Drei Jahre und drei Monate
Geht es um den Tastsinn, nehmen die Hände eine wichtige Funktion ein. Tasterfahrungen sind wichtig für die Entwicklung des Kindes.
Tasten ist mit Nähe verbunden, mit Kontakt. So hat ein Kind zum Beispiel vom weichen Fell einer Katze erst eine konkrete Vorstellung, wenn es sie streicheln konnte. Durch solche Erfahrungen lernt das Kind, dass Fell sich weich anfühlt. Mit der Zeit merkt es, dass es je nach Fell Unterschiede gibt. Oder es spürt, dass eine Orange eine andere Haut hat als ein Apfel, eine Birne oder eine Pflaume. Oder dass es nicht dasselbe Gefühl ist, wenn man einen Stein, Moos oder einen Tannzapfen berührt.
Um eine Vorstellung zu entwickeln, wie unterschiedlich sich Dinge anfühlen, muss Ihre Tochter, Ihr Sohn diese auch berühren dürfen. Der Tastsinn ist ein sehr komplexer Sinn, denn getastet wird nicht nur mit den Händen, den Füssen und dem Mund, sondern mit dem ganzen Körper. Das zentrale Tastorgan ist die Haut. Über sie werden Berührungen, Druck, Temperatur, Vibration und Schmerz empfunden. Am empfindlichsten sind jedoch die Zungenspitze und die Fingerspitzen.
Wie wichtig die Hände in ihrer Funktion als Tastinstrument sind, zeigt sich in ihrer alltäglichen Vielseitigkeit: Hände können fühlen, schreiben, spielen, zeichnen, kochen, zeigen … Häufig bekommen die Kinder jedoch zu hören: «Nicht anfassen! Nur mit den Augen schauen!» Dieses Verlangen der Kinder, alles zu berühren, ist ein ständiger, aber auch verständlicher Anlass für Konflikte zwischen Eltern und Kindern. Einerseits müssen die Kleinsten lernen, dass man nicht alles anfassen darf und soll, andererseits sind die unmittelbaren Tasterfahrungen wesentlich für die Entwicklung. Denn Gesehenes kann besser erfasst und begriffen werden, wenn die Tasterfahrung dazukommt.
Als Erwachsene sind wir versucht, Kindern das Anfassen zu verbieten, weil wir vieles eklig oder unhygienisch finden. Es lohnt sich aber, diese Haltung zu überdenken und auf die Situation anzupassen. Ob ihr Kind auf dem Spielplatz, im Garten oder in der Natur im Dreck wühlt, ist etwas anderes, als wenn es in der Stadt Dinge vom Boden aufhebt. Wenn sich Ihr Kind daran gewöhnt, beim Hereinkommen und vor dem Essen immer die Hände gründlich zu waschen, kann es seine Lust am Entdecken problemlos ausleben.
Ausdrücke wie: «Das geht mir unter die Haut»; «Das ist ja nicht zu fassen»; «Ich könnte aus der Haut fahren» oder «Mir läuft es kalt den Rücken hinunter», weisen darauf hin, dass «fühlen» unterschiedliche Bedeutungen hat.
In den eigenen vier Wänden können kleine Hände vieles ausprobieren:
Auch die Füsse begeben sich gerne auf Entdeckungsreisen – am liebsten barfuss oder zu Hause in Antirutschsocken. So spüren sie am meisten! Wie fühlen sich Sand, Erde, Asphalt, Gras, Waldboden, Wurzeln, eine Regenpfütze, Steine, Kies und so weiter an, wenn nackte Füsse in der Natur auf Wanderschaft gehen? Mit geschlossenen Augen und an der Hand geführt, wird dieses Tasterlebnis noch intensiver. Tauschen Sie beim Barfuss-Ausflug doch einmal die Rollen und lassen Sie sich von Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter führen!