Drei Jahre und drei Monate
Die Koordination von Händen und Augen müssen Kinder immer wieder üben. Der Sehsinn wird bei vielen Dingen beansprucht.
Kinder sehen die Welt aus ihrer Perspektive, mit anderen Augen als die Erwachsenen. Um sich davon eine Vorstellung zu machen, hilft es, ab und zu in die Hocke zu gehen. Wie sieht die Welt aus dieser Sicht aus? Grösser, unerreichbarer, bedrohlicher?
All die vielen Dinge anzusehen und die Eindrücke zu verarbeiten, braucht viel Zeit. So bleibt Ihr Sohn, Ihre Tochter stehen, um dem Schmetterling nachzuschauen. Oder Ihr Kind hebt den Regenwurm hoch, der sich auf dem Boden windet. Auch für Mütter und Väter ergibt sich so eine Gelegenheit zum Innehalten. Erklären Sie Ihrem Kind, wenn Sie es eilig haben und dadurch der kleinen Schnecke am Wegrand keine Aufmerksamkeit schenken können. Vielleicht bietet dafür der Heimweg oder ein nachmittäglicher Ausflug mehr Musse zum Hinsehen, Beobachten und Staunen. Wenn Sie Ihr Kind mit offenen Augen durch den Alltag begleiten, helfen Sie ihm, das Leben in seiner ganzen Vielfalt wahrzunehmen. Zeigen Sie ihm den Heissluftballon am Himmel, die Raupe auf dem Blatt oder die Fliege am Fenster. Um sich ein umfassendes Bild zu machen, reicht hinsehen allein jedoch nicht aus. Kinderhände helfen den Kinderaugen, die Welt zu verstehen.
Geübt werden muss auch die Fähigkeit, das Sehen und die Bewegung aufeinander abzustimmen: Wenn das Kind zum Beispiel mit einem Ball spielt, muss es den Ball mit den Augen verfolgen, damit es ihn mit den Händen auffangen kann. Auch beim Türme bauen, beim Basteln, beim Schneiden oder Schreiben spielt das Zusammenwirken von Auge und Hand eine wichtige Rolle. Mit Knete spielen, Teig kneten oder mit Fingerfarben malen sind ebenfalls ideale Übungsfelder, um diese Fähigkeit zu erwerben.
Das altbekannte Ratespiel «Ich sehe was, was du nicht siehst …» lässt Kinder und Erwachsene noch genauer hinsehen. Ein idealer Zeitvertreib:
«Ich sehe was, was du nicht siehst, das leuchtet klar am Sternenhimmel und macht, dass wir im Dunkeln sehen …» (Auflösung: dnoM reD ).
Auch wenn das Kind ein Bilderbuch betrachtet, ein Spiel auf dem iPad, am Computer spielt oder eine Sendung im Fernsehen anschaut, wird stets sein Sehsinn beansprucht. So eröffnen sich ihm neue Welten. Wichtig ist, dass visuelle Medien nicht dominieren und andere Spielerfahrungen verdrängen.
Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Kind nicht gut sieht? Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Kinderarzt, Ihrer Kinderärztin, oder lassen Sie Ihr Kind von einem Augenarzt, einer Augenärztin abklären.