Drei Jahre und drei Monate
Kinder haben eine unbändige Freude und Lust an der Bewegung. Sie üben sich dabei in Geschicklichkeit, Koordination, Ausdauer, Reaktionsgeschwindigkeit und im Gleichgewichtsgefühl.
Beim Herumtollen, Schaukeln, Balancieren, Hüpfen und Klettern erfahren Kinder ihren ganzen sinnlichen Körper. Spielerisch erweitern sie ihre Bewegungsmöglichkeiten vom Kopf bis zu den Zehen- und Fingerspitzen.
Diese Körpererfahrung hilft ihnen auch dabei, sich besser zu orientieren. Als Beispiel steht dafür das Überqueren eines Fussgängerstreifens: Mit zunehmendem Alter muss Ihr Kind abschätzen können, wie gross die Distanz zum herannahenden Auto ist. Reicht die Zeit aus, um die Strasse zu überqueren, oder soll es lieber warten? Natürlich kann Ihr Kind das jetzt noch nicht, doch Sie können ihm durch Vorzeigen und Üben helfen, sich immer selbstständiger und sicherer im Strassenverkehr zu bewegen. Dazu gehört auch, zu lernen, dass der ganze Körper am Fussgängerstreifen stillsteht, damit Augen und Ohren gut aufpassen können. Ein motorisch geschicktes Kind verfügt über eine bessere Körperbeherrschung und ist dadurch auch bei unvorhergesehenen Situationen oder einem Sturz eher gewappnet. Bewegungsfähigkeit zu fördern, bedeutet also auch Unfallprävention.
Um Bewegungsabläufe zu erlernen und Bewegungen zu koordinieren, muss das Kind seine Sinnesorgane schulen und verfeinern. Sehen hilft ihm, sich im Raum zu orientieren und zum Beispiel die Flugbahn von Wurfgegenständen zu verfolgen. So lernt das Kind abzuschätzen, ob es den Ball fangen kann oder sich ducken muss.
Auch die Gleichgewichtsfähigkeit wird durch das Sehen unterstützt. Schliesst man beim Balancieren die Augen, wird es schwieriger, das Gleichgewicht zu halten. Doch nicht nur der Gleichgewichts- und der Sehsinn sind wichtig, auch der Hörsinn hilft dem Kind, sich zurechtzufinden. Beim Zuhören eignet es sich die Fähigkeit an, unwichtige Geräusche auszublenden und ein Gefühl für Rhythmus und Bewegung zu entwickeln.
Im Vorschulalter lernt das Kind, seinen Körper wahrzunehmen und einzelne Körperteile zu benennen. Es macht sich mit Funktionen vertraut und merkt zum Beispiel, dass es bestimmte Muskeln anspannen muss, wenn es sich hochziehen möchte. Da die Konzentrationsfähigkeit deutlich kürzer ist, fällt es jüngeren Kindern schwer, lange still zu sitzen und aufmerksam zuzuhören. Viel lieber möchten sie aktiv sein und umhertollen.
Ruhige Sequenzen, wie Geschichten erzählen, lange Zug- oder Autofahrten sollten deshalb durch Bewegungselemente aufgelockert werden. Umgekehrt brauchen Kinder nach intensiven Bewegungssequenzen, Erlebnissen in Gruppen oder einer Flut von Reizen Zeit, um Energie zu tanken und zur Ruhe zu kommen. Die Aufmerksamkeitsspanne hängt damit zusammen, wie sich das Kind gerade fühlt. Verständlicherweise gibt es schneller auf, wenn es an seine körperlichen Grenzen stösst, sich nicht für eine Aufgabe interessiert oder etwas als langweilig oder zu schwierig empfindet.
Mit der wachsenden Wahrnehmung für den Körper lernen Kinder Empfindungen zu benennen, die mit Emotionen zu tun haben. Wie fühlt sich der Bauch beim Lachen an? Wo im Körper sitzt das Wutmonster? Wie fühlt sich mein Hals an, wenn ich traurig bin? Entdecken Sie mit Ihrem Kind gemeinsam solche Zusammenhänge und suchen Sie miteinander nach Lösungen. Wollen wir laut Musik machen und das Wutmonster raustanzen? Oder braucht es eine Streicheleinheit gegen den blöden Trauerkloss im Hals? So lernt das Kind, was es gegen negative Gefühle tun kann.
Durch Wind, Regen, Schneefall, Sonnenlicht, frisch geschnittenes Gras, heruntergefallenes Laub, glattes Eis verändert sich das Bewegungsspiel und unterschiedliche Sinneserfahrungen werden möglich. Beim schnellen Rennen merkt das Kind beispielsweise, dass es zu keuchen beginnt oder gegen den Wind ankämpfen muss. Oder dass sich bei grosser Anstrengung Schweisstropfen auf der Stirn bilden, obwohl es nicht heiss ist. Bewegungserlebnisse sind auch geprägt durch unterschiedliche sinnliche und emotionale Erfahrungen. Alleine mit den Stelzen zu laufen, ist ein Grund zum Jubeln. Gelingt etwas noch nicht und kann das Kind zum Beispiel noch nicht auf einem Bein hüpfen, ist es enttäuscht. Diese Erlebnisse sind wertvoll für die Entwicklung Ihres Kindes.