Vier Jahre und drei Monate
Der Kindergarten gilt als erste Stufe im öffentlichen Bildungssystem. Der Kindergarteneintritt bedeutet einen wichtigen Ablösungsschritt. Was im Kindergarten gelernt wird und ob Ihr Kind dazu bereit ist, erfahren Sie hier.
«Wird es meinem Kind im Kindergarten gefallen? Wird es von den anderen Kindern akzeptiert?» Verschiedene Fragen gehen Eltern durch den Kopf. Die meisten betreffen das Wohlergehen des Kindes. Wer sie beantworten will, braucht das vertrauensvolle Wissen: «Mein Kind schafft das!».
Hat ein Kind eine Beeinträchtigung, fällt es Eltern möglicherweise noch schwerer, diese vertrauensvolle Haltung einzunehmen. Dennoch lohnt sich die Integration in den Kindergarten: für ein Kind mit Behinderung und auch für die übrigen Kinder! Früh wird so das Zusammenleben in einer Vielfalt erlernt. Dadurch entwickeln sich bei allen Kindern vielfältige soziale Kompetenzen, wie Rücksicht, Verständnis, Geduld. Positiv beeinflusst wird die Integration in den Regelkindergarten durch einen guten Kontakt zwischen Eltern und Lehrperson und eine wertschätzende Haltung der übrigen Eltern. Um Unsicherheiten abzubauen, ist der Austausch mit betroffenen Eltern hilfreich. Angebote gibt es bei Elternvereinen (behindertekinder.ch; insieme.ch), online in Elternforen oder auf der Elternvernetzungsplattform elternsofa.ch.
Im Zentrum des Kindergartens steht die Weiterentwicklung der drei Kompetenzbereiche «personale, soziale und methodische Kompetenzen». Dafür bereitet die Kindergartenlehrperson ein vielseitiges und dem Entwicklungsstand des Kindes angepasstes Lernumfeld und Lernangebot vor. Kernstück der Kindergartenarbeit ist das spielerische Vermitteln und das Weiterentwickeln von persönlichen, intellektuellen, sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Kindergartenkinder sollen spielen und spielend lernen.
Kindergartenkinder üben sich in ihrer Selbst- und Körperwahrnehmung und in ihrer persönlichen Ausdrucksfähigkeit. Das heisst, sie lernen, sich selber bewusster wahrzunehmen, genau zu beobachten, hinzuhören, Gefühle auszudrücken und in Worte zu fassen.
Im Umgang mit anderen Kindern lernen sie, sich einzufühlen, Rücksicht zu nehmen, zusammen zu spielen und zu arbeiten. Es gilt, Regeln einzuhalten und Konflikte zu lösen. Im Kindergarten wird das Kind selbstständiger. Indem es immer wieder gefordert wird, mit Erfolg und Misserfolg umzugehen, kann auch sein Selbstbewusstsein gestärkt werden.
Im Kindergarten wird mit verschiedensten Materialien experimentiert. Werkzeuge, Geräte und Musikinstrumente, Mal- und Basteltechniken werden ausprobiert, Erfahrungen mit Tieren und Pflanzen gesammelt. Mittels Geschichten, Liedern, Singspielen und Fingerversen entwickelt sich die Sprache, und der Wortschatz vergrössert sich. Auch erste mathematische Erkenntnisse werden spielerisch erworben. Die Kinder werden ihrer Entwicklung entsprechend in ihrer Lernfreude und beim Lösen von Problemen unterstützt.
Im Kindergarten sind Bewegungselemente ein wichtiger Bestandteil des täglichen Unterrichts. Phasen des Stillsitzens und Zuhörens werden immer wieder durch Bewegungen unterbrochen. Bewegungsspiele dienen nicht bloss dazu, ruhige Sequenzen aufzulockern, sondern um sich unterschiedliche Fertigkeiten anzueignen. Ganz auf das Spiel fokussiert und ohne Erwartungsdruck übt das Kind beispielsweise auf das Tambourin zu klopfen und gleichzeitig zu hüpfen.
Bei der motorischen Entwicklung verfeinern sich die Bewegungen des Kindes zunehmend. Im Vorschulalter ist das Kind fähig, kleine Dinge in den Händen zu halten und beim Zeichnen und Malen Stifte und Pinsel nach seinen Vorstellungen zu führen. Damit später das Schreiben gelingt, muss das Kind über feinmotorisches Geschick verfügen. Da die Feinmotorik auf grobmotorischen Fertigkeiten aufbaut, sind vielfältige Bewegungserfahrungen im frühen Kindesalter unerlässlich.
Die Kindergartenlehrperson orientiert sich an ausgewählten Bildungsbereichen, die im entsprechenden kantonalen Bildungslehrplan festgelegt sind. Unterstützt wird sie während oder ausserhalb des Unterrichts von verschiedenen Fachpersonen wie zum Beispiel der IF-Lehrperson (Integrative Förderung), der DaZ-Lehrperson (Deutsch als Zweitsprache), der Logopädin (Sprachtherapie), der Psychomotoriktherapeutin (Bewegungstherapie), der Ergotherapeutin (Beschäftigungstherapie) oder der Heilpädagogin.
Besucht Ihr Kind mit einer Behinderung den Regelkindergarten, so können Sie einen Assistenzbeitrag bei der IV beantragen. Mit diesem Beitrag können Sie zur Unterstützung im Alltag eine Assistenzperson anstellen.
Der Kindergarten stellt die erste Stufe der Volksschule dar und ist sozusagen der erste «offizielle» Ablösungsschritt für Eltern und Kinder. In den meisten Kantonen ist der Besuch von zwei Kindergartenjahren obligatorisch, in wenigen ist nur ein Jahr Pflicht.
Entscheidend für die Aufnahme in den Kindergarten ist das Geburtsdatum. Als Eintrittsalter gilt in der Regel das erfüllte vierte Altersjahr. Wenn Ihr Kind knapp vor dem Anmeldestichtag Geburtstag hat oder aus einem anderen Grund noch etwas «jung» erscheint, ist zu überlegen, ob Sie es noch ein Jahr länger zu Hause behalten und noch einmal in die Spielgruppe oder in die Kita schicken wollen. Wichtig ist, dass es mit anderen Kindern in Kontakt kommt und altersentsprechend gefördert wird.
Da der Kindergartenbesuch obligatorisch ist, muss für eine Rückstellung ein Antrag an die Schulbehörde oder die Schulleitung eingereicht werden. Teilweise wird auch eine schulpsychologische Abklärung verlangt. Erkundigen Sie sich am besten vor Ort nach den Bestimmungen. Bedenken Sie in diesem Zusammenhang auch, dass die Anmeldung in der Regel ein halbes Jahr vor Beginn des Kindergartens eingereicht wird. In dieser Zeit kann in der Entwicklung des Kindes einiges geschehen. Rückstellungen sind möglich, verspätete Eintritte jedoch eher schwierig.
Informieren Sie sich in Ihrer Gemeinde auch über Neuerungen und alternative Einschulungsmodelle wie altersdurchmischte Klassen, Waldkindergärten, private Tageskindergärten. Vielleicht bietet sich auch die Möglichkeit, den Kindergarten «von morgen» mitzuplanen und Neues anzuregen. Tauschen Sie mit Kindergarteneltern Ideen aus, arbeiten Sie in einer Arbeitsgruppe mit oder stellen Sie sich als Kindergartenvertretung für den Elternrat Ihrer Schuleinheit zur Wahl.
Gehört Ihr zukünftiges Kindergartenkind zu jenen, die den Start kaum erwarten können? Oder hat es eher Angst und von grosser Vorfreude ist nicht viel zu spüren? So oder so – eine gute Vorbereitung lässt die Zeit bis zum Kindergartenbeginn schneller vergehen oder die Furcht etwas schwinden.