannten, in der Spielgruppe oder in der Kindertagesstätte knüpfen Kinder Kontakte und schliessen Freundschaften. Haben Sie schon beobachtet, wie Ihr Kind auf ein anderes Kind zugeht? Bei einer ersten Kontaktaufnahme reagieren Kinder unterschiedlich: Die einen gehen zielstrebig auf unbekannte Kinder zu, für andere bedeutet ein solcher Schritt eine grössere Mutprobe. Je nach Persönlichkeit des Kindes braucht es dafür mehr Zeit oder mehr Unterstützung.

Solange Sie Ihr Kind bei seinen Begegnungen begleiten, wird es eher bei Ihnen «Rückendeckung» suchen, wenn es verunsichert ist. Kinder, die den Umgang in einer Gruppe von klein auf gewohnt sind, sammeln früher Erfahrungen, im Alleingang neue Kontakte zu knüpfen.

Da oft beide Eltern berufstätig sind, werden immer mehr Kinder ausserhalb der Familie betreut, zum Beispiel von einer Tagesmutter oder in einer Kindertagesstätte. Mit anderen Kindern zu spielen oder einen Kindergeburtstag gemeinsam zu feiern, bedeutet für viele kein Neuland. Früh lernen die Kinder, sich ohne elterlichen Rückhalt selbstständig zurechtzufinden, auch wenn es eine grosse Herausforderung darstellen kann.

Stück für Stück loslassen

Was für das eine Kind eine riesige Mutprobe bedeutet, ist für das andere kaum der Rede wert: zum ersten Mal bei der Grossmutter alleine schlafen, zum ersten Mal mit dem Götti alleine einen Ausflug unternehmen oder zum ersten Mal in einer neuen Gruppe dabei sein.Solche Wagnisse können mit Herzklopfen, Stolz, Freude, manchmal aber auch mit Angst verbunden sein. Der Lust auf Neues, auf «Selbermachen» steht das Gefühl der Unsicherheit und der Furcht vor dem Ungewohnten gegenüber. Eltern teilen häufig diesen Gefühlszwiespalt mit ihrem Kind. Auch sie sind oftmals verunsichert, was sie ihrem Kind zumuten können.

«Ich will hei!»







Illustration Kind weint und will nach Hause

«Ich will zu eu!» tönt es vielleicht gegen Abend durchs Telefon, obwohl Ihr Kind vor wenigen Stunden freudestrahlend beim Götti geblieben ist. Weder Teddybär, Gutenachtgeschichte noch das Halstuch, das nach der Mutter riecht, helfen. Warum denn plötzlich und was soll man tun? Hart bleiben oder das Kind – wenn überhaupt möglich – sofort abholen?







Illustration Eltern überlegen sich ob Sie ihr Kind abholen sollen

Kinder in diesem Alter können sich die Zukunft nicht vorstellen. Wenn sie dann aber abends müde sind, packt viele überfallartig die Sehnsucht nach Papas Umarmung oder Mamas Stimme. In so einem Moment heisst es abschätzen, wie gross die Verzweiflung des Kindes ist. Lässt es sich nicht beruhigen, nehmen Sie seine Gefühle und seinen Wunsch ernst. So geben Sie Ihrem Kind die Sicherheit, dass es Ihnen vertrauen kann. Diese Sicherheit gibt ihm die Kraft, sich ein zweites Mal zu trauen.

Selbstständigkeit fördern

Wie wird das Unbekannte und Neue die Beziehung zum eigenen Kind verändern? Wie wird es sein, wenn weitere Bezugspersonen im Leben des Kindes eine wichtige Rolle spielen? Ablösung ist in besonderem Masse ein Vorgang zwischen Eltern und Kind, der wechselseitig beeinflusst wird. Daher ist es wesentlich, wie Sie mit Ihren Empfindungen umgehen. Auch wenn es einfacher gesagt als getan ist, versuchen Sie der zunehmenden Selbstständigkeit Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter positiv zu begegnen.

«Loslassen» ist ein Prozess, der manchmal mehr und manchmal weniger Zeit braucht. Kinder haben zwei Grundbedürfnisse, die sich nicht immer das Gleichgewicht halten: Die einen brauchen ganz viel Gewicht auf der «Sicherheits»-Schale, die anderen haben ganz viel Gewicht auf der «Neugier»-Schale.







Illustration Kind wird gefragt, ob es Nähe oder Distanz braucht

Was Eltern tun können

  • Geben Sie Ihrem Kind Übungsmöglichkeiten, um seine Selbstständigkeit zu trainieren und Schwierigkeiten selber anzugehen. Räumen Sie ihm nicht alle Probleme aus dem Weg. Geben Sie ihm Zeit und vertrauen Sie auf seine Fähigkeit, eigene Lösungen zu finden.
  • Üben Sie sich in Zurückhaltung. Es braucht Geduld und Nerven, zuzuschauen, wie sich Ihr Kind abmüht, seine Jacke selber anzuziehen, oder wie es sich mit einem anderen Kind um ein Spielzeug streitet. Findet Ihr Kind aber zu einer eigenen Lösung, so belohnt ein strahlendes, stolzes Gesicht Ihre Zurückhaltung. Greifen Sie wirklich erst helfend oder vermittelnd ein, wenn Ihr Kind nicht mehr weiter weiss.
  • Lassen Sie Ihrem Kind eigene Welten. Respektieren Sie, wenn Sie nicht immer Zutritt zu seinem Zimmer haben und es nicht erzählen mag, was es in der Kindertagesstätte, bei der Tagesbetreuung, in der Spielgruppe oder sonst wo erlebt hat. Dass kleine Kinder kaum von ihren Erlebnissen berichten, hat übrigens auch damit zu tun, dass sie ein anderes Zeitgefühl besitzen und Dinge, die vorbei sind, als unwichtig betrachten. Sie leben im Hier und Jetzt.
  • Gestehen Sie Ihrem Kind sein eigenes Tempo zu. Es soll nicht gedrängt werden, etwas alleine zu machen, wovor es noch zögert. Halten Sie Ihr Kind nicht zurück, wenn es sich etwas Neues zutraut und sich dabei nicht in echte Gefahr bringt.
  • Zeigen Sie, dass Sie positiv eingestellt sind. Ihr Kind spürt, wenn Sie selber überzeugt sind, dass es nicht nur in der Familie gut betreut ist. Dass es ihm guttut, wenn es einige Tage die Woche die Kindertagesstätte besucht, mit der Spielgruppe anfängt oder zwischendurch einmal auswärts übernachtet. Es ist normal, wenn Eltern manchmal Mühe haben oder etwas Zeit brauchen, um sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass das Kind auch gut ohne sie auskommt.
Reload content for this field