Drei Jahre und drei Monate
Sinnliche Erfahrungen sind für die Entwicklung des Kindes notwendig. Eltern brauchen dafür manchmal Aufmerksamkeit, Geduld und eine Portion Humor.
Sinnliche Erfahrungen hinterlassen Spuren. Sie prägen sich in die Erinnerung ein und begleiten uns ein Leben lang. Drehen Sie das Rad der Zeit einmal zurück. Stellen Sie sich vor, wie es war, als Sie noch auf kleinen Füssen durchs Leben wanderten, mit wissbegierigen Augen, mit lauschenden Ohren, mit offenem Mund und neugierigen Händen, immer der Nase nach. An welche Begebenheiten, an welche Begegnungen erinnern Sie sich?
Durch unsere Sinne werden wir auf der Gefühlsebene berührt. Eine traurige Melodie, ein fester Händedruck, ein aufmunterndes Lächeln, ein süsser Duft oder ein bitterer Geschmack lösen vielfältige Empfindungen aus. Sinnliche Erlebnisse und Erfahrungen schaffen einen inneren Reichtum, der vom Greifen zum Begreifen, vom Fühlen zum Mitfühlen und vom Berühren zum Berührtwerden führt.
Als Erforscher und Entdeckerinnen kosten Kinder ihre naturgegebene Sinnlichkeit so richtig aus. Sie sind ständig in Bewegung, auf der Suche nach Neuem. Kinder lieben es, im Wasser zu planschen, eine Teigschüssel auszuschlecken, auf dem Bett herumzutoben, im Sand zu wühlen, auf hohe Mauern zu klettern und sich in weiche Decken zu kuscheln. Am meisten fördern Sie Ihr Kind, wenn Sie ihm ermöglichen, eigenständig seiner Entdeckungslust nachzugehen. Bestimmt gibt es auch in Ihrer Umgebung Orte, wo sich Gelegenheiten für Naturerlebnisse und Kontakte mit Tieren bieten. Die nächste Wiese, der nächstgelegene Wald laden zum Herumtollen, zum Verstecken, zum Feuermachen an der Feuerstelle, zum Sammeln und zum Stauen eines Baches ein.
Sinnliche Erlebnisse in reicher Auswahl bietet auch das eigene Zuhause: Eine ausgediente Matratze zum Herumtoben, Kochtöpfe und Büchsen zum Musizieren oder Kissen für eine Kissenschlacht. Für Kinder ist all dies entdeckenswert und aufregend.
Gleichzeitig können sinnliche Kinder anstrengend sein und Ihre Toleranz beanspruchen. Auch wenn Sie sich den Tag anders vorgestellt haben und viel erledigen wollten, lassen Sie sich von der Freude und Begeisterung Ihres Kindes anstecken! Hüpfen Sie mit von Pfütze zu Pfütze oder setzen Sie sich wieder einmal auf eine Schaukel. Falls Ihnen nicht alles genauso viel Spass macht wie Ihrem Kind und Sie zum Beispiel kein begeisterter Bastler oder keine vernarrte Tierfreundin sind, so schauen Sie sich doch im Verwandten- und Freundeskreis um. Die Grosseltern, der Götti oder eine Freundin freuen sich womöglich, diese Leidenschaft mit Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter zu teilen.
Sinnliches Erleben verlangt von den Grossen viel Aufmerksamkeit, Geduld und eine Portion Humor. Nicht immer wird es für Sie als Eltern einfach sein, diese Offenheit gegenüber Ihrem Kind aufzubringen. Nach einem anstrengenden Tag, zu Hause oder am Arbeitsplatz, braucht es mehr Energie, um die nötige Gelassenheit aufzubringen. Denn es kann ganz schön nervenaufreibend sein, wenn das Kind von oben bis unten mit Grasflecken übersät ist. Sinnliche Erfahrungen sind für die Entwicklung Ihres Kindes notwendig. Um die Welt zu verstehen, muss es sie über alle Sinne erfassen können.
Sinnliches Erleben steht auch ganz im Zentrum der Aktivitäten von Kitas, Spielgruppen, und Kindergärten. Die meisten Kinder erkunden begeistert mit Gleichaltrigen Neuland.
Streicheln Sie Ihr Kind mit den Fingerspitzen, den Haaren, der Nasenspitze, mit einer Feder, einem Grashalm, einem Pinsel, mit Fell, Watte oder Wolle. Kinder reagieren unterschiedlich auf solche Erfahrungen. Möglicherweise sind sie sehr kitzelig oder geniessen es zu erleben, wie verschieden sich Berührungen anfühlen.
Kinder mögen «Streichelspiele», doch diese Vorliebe darf von Erwachsenen nicht zur Befriedigung eigener Begehren missbraucht werden. Ein zärtliches, liebevolles Streicheln drückt Zuneigung aus und vermittelt Sicherheit, Wärme und Vertrauen. Sicher spüren Sie selber, was Ihr Kind gern hat. Ermutigen Sie es aber auch, seine Bedürfnisse mitzuteilen, wenn ihm eine Berührung unangenehm ist. Es liegt in der Verantwortung des Erwachsenen, die Äusserungen und Botschaften des Kindes wahrzunehmen und zu respektieren. Mehr zum Thema Grenzen lesen Sie hier.