Drei Jahre und drei Monate
Kinder begegnen täglich vielen Geräuschen. Für sie ist es oft noch sehr schwierig, die einzelnen Geräusche ihrer Geräuschquelle zuzuordnen und sich auf das Wichtigste zu konzentrieren.
Kinder müssen erst lernen, einzelne Geräusche herauszufiltern. Spitzen Sie daher von Zeit zu Zeit gemeinsam mit Ihrem Kind die Ohren und halten Sie fest, was für laute und leise, störende und angenehme Geräusche unser Leben begleiten: ein tosender Wind, ein hupendes Auto, eine tickende Uhr, ein beruhigendes Musikstück? Oftmals fällt das Hören mit geschlossenen Augen leichter.
Trotz Umgebungslärm sollte das Kind fähig sein, zu reagieren, wenn Erwachsene etwas fragen. Reagiert es nicht, weil es vielleicht ins Spiel vertieft ist, so sprechen Sie Ihr Kind namentlich an oder berühren Sie es an der Schulter. Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt, Ihrer Kinderärztin, wenn Sie vermuten, dass Hörprobleme bestehen.
Achten Sie auch darauf, ob es Ihrem Kind gelingt, sich nicht ständig ablenken zu lassen und beispielsweise einer Geschichte lauschen kann, obwohl im Nebenraum Stimmen zu hören sind oder leise Musik erklingt. Über das bewusste (Hin-)Hören wird einem Kind auch der Weg zur Sprache eröffnet. In diesem Zusammenhang ist es sehr wichtig, dass Worte mit Sinneserlebnissen verknüpft werden. So wird zum Beispiel das Wort «Blume» erst richtig verstanden, wenn ein Kind eine Blume anfassen oder an ihr riechen kann.
Solche Erfahrungen werden als innere Bilder gespeichert. Das Kind entwickelt eine Vorstellung, wie Blumen aussehen, sich anfühlen und wie sie duften, auch ohne sie zu sehen. Je mehr Sinneserfahrungen ein Kind macht, desto besser lernt es auch über die Sprache, Dinge und Handlungen zu benennen. Oder ähnlich klingende Worte, wie Tisch, Fisch, Tasse, Kasse zu unterscheiden. Auch die Fähigkeit, sich Dinge zu merken, die es hört oder zu begreifen, was gemeint ist, muss sich das Kind erst erwerben. Für Vorschulkinder ist es manchmal nicht ganz einfach, Anweisungen inhaltlich zu verstehen und zu befolgen. In einer Gruppe fühlen sich einzelne Kinder womöglich nicht oder kaum angesprochen, da sich die Aufforderung an alle richtet.
Aus Wörtern werden Sätze, aus Sätzen werden Gespräche. Indem die Grossen sich mit den Kleinen unterhalten, ihnen Antworten auf ihre Fragen geben und ihnen zuhören, wecken sie die Freude und das Interesse an der Sprache und am Sprechen.
Doch auch Zuhören will gelernt sein. Indem Sie mit Ihrem Kind plaudern, ihm regelmässig vorlesen, lernen Kinder zuzuhören. Digitale Geräte ermöglichen Kindern, Geschichten, Lieder, Verse immer und immer wieder zu hören. Spass macht auch, Geräusche aufzunehmen, jemanden zu interviewen, selber eine Geschichte zu erzählen und nachher anzuhören oder anderen vorzuspielen. Ob mit oder ohne Hilfsmittel, mit Liedern, Versen, Geschichten und Fingerspielen in Ihrer Muttersprache fördern Sie spielerisch die Hör- und Sprachfähigkeit Ihres Kindes.
Anregungen und neue Inputs ergeben sich auch durch regelmässige Besuche in öffentlichen Bibliotheken. Beim Schmökern in Lieder-, Vers- oder Geschichtenbüchern oder im Austausch mit anderen Eltern tauchen neue Ideen zum Singen und Erzählen auf.
Welche Geräusche dringen am frühen Morgen ins Kinderzimmer? Das Plätschern der Dusche, Schritte im Treppenhaus, Musik aus dem Radio, das Zwitschern der Vögel, ein vorbeifahrendes Auto … Spass macht das «Hörspiel» auch in der freien Natur, im Wald oder auf dem Rücken liegend in einer Wiese! Vielleicht unternehmen Sie einen «Horchspaziergang». Mit gespitzten Ohren lauschen Sie gemeinsam, wie es im Park, im Wald, an der Bushaltestelle, beim Bahnhof klingt. Um ein Hörrätsel zu machen, werden die Geräusche mit dem Smartphone aufgenommen. Zu Hause müssen die restlichen Familienmitglieder raten, wo das Kind gewesen ist und was es gehört hat.