Sechs Jahre
Nach der ersten Aufregung des Neubeginns hält der Schulalltag allmählich Einzug. Wichtig sind Pausen und ein gutes Znüni. Nach der Schule warten vielleicht Hausaufgaben.
Kinder brauchen eine gut strukturierte Tagesplanung. Je nachdem, ob Eltern berufstätig sind, getrennt leben oder ob grössere oder kleinere Geschwister da sind, sieht diese in jeder Familie anders aus. Wesentlich ist, dass der Tag auch ab dem Eintritt in die erste Schulklasse in Lern-, Erholungs- und Freizeitabschnitte eingeteilt ist. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind regelmässig und gesund isst und zu ausreichend Schlaf kommt.
Lernen ist spannend und anstrengend zugleich. Buchstaben zu Wörtern zusammenfügen, Zahlen zusammenzählen, stillsitzen, zuhören und aufpassen brauchen Energie. Für die Kinder funktioniert die Schulpause wie eine Art Ventil. Man darf unbekümmert draussen umherspringen, miteinander spielen und hat Zeit, etwas zu essen. Die Znünipause ist eine wichtige Unterbrechung des Schultags. Nach dieser Erholungsphase ist das Kind wieder aufnahmefähig.
Auf dem Pausenplatz müssen die Schulneulinge sich erst einmal zurechtfinden. Denn die Pausenkultur in der Schule unterscheidet sich von derjenigen des Kindergartens. Im Gegensatz zum Kindergarten wird in der Schule der Znüni meistens nicht gemeinsam gegessen. Jedes Kind darf seine Pausenzeit selbst einteilen und entscheiden, ob es zuerst essen und nachher spielen möchte oder ob die umgekehrte Reihenfolge besser wäre.
Vor allem junge Kinder vergessen sich leicht. Oft merken sie erst, dass sie ja Hunger, aber noch nichts gegessen haben, wenn die Glocke das Ende der Pause ankündigt. Wichtig wäre, dass Ihr Kind den Unterricht gestärkt wiederaufnehmen kann. Es sollte nicht in ein Energietief fallen, weil es verpasst hat, seinen Znüni zu essen.
Achten Sie darauf, dass der Znüni den Bedürfnissen des Kindes entspricht. Wenn Ihr Kind am Morgen nur wenig isst, braucht es einen reichhaltigeren Znüni. Frühstückt es ausgiebig, reicht vielleicht eine Frucht oder etwas Gemüse. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, was es mitnehmen möchte. Geben Sie Ihrem Kind zwei, drei Angebote zum Auswählen. Überlegen Sie gemeinsam, welche Nahrungsmittel passen, wenn es den Znüni zwischendurch und meist im Stehen isst.
Helfen Sie Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn, die Pause ein bisschen zu planen. Vielleicht müssen Sie Ihrem Kind erklären, dass es nachher unbeschwert bis zum Pausenende spielen kann, wenn es zuerst seinen Znüni isst.
Auch Schulkinder möchten keinen zerquetschten Znüni essen. Damit Hefte und Bücher im Schulthek ordentlich bleiben, sind Znüniboxen ideal. So bleibt der Znüni frisch und appetitlich. Weil die Znünibox immer wieder verwendet werden kann, spart man Verpackungsmaterial.
Ein gesunder Znüni enthält immer ein ungesüsstes Getränk wie Wasser, ungesüssten Früchte- oder Kräutertee, eine Frucht oder einen Gemüsesnack. Je nach Saison passt ein Apfel, eine Birne, Aprikosen, ein Pfirsich, Trauben, Zwetschgen, eine Mandarine, Cherrytomaten, Gurkenscheiben, eine Karotte, Peperonistreifen oder ein Stück Fenchel. Ist der Hunger gross kann der Znüni ergänzt werden mit ungesalzenen Nüssen, Vollkorncrackern oder einem Sandwich aus Brot, Käse oder Fleisch. Nicht geeignet für die Schulpause sind Süssigkeiten, Süssgetränke oder gesüsste Milchgetränke.
Ganz wichtig sind die Stunden, die Ihr Kind ausserhalb der Schule verbringt. Neben den Hausaufgaben braucht es vor allem auch Zeit für sich. Zeit, um seine Freundschaften zu pflegen, seinen Träumereien nachzuhängen, das Neue im Spiel zu verarbeiten und auch einmal nichts zu tun. Gewähren Sie ihm darum diese freie Zeit und verplanen Sie diese nicht völlig mit Freizeitaktivitäten, auch wenn heute das Angebot an Kursen riesig ist.
Zwei Mal Hockey- oder Fussballtraining pro Woche? Wägen Sie ab, ob das nicht zu viel wird für Ihren Sohn oder Ihre Tochter (und vielleicht auch für Sie als Chauffeur oder Chauffeuse). Achten Sie darauf, was Ihr Kind wirklich braucht, um sich seiner Persönlichkeit entsprechend frei zu entfalten. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass es zu Hause «Nestwärme» geniessen kann, die es als Schulkind für seine Entwicklung braucht. Wichtig ist zudem, dass eine vertraute Bezugsperson (zu Hause, im Hort, in der Tagesfamilie) da ist, wenn es müde, hungrig und mit vielen Eindrücken aus der Schule kommt.
In zahlreichen Familien sorgen Hausaufgaben immer wieder für Streit, Tränen und Frust. Zudem haben nicht alle Eltern die Zeit und die Möglichkeit ihren Kindern zu helfen. Aus all diesen Gründen haben gewisse Kantone und Gemeinden beschlossen, die Hausaufgaben abzuschaffen. Statt zu Hause werden die gelernten Inhalte in individuellen Lernzeiten in der Schule wiederholt, geübt und gefestigt. So werden Familien entlastet und alle Kinder bekommen gleichviel Unterstützung oder so viel Hilfe, wie sie benötigen.
Auch in Schulgemeinden, die Hausaufgaben erteilen, gibt es häufig Entlastungmöglichkeiten für Familien. Als freiwilliges Zusatzangebot können Kinder beispielsweise die «Hausaufgabenhilfe» nutzen. In dieser betreuten Umgebung löst jedes Kind selbstständig seine Aufgaben. Doch es ist eine Ansprechperson anwesend, die hilft, Fragen zu klären und Lösungswege zu finden. Sollte es in der Schule Ihres Kindes kein solches Angebot geben , können Sie sich vielleicht mit anderen Eltern zusammenschliessen und bei der Schulleitung auf dieses Bedürfnis hinweisen.
Väter und Mütter versuchen ihren Kindern so gut es geht beim Üben und Lernen zu helfen. Doch wie viel Hilfe ist überhaupt sinnvoll und hilfreich?
Eigentlich sollte ein Kind seine Aufgaben selbstständig lösen können. Normalerweise sollten diese in der ersten Klasse nicht länger als 15 Minuten in Anspruch nehmen, denn länger reicht die Konzentrationsspanne nicht.
Eltern sollten erst helfen, wenn sie wirklich gebraucht werden, zum Beispiel beim Vorlesen, beim Auswendiglernen eines Gedichtes, beim Diktieren eines Textes. Falsch gelöste Aufgaben sollten weder korrigiert noch gelöst werden. Ihrem Kind nützt es nichts, wenn es von der Lehrperson für Ergebnisse gelobt wird, die Sie herausgefunden haben und es die Rechenaufgaben selber nicht verstanden hat. Falls Hausaufgaben zu Hause gemacht werden müssen, liegt die Verantwortung bei Ihrem Kind. Sie als Eltern können jedoch gute Lernbedingungen schaffen:
Richten Sie zu Hause gemeinsam mit Ihrem Kind einen Arbeitsplatz ein, an dem es ungestört lernen kann. Wichtig ist eine gute Lichtquelle, eine bequeme Sitzgelegenheit und eine Arbeitsfläche, die auf die Grösse Ihres Kindes zugeschnitten ist. Und nicht zu vergessen: Schulanfänger oder Schulanfängerinnen benötigen die Nähe von Vater, Mutter oder einer vertrauten Bezugsperson ganz besonders.
Finden Sie heraus, wann Ihr Kind am besten lernt: gleich nach dem Mittagessen, nach einer kurzen Verschnaufpause, spätnachmittags? Vereinbaren Sie dann eine regelmässige Hausaufgabenzeit.
Kontrollieren Sie Ihr Kind nicht bei den Aufgaben. Bleiben Sie aber in der Nähe, damit es Sie rufen kann, wenn es nicht weiterkommt.
Sagen Sie Lösungen nicht vor, sondern helfen Sie, einen Lösungsweg zu finden.
Entdecken Sie einen gravierenden Fehler, so versuchen Sie Ihr Kind darauf hinzuweisen, sodass es ihn selber bemerken und korrigieren kann.
Wenn Ihr Kind nicht mehr weiss, welche Hausaufgaben es lösen muss, kann es sich in dieser Situation selber helfen und einen Mitschüler oder eine Mitschülerin anrufen.
Loben Sie Ihr Kind für seine Bemühungen und lassen Sie es nach den Hausaufgaben seine Freizeit geniessen. Eine Ruhepause, ein feiner Zvieri, Bewegung im Freien, Spiele mit Geschwistern oder Freunden, eine von Ihnen erzählte Geschichte schaffen Entspannung.
Wenn Ihr Kind trotz aller Bemühungen die Hausaufgaben nicht alleine schafft oder unnötig viel Zeit dafür aufwenden muss, sollten Sie nicht als Nachhilfelehrkraft einspringen, sondern mit dem Lehrer oder der Lehrerin darüber sprechen. Nehmen Sie auch Kontakt mit der Lehrperson auf, wenn Ihr Kind seine Hausaufgaben (wiederholt) vergisst und einen Verweis nach Hause bringt.