8. Monat
Es kann vorkommen, dass Kinder im Alter von sieben, acht Monaten unruhiger schlafen als zuvor. Auch wenn sie bereits seit einiger Zeit durchgeschlafen haben, ist es möglich, dass sie jetzt wieder in der Nacht aufwachen. Sie murmeln vor sich hin, singen, vielleicht weinen sie.
Für Eltern sind Nächte mit einem unruhigen Baby mühsam: Sollen wir aufstehen oder sollen wir nicht? Noch einen Moment warten? Sie spüren mittlerweile sicher, ob Ihrem Kind etwas fehlt oder ob es bloss Ihre Gesellschaft wünscht und mit Ihnen plaudern oder spielen möchte.
Viele Eltern sind verunsichert, wenn ihr Kind nicht mehr oder noch nicht durchschläft. Nächtliches Aufwachen ist im ersten Lebensjahr jedoch normal. Es kann einerseits mit der Entwicklung zusammenhängen, aber auch mit dem Schlafbedarf, der sich in dieser Zeit immer wieder verändern kann.
Es gibt kein Rezept, wie Kinder durchschlafen lernen, aber Sie können Ihr Kind unterstützen, damit seine und Ihre Nächte ruhiger werden. Da das in der Regel nicht von heute auf morgen geht, ist es sinnvoll, wenn sich Eltern gegenseitig entlasten: Übernehmen Sie abwechslungsweise den Nachtdienst, damit die Partnerin, der Partner wieder einmal durchschlafen kann.
Es kann auch eine Entlastung sein, wenn eine vertraute Person (Freundin, Grossvater, Pate des Kindes) zwischendurch bei Ihnen übernachtet und die Betreuung des Kindes am Morgen übernimmt, damit Mutter oder Vater wieder einmal ausschlafen können.
Wichtig für einen ruhigen Nachtschlaf ist das Einschlafritual. Wir haben darüber schon früher geschrieben. Augenreiben ist beispielsweise ein Zeichen dafür, dass das Kind müde ist. Nehmen Sie solche Signale frühzeitig wahr, damit Sie den geeigneten Moment für den Beginn des Einschlafrituals nicht verpassen.
Nehmen Sie sich Zeit und versuchen Sie, den Abend immer etwa gleich zu gestalten, zum Beispiel mit einer Streichelmassage oder einem Gutenachtlied. Vermeiden Sie wilde Spiele oder eine unruhige Umgebung. Vater, Mutter oder auch eine andere vertraute Person können sich gut abwechseln. Allerdings sollten sich alle mehr oder weniger an einen bestimmten Ablauf halten.
Ziehen Sie sich am Ende des Rituals zurück, um Ihrem Kind zu ermöglichen, selbstständig einzuschlafen. Klappt das noch nicht so gut, können Sie ausprobieren, ob es besser ist, wenn Sie sich «schrittweise» zurückziehen. Anfangs entfernen Sie sich beispielsweise nur ein paar Schritte, mit der Zeit bleiben Sie ausser Sichtweite im Zimmer stehen, am Schluss warten Sie nur noch einen Moment neben der angelehnten Türe.
Eine andere Möglichkeit wäre, nach dem Einschlafritual kurz aus dem Zimmer zu gehen und gleich wieder zurückzukommen, bevor Ihr Kind zu weinen beginnt. Allmählich können Sie die Zeitspanne ausserhalb des Zimmers ausdehnen. Ihr Kind spürt, es kann sich darauf verlassen, dass Sie bei ihm sind.
Trauen Sie Ihrem Kind zu, dass es mit der Zeit selber einschlafen lernt. Wenn es am Abend selbst den Schlaf findet, wird ihm dies auch nach einem nächtlichen Aufwachen eher wieder gelingen.
Sollte Ihr Kind nachts aufwachen und weinen, so lassen Sie es nicht lange schreien. Wenn es sich selbst überlassen bleibt, wird es sich verlassen fühlen. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie da sind, aber halten Sie sich mit Unterstützung zurück. Geben Sie so viel Aufmerksamkeit wie nötig und tun Sie so wenig wie möglich.
Lassen Sie Ihr Baby im Bett liegen, machen Sie kein Licht und beruhigen Sie es flüsternd. Streicheln Sie es sanft und liebevoll, vielleicht summen Sie nochmals leise ein vertrautes Schlaflied. Vielleicht hat Ihr Kind bereits ein «Nuschi», etwa ein Lieblingsstofftier oder eine Stoffwindel? Dieses kann Geborgenheit geben und Ihr Kind beim selbstständigen Einschlafen unterstützen.
Auf gar keinen Fall sollten Sie nachts mit Ihrem Kind spielen. Wenn es dazu Lust hat, ist es wahrscheinlich zu wenig müde. Vielleicht kann mit einer Umstellung im Schlafrhythmus etwas verändert werden. Wenn Sie nachts mit Ihrem Kind spielen, meint es, das könne nun immer so sein, und meldet sich dann prompt auch in den nächsten Nächten.
Hat Ihr Kind bis anhin während der Nacht gut geschlafen und wacht jetzt plötzlich auf, kann dies auch andere Gründe haben. Vielleicht hat es Zahn- oder Ohrenschmerzen oder ist krank. Sind es Zahnschmerzen, die Ihr Kind aufwecken, dauert diese Störung höchstwahrscheinlich nicht allzu lange an. Sobald der Zahn nach mehreren Tagen durchstösst, ist der Schmerz vorüber. Ist Ihr Kind aber krank, schläft es unter Umständen unruhig und braucht auch in der Nacht vermehrt Ihre Nähe.
Grundsätzlich benötigt das Kind in diesem Alter nichts mehr zum Trinken in der Nacht, ausser wenn es krank ist. Anfangs brauchte das Kind diese regelmässige Nahrungszufuhr, doch inzwischen ist der Körper so weit, dass er in der Nacht viel weniger Energie verbraucht.
Hat Ihr Kind sich aber in den letzten Monaten daran gewöhnt, beim Stillen oder Schöppeln einzuschlafen oder nachts Nahrung zu erhalten, wird es auch jetzt noch trinken oder essen wollen, wenn es in der Nacht aufwacht. Möchten Sie damit aufhören, muss die Gewohnheit des Kindes verändert werden. Das ist allerdings nicht ganz einfach, denn Ihr Kind wird protestieren, wenn es nachts plötzlich nicht mehr wie gewohnt seine Nahrung erhält. Solche Übergangsphasen brauchen Zeit und Geduld.
Ist Ihr Kind gewohnt, nachts einen Schoppen zu erhalten? Gehen Sie die Umstellung langsam an, damit sich Ihr Kind umgewöhnen kann. Mischen Sie schrittweise weniger Milchpulver bei, aber anfangs bei gleicher Wassermenge. In einem nächsten Schritt reduzieren Sie die gesamte Trinkmenge, bis Sie den nächtlichen Schoppen irgendwann ganz weglassen können.
Stillen Sie Ihr Kind und möchten dies nur noch tagsüber beibehalten? Versuchen Sie die Stillabstände nachts zu verlängern. Achten Sie darauf, dass die Milchproduktion nicht zu stark abnimmt. Wenden Sie sich an eine Fachperson, wenn Sie sich unsicher fühlen.
Machen Sie sich keine Sorgen, dass Ihr Kind zu wenig Nahrung erhält, wenn es nachts nicht mehr trinkt. Ihre Tochter oder Ihr Sohn wird tagsüber mehr verlangen, wenn sie oder er hungrig und durstig ist.
So wie jedes Kind auf seine Art lernt, sich vorwärtszubewegen, so ist auch sein Schlafverhalten individuell. Während das eine Kind in diesem Alter noch zwei bis dreimal am Tag schläft, macht ein anderes lediglich ein Nickerchen von einer Stunde. Der tägliche, individuelle Schlafbedarf ist bei jedem Kind eine einigermassen feste Grösse – die Unterschiede von Kind zu Kind sind aber sehr gross.
Sollten Sie mit den Schlafgewohnheiten Ihres Kindes Mühe haben – zum Beispiel wegen des oben beschriebenen nächtlichen Aufwachens oder weil Ihr Kind jeden Morgen schon um fünf Uhr aufwacht, während Sie um diese Zeit noch gar nicht ansprechbar sind –, so empfiehlt es sich, ein Schlafprotokoll zu erstellen.
Wenn Sie den Schlafbedarf und Schlafrhythmus Ihres Kindes genau kennen, können Sie diesen positiv beeinflussen. Wie Sie dies genau tun, erfahren Sie bei der Mütter- und Väterberatung, der Kinderärztin, dem Kinderarzt. Bei diesen Fachpersonen können Sie eine sogenannte Rhythmusberatung in Anspruch nehmen. Dabei geht es darum, den Schlafbedarf Ihres Kindes zu erfassen, den Tag- und Nachtschlaf zu regulieren und eventuell das Einschlafritual anzupassen. Warten Sie nicht zu lange – zu wenig Schlaf raubt sehr viel Kraft und Energie, und gerade diese sind im Alltag für Sie und Ihr Kind so wichtig.
Mit viel Fingerspitzengefühl müssen Zwillingseltern herausfinden, wie die Kinder ungestört schlafen. Wenn Sie im gleichen Zimmer schlafen, ist es von Vorteil, dass jedes Kind ein eigenes Bett hat. So wecken sie sich mit ihren Bewegungen nicht gegenseitig auf.
Als Säuglinge lassen sich Zwillinge noch weniger durch das Schreien des Geschwisters stören, doch im Alter von acht Monaten kann sich das ändern. Vielleicht wären getrennte Kinderzimmer nun vorteilhafter, falls die Platzverhältnisse gegeben sind. Um herauszufinden, welche Lösung die beste ist, müssen Sie nicht gleich alles umstellen. Probieren Sie übergangsweise erst mal mit einem Reisebett, was hilft.
Obwohl Zwillinge dasselbe Einschlafritual erleben, haben sie ein unterschiedliches Schlafverhalten. Vielleicht fällt es dem einen Kind leicht, zur Ruhe zu kommen und allein wieder einzuschlummern, während das andere Kind mehrmals nachts unruhig ist und Ihre Anwesenheit benötigt. Versuchen Sie möglichst flexibel auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen.