Zwei Jahre und sechs Monate
Das Kind soll selbst bestimmen können, mit wem es wie engen Körperkontakt haben will. Respektieren Sie sein «Nein», wenn ihm eine Berührung unangenehm ist. Bis das Kind unsere Anstandsregeln einhält, dauert es eine Weile.
«Sag schön ‹Grüezi›, ‹Danke›, ‹En Guete›». Hin und wieder wird Ihr Kind sich recht wohlerzogen benehmen. Allerdings nicht, weil es den Grund versteht, sondern weil Sie es wünschen oder weil Ihr Vorbild wirkt. Doch plötzlich kann Ihr Kind wieder vergessen, sich höflich aufzuführen. Oder es hat ganz einfach keine Lust dazu.
Regen Sie sich nicht auf, wenn Ihr Kind vergisst, «Danke» zu sagen. Es ist keine böse Absicht dabei! Versuchen Sie nicht, es zu anständigem Verhalten zu zwingen. Wenn Sie als Erwachsene vorbildlich miteinander umgehen, wird das Kind durch Nachahmung von Ihnen lernen. Respektvoller Umgang miteinander bedeutet, gegenseitige Bedürfnisse wahrzunehmen, also auch diejenigen des Kindes: seine Vorlieben, seine Grenzen, seine Ängste.
Viele Erwachsene haben bestimmte Vorstellungen, wie oft die Haare gewaschen oder die Nägel geschnitten werden sollen. Zwischen dem zweiten und dem vierten Lebensjahr sträuben sich manche Kinder vehement gegen diese «Prozeduren». Respektieren Sie die Gefühle Ihres Kindes und achten Sie darauf, dass Sie ihm zum Beispiel nicht ohne Vorwarnung mit einem kalten, nassen Lappen die Wangen waschen! Vielleicht darf es sich selber waschen, und Sie können ein Auge zudrücken, wenn das Resultat nicht ganz Ihren Vorstellungen von Sauberkeit entspricht.
Mit einer grosszügigen Haltung bezüglich Sauberkeit ermöglichen Sie Ihrem Kind viele sinnliche Erfahrungen, die für seine Entwicklung wichtig sind. Lassen Sie es deshalb zum Beispiel die Spaghetti mal mit den Händen essen, in Regenpfützen springen, mit Sand und Wasser «matschen», Teig kneten und so weiter.
Drängen oder zwingen Sie Ihr Kind nicht dazu, den Onkel, die Grossmutter, den Freund oder die Freundin zu umarmen, ein Küsschen zu geben oder ihnen auf die Knie zu sitzen, wenn es nicht will. Das heisst nicht, dass es Körperkontakt nicht mag. Aber es muss selbst bestimmen können, wem es wann nahe ist.
Liebe und Vertrauen kann das Kind verschieden zeigen: Wenn es dem Grossvater seine Spielsachen bringt, wenn es sich neben die Tante setzt oder mit einem liebevollen Blick die Gotte anschaut. Zudem gibt es Kinder, die ein grosses Bedürfnis nach Zärtlichkeit haben, und solche, die dies weniger suchen. Körperkontakt ist für ein Kind lebenswichtig, aber diesen Kontakt will es nicht mit allen haben, auch nicht immer mit Ihnen. Wie alle Menschen, sind auch Kinder nicht immer aufgelegt zum «Liebsein». Ein Kind hat das Recht, «Nein» zu sagen.
Kinder müssen lernen, zwischen angenehmen und unangenehmen Berührungen zu unterscheiden und letztere selbstbewusst abzulehnen. Stellen Sie sich deshalb hinter Ihr Kind, wenn es keine Küsschen verteilen will. Unterstützen Sie Ihr Kind darin, sich gegen ungewollte Berührungen zu wehren. Kinder, die erfahren, dass ihr «Nein» respektiert wird, können sich besser gegen eventuelle sexuelle Übergriffe wehren, da ihr Selbstbewusstsein gestärkt ist.
Die Fachstelle Kinderschutz Schweiz setzt sich landesweit für den Schutz, das Wohl und die Rechte von Kindern ein und gibt dazu wertvolle Informationen und Anregungen.