Ein Jahr und zehn Monate
Nach einem anstrengenden Tag sehen viele Eltern nur die Herausforderungen und Schwierigkeiten. Dabei geht das Positive gerne vergessen. Ein Erfolgsjournal hilft zu sehen, was gut gelungen ist.
Kennen Sie diese Situation? Vor dem Zubettgehen schauen Sie schnell im Kinderzimmer nach, ob alles in Ordnung ist. Ihr Kind liegt ruhig schlafend da, den Teddy fest im Arm – ein friedliches Bild. Dabei war heute wieder einmal ein besonders anstrengender Tag mit einigen Herausforderungen, die Sie alles andere als «friedlich» stimmten.
Ihr Kleines wollte sich partout nicht anziehen lassen und somit sind Sie zu spät zum Arzt gekommen. Das Mittagessen ist angebrannt, weil Sie während des Kochens feststellten, dass Ihr Kind das ganze Badezimmer vollspritzte, als es mit der WC-Bürste hingebungsvoll die WC-Schüssel putzte. Natürlich war danach nicht nur der Boden nass, sondern auch das Kind! Und als Sie während des Mittagsschlafes Ihres Kleinen kurz mit einem Buch ausspannen wollten, mussten Sie feststellen, dass Ihr Buchzeichen durch eine halbgegessene Reiswaffel ersetzt worden war.
Der Tag hat Nerven gekostet, und Sie wurden je länger, desto ungeduldiger und gereizter. Und nun, wenn Sie Ihr schlafendes Kind anschauen, plagt Sie vielleicht das schlechte Gewissen. Womöglich hätten Sie sich wegen der kleinen Überschwemmung im Badezimmer gar nicht so aufregen müssen. Boden und Kind waren ja schnell wieder trocken, und offensichtlich hatte Ihr Kleines grosse Freude an der heimlichen Beschäftigung. Zweifeln Sie nicht an sich: Eltern ohne «Fehler» gibt es nun einmal nicht! Man kann nicht zu jeder Zeit und in jeder Situation geduldig, gelassen und verständnisvoll reagieren.
Oft sind Eltern sehr selbstkritisch und stellen hohe Anforderungen an sich. Sie sehen weniger das, was sie gut machen, als das, was ihnen Mühe bereitet. Wie wäre es, wenn Sie einmal ein «Erfolgsjournal» führen würden? Tragen Sie nur das ein, was Ihnen und Ihrem Kind heute besonders gut gelungen ist. Wenn Ihnen Notizen zu aufwendig sind, dann machen Sie die Übung doch ab und zu in Gedanken – zum Beispiel am Abend vor dem Einschlafen .
Viele Mütter und Väter hören vom Partner oder von der Partnerin nur selten ein bestätigendes «Das hast du gut gemacht!», um die alltäglichen Aufgaben wertzuschätzen. Dies kann das negative Gefühl von mangelnder Anerkennung für die geleistete Erziehungs-, Familien- und Hausarbeit noch verstärken. Wie wäre es, sich öfter gegenseitig positiv zu bestärken? Wer im Berufsleben steht, erhält Lohn für seine Arbeit. Familienfrauen und Familienmännern fehlt diese direkte finanzielle Bestätigung. Umso wichtiger sind Anteilnahme und gegenseitige Anerkennung für die geleistete Arbeit.