Vier Jahre und sechs Monate
Trauer oder Wut leben Kinder im Spiel aus. Dazu brauchen sie manchmal auch Spielzeugwaffen. Wie sollen Eltern damit umgehen?
Kinder spielen nicht nur den netten Verkäufer, die herzige Prinzessin oder den lustigen Clown. Kinder wollen auch böse sein, zum Beispiel als Hexen, Geister, Piraten, Monster, wilde Tiere. Genauso wie wir Erwachsenen erleben sie Gefühle wie Angst, Schrecken, Trauer, Wut, Macht und Ohnmacht als unangenehm oder bedrohlich. Kinder suchen im Spiel Möglichkeiten, diese Empfindungen auszuleben.
Dazu gehört auch das Spiel mit gekauften oder selbst gebastelten Waffen. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter gerne mit Waffen spielt, das ist in diesem Alter ganz normal. Waffen entsprechen dem kindlichen Bedürfnis, mächtig, mutig und stark zu sein. Viele innere Ängste können auf diesem Weg bekämpft werden.
Wie sollen Erwachsene aber damit umgehen, wenn die Aggression im Spiel überhandnimmt, Spielzeugwaffen und anderes Kriegsspielzeug das Spiel bestimmen? Eines ist sicher: So wenig, wie es unter Erwachsenen eine Welt ohne Gewalt und Aggressionen gibt, gibt es sie unter Kindern. Täglich werden wir mit beängstigenden und grausamen Bildern und Nachrichten aus Fernsehen und Zeitung konfrontiert. Bekommt Ihr Kind davon Bruchstücke mit, so kann das Unfassbare grosse Ängste und innere Spannungen erzeugen.
Am besten schützen Sie Ihr Kind vor Bildern, die Gewalt und Verwüstung veranschaulichen. Klären Sie es, wenn es mit Waffen spielt, darüber auf, dass richtige Waffen verwunden und töten können. In diesem Zusammenhang können Sie zum Beispiel auch die Regel aufstellen, nicht auf Tiere und Menschen zu zielen.
Erlauben oder verbieten? Diese Entscheidung hängt stark von Ihren persönlichen Wertvorstellungen ab. Stehen Sie dazu, wenn Sie Ihr Kind in diesem Alter nicht mit Waffen spielen lassen möchten, und tauschen Sie sich mit anderen Eltern darüber aus.
Gewaltspielzeug allein macht Kinder nicht gewalttätig, dazu müssen noch andere Faktoren kommen. Zum Beispiel, wenn ein Kind selber Gewalt erfahren hat oder wenn es in seinem unmittelbaren Umfeld erlebt, dass sich immer der Mächtigere mit der lauteren Stimme durchsetzt, mit oder ohne körperliche Gewalt. Solche Erfahrungen schwächen das Selbstbewusstsein eines Kindes und bestärken es in der Ansicht, dass Aggression zum Erfolg führt.
Die Spielzeugindustrie lockt Jahr für Jahr mit unzähligen Neuheiten auf dem Spielzeugmarkt. So werden zum Beispiel Buch- oder Videostars wie «Paw Patrol» oder Spiderman professionell vermarktet. Werbung beeinflusst nicht nur uns Erwachsene, sondern genauso unsere Kinder. Fasziniert bewundern sie die schicke Barbie im glitzernden Abendkleid oder den muskulösen «Action-Man» mit den furchteinflössenden Waffen. Siewünschen sich, selber so schön und schillernd oder mutig und stark zu sein. Kinder identifizieren sich im Spiel mit diesen «Traumfiguren» wie Prinzessin Lillifee und Captain Sharky. Versuchen Sie als Eltern immer wieder Gegensteuer zu geben und wählen Sie Spielzeug nicht bloss nach dem Geschlechteraspekt und Rollenklischees aus.
Es ist sinnvoll, sich über Sinn und Unsinn dieser Figuren Gedanken zu machen und sich trotz dem Druck der Werbung und dem Spielzeugbesitz anderer Kinder zu fragen, wo man Grenzen setzt. Vielleicht gelingt es Ihnen auch, neue Spielimpulse zu setzen, zum Beispiel indem Sie gemeinsam neue Kleider für Barbie nähen oder dem gruseligen Plastikmonster eine kuschelige Höhle aus Waldmaterial bauen? Ermuntern Sie Ihre Tochter ganz bewusst, mit Bauklötzen zu bauen oder aus Lego etwas zu konstruieren. Und regen Sie Ihren Sohn auch zum Spiel mit Puppen oder zum Sandkuchen backen an. Stellen Sie ein anregendes und auch geschlechterunabhängiges Spielangebot zur Verfügung.