Una mamma e un papà sul divano gesticolano animatamente mentre discutono.

Wenn Eltern streiten

Fünf Jahre und neun Monate

Haushalt und Kinderbetreuung sind klassische Streitfragen in nahezu jeder Familie. Alle haben ihre eigenen Vorstellungen von Ordnung im Haushalt, von der Rolle des Vaters oder der Mutter.

Oft fühlen sich die Familienmitglieder bei dem, was sie tun, nicht anerkannt. Ob der ganze Tag mit einem quirligen Kleinkind oder der hektische Büroalltag, alles ist kräftezehrend. Ein am Boden liegendes Handtuch ist deshalb plötzlich Anlass für einen Streit, bei dem es eigentlich um etwas ganz anderes geht: Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse klar zu äussern, anstatt sich vorzuwerfen, was er für ein miserabler Vater oder sie für eine nörglerische Mutter ist.

Jedes Mal, wenn Tina donnerstags von ihrem «kinderfreien Abend» nach Hause kommt, packt sie die Wut: Auf dem Küchentisch steht noch das ganze Geschirr, im Badezimmer liegen feuchte Handtücher am Boden und Reto liegt völlig erledigt auf dem Sofa vor dem Fernseher. «Immerhin habe ich die Kinder ins Bett gebracht!», verteidigt er sich. «Ja und? Das habe ich gestern auch, als du weg warst, und habe es trotzdem geschafft, noch die Teller zu spülen!» Weiter geht es im gleichen Ton. «Aber ich hab schliesslich …» – «Du merkst ja nie …» – «Genau wie deine Mutter …» Irgendwann knallen Türen und Reto dreht den Fernseher lauter. Wiederholung: nächsten Donnerstag um 22 Uhr.

Miteinander reden!

Kommunikation spielt eine grosse Rolle auf der Bühne des Familienlebens. Worte lösen Streit aus oder kühlen ihn ab. Missverständnisse werden im Gespräch geklärt oder entstehen erst da. Und Unausgesprochenes, zum Beispiel stille Erwartungen, führt häufig zu Streit («Der Partner müsste doch sehen, dass da Kleider herumliegen!» – «Die Partnerin müsste doch spüren, dass mich heute etwas bedrückt.»).

Damit (Streit-)Gespräche nicht im Vorwürfe-Hickhack enden:

  • Hören Sie einander zu. Was im ersten Moment vielleicht völlig absurd klingt, wird bei näherem Hinhören plötzlich zur interessanten Ansicht. Man muss sie zwar nicht zwingend teilen, aber es ist wichtig, sie zu kennen.

  • Lassen Sie sich Zeit. Grosse Themen brauchen mehrere Gespräche und Pausen, um verschiedene Ansichten zu überdenken und neue Ideen reifen zu lassen.

  • Machen Sie Zugeständnisse. Stures Beharren auf der eigenen Meinung bringt niemanden weiter, weder bei der Wahl des Ferienortes noch bei Diskussionen über Erziehungsfragen.

  • Reden Sie von sich. Statt den anderen mit Vorwürfen zu verletzen («Du kritisierst immer!») oder ihn «verändern» zu wollen, sagen Sie lieber, was Sie von der Situation halten, was Ihnen wichtig ist oder Sorgen macht («Mich stört, wenn …»).

Schwelt ein Streit schon so lange, dass er zur Krise geworden ist, fällt es Aussenstehenden, zum Beispiel befreundeten Paaren oder professionellen Beratenden, leichter, die wirklichen Gründe eines Konfliktes zu sehen. Es gibt überall Ehe- und Familienberatungsstellen, deren Dienste Sie für sich in Anspruch nehmen dürfen. Meistens gibt es kostenlose Einführungsgespräche, um festzustellen, ob Sie am richtigen Ort sind. Und Beratungsstunden sind auf jeden Fall billiger als Anwaltshonorare.







Illustration Eltern streiten und versöhnen sich

Streiten vor den Kindern?

Streit gibt es in den besten Beziehungen. Die Frage ist nur: Vor den Kindern? Kinder, die in Familien aufwachsen, in denen oft heftig diskutiert wird, gewöhnen sich in den meisten Fällen problemlos an einen etwas lauteren Umgangston. Nicht selten haben sie sowieso schon Mutters Temperament oder Papas laute Stimme geerbt.

Wenn Eltern Konflikte nicht scheuen, dann können Kinder am Vorbild lernen, wie man damit umgehen kann. Dazu gehört natürlich, dass Erwachsene nicht nur vor den Kindern streiten, sondern auch ebenda Frieden schliessen. Zum Problem wird diese Art von Umgang, wenn das Familienklima durch Dauerstreit unerträglich wird oder sich Eltern häufig zum Thema Erziehung angiften. Dann schlussfolgert der Sohn oder die Tochter unter Umständen: «Mutter und Vater streiten wegen mir!»

In Familien, die ihre Gefühle stärker kontrollieren, ist der Alltag ruhiger. Manchmal kann es allerdings anstrengend sein, wenn Eltern immer nur als die in allem einige Übermacht auftreten, gegen welche ein Kind hilflos anrennt. Gar zum Problem wird die Harmonie, wenn sie vorgespielt ist und es unter der ruhigen Oberfläche brodelt. Kinder spüren das und es verunsichert sie.

Streitmuster

«Du hörst mir einfach nie zu, du …!», ruft Daniela ihrem Bruder durch die Küche nach – und ihr Vater erkennt verblüfft den Satz wieder, den er genau so gestern seiner Partnerin an den Kopf geworfen hat. Beim Streiten nehmen Kinder mit feinem Gespür die Wortwahl, den Tonfall, die Gestik der Eltern wahr.

Auch Mütter und Väter haben ihr Streitverhalten mal irgendwo gelernt. Es kann sein, dass Sie und Ihr Partner, Ihre Partnerin völlig andere so genannte «Streitmuster» mitbringen. In der einen Familie wurde mehr geschwiegen, in der anderen laut geschimpft. Wird man plötzlich mit einer völlig anderen Art zu streiten konfrontiert, so kann das zu andauernden Missverständnissen führen.

«Jedes Mal, wenn wir meiner Meinung nach kurz vor der Lösung eines Konfliktes standen, verschwand mein Mann zur Türe hinaus. Ich brauchte mehrere Jahre, bis ich merkte, dass sein Verstummen keine Strafmassnahme war, sondern dass ihn mein Redeschwall schlicht überfordert! Meist regelte sich der Streit dann später problemlos, denn die Streit-Pause weckte Verständnis für die Gegenseite.» Sabina, 34

Streit und Scheidung

Wenn Streit unter Eltern nicht mehr fruchtbar ist, wenn der gemeinsame Nenner nicht mehr gefunden wird, gehen Beziehungen in die Brüche und das Familienleben wird tüchtig durchgeschüttelt. Ungelöste Konflikte werden von Kindern meist wahrgenommen und oft fühlen sie sich in ihrer Existenzgrundlage bedroht. In solchen Situationen versuchen Kinder manchmal, das Leben der Familie zu stabilisieren: Sie entwickeln eigene Beschwerden, benehmen sich auffällig oder stellen etwas an, damit die Eltern sich mit ihnen beschäftigen müssen und von ihrem eigenen Konflikt abgelenkt werden. Oder sie passen sich übermässig an und vermeiden jeglichen Streit. Sie fühlen sich verantwortlich und sind hoffnungslos überfordert.







Eltern streiten und ziehen am Kind

Kinder müssen deshalb wissen, dass der Konflikt der Eltern deren Angelegenheit ist. Sie sollen weder als Vermittler noch als Streitgenossin in die Auseinandersetzungen der Eltern miteinbezogen werden. Dies gilt auch für elterlichen Streit nach einer Scheidung! Befinden Sie sich mitten in einer solchen Situation? Dazu gibt es sowohl für Sie als auch für Kinder gute Literatur.

Respekt und Toleranz – auch ausserhalb der eigenen vier Wände

Kinder hören Ihnen vielleicht zu, wenn Sie erzählen, wie friedliches Zusammenleben funktioniert. Noch viel lieber aber schauen sie zu, wie Erwachsene das in der Praxis umsetzen. «Der Trottel, der kann nicht mal richtig Auto fahren!» aus Mutters Mund beeindruckt mehr als ihre Ermahnung: «Ihr sollt einander keine Schimpfworte an den Kopf werfen.»

Wie wir achtungsvoll miteinander umgehen und uns gegebenenfalls für andere einsetzen, kann und soll den Kindern auch ausserhalb der eigenen vier Wände vorgelebt werden.

Reload content for this field