Eltern werden
Bleibt Ihnen neben all der Zeit als Familie noch Platz für Zweisamkeit? Gemeinsam verbrachte Momente werden gezwungenermassen seltener, aber sie sind nach wie vor die Grundvoraussetzung für eine zufriedene Beziehung.
Sich emotional zu öffnen, gelingt nicht zwischen Tür und Angel, sondern braucht Zeit und Musse. Fehlen gemeinsame Erlebnisse und Gespräche, kann dies zu Entfremdung und emotionaler Distanz in der Partnerschaft führen. Nehmen Sie sich deshalb bewusst Zeit füreinander. Schaffen Sie sich Inseln im Alltag oder vereinbaren Sie einen fixen Tag, um zusammen zu sein.
Sie müssen nicht jedes Mal etwas Grossartiges und Spezielles unternehmen – wichtig ist, dass Sie sich beide wohlfühlen und es geniessen können. Nutzen Sie diese Zeit auch, um sich über das auszutauschen, was Sie bewegt und freut und was Sie sich wünschen. Solche Momente erzeugen Nähe und Verbundenheit und machen Sie als Paar stark.
Manchmal läuft es jedoch einfach nicht rund mit der Kommunikation. Sie kamen nach einer beinahe schlaflosen Nacht todmüde ins Büro, verschütteten den Kaffee über die Kleider und konnten beim besten Willen ein wichtiges Dokument nicht mehr finden. Oder Sie waren zu Hause, das Baby hat endlos geschrien und Sie haben es ständig herumgetragen, sodass Sie nicht einmal dazu gekommen sind zu duschen, geschweige denn, die aufgetürmte Wäsche in die Maschine zu stecken.
Verständlich, dass Sie beide nach so einem Tag gestresst sind, schneller ungeduldig werden und Intoleranz zeigen. Es kann rasch hitzig zu- und hergehen und es können auch mal die Fetzen fliegen.
Vielleicht leben Sie auch nicht mit dem Vater oder der Mutter des Kindes zusammen und trotzdem sind Sie beide für das Baby verantwortlich. Auch wenn Sie sich gar nicht (mehr) so gern haben oder nicht besonders gut miteinander reden können, müssen Sie sich immer wieder absprechen und Dinge gemeinsam organisieren.
In solchen Momenten können «Kommunikationsregeln» hilfreich sein: Die Grundlage ist eine klare Trennung zwischen Reden und Zuhören. So fällt man dem anderen nicht ins Wort, sondern hört sich gegenseitig zu und geht aufeinander ein.
Beim Argumentieren sollte man bei konkreten Situationen oder konkreten Verhaltensweisen bleiben und den Sachverhalt aus der eigenen, persönlichen Perspektive in Ich-Form schildern, damit man nicht verallgemeinert: «Gestern Abend, als ich das Kind ins Bett bringen wollte, war es für mich unangenehm, dass …» Schildern Sie Ihre Gefühle, damit das Gegenüber besser nachvollziehen kann, wie es Ihnen geht.
Hören Sie umgekehrt auch gut zu und zeigen Sie, dass Sie aktiv und interessiert dabei sind. Stellen Sie «W-Fragen», also Fragen, die mit Wie, Wo, Wer, Was beginnen, beispielsweise: «Was meinst du genau mit …?» So kann der Sprechende weitere Aspekte der Situation hinterfragen und der Zuhörende erhält zusätzliche Informationen.
Fassen Sie am Schluss zusammen, was Sie verstanden haben. Der Zuhörende überprüft somit, ob er oder sie alles richtig verstanden hat. Gleichzeitig kann der Sprechende nachdenken und gegebenenfalls etwas richtigstellen.
Versuchen Sie solchen Gesprächen genügend Zeit einzuräumen, vielleicht auf einem gemeinsamen Spaziergang oder nachdem das Kind am Abend eingeschlafen ist und nicht gleich wieder gefüttert werden muss. Falls möglich, sollten Sie sich nicht vor dem Baby streiten. Je länger, je mehr reagiert es sensibel auf Unstimmigkeiten und ist von der Situation verunsichert. Doch selbst wenn Sie Diskussionen hinter verschlossenen Türen austragen, wird es die dicke Luft spüren. Wichtig ist also, Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn auch zu zeigen, dass Sie sich wieder versöhnt haben und die Welt erneut in Ordnung ist.
Am Anfang wirken diese Regeln vielleicht etwas gekünstelt. Es hat sich jedoch gezeigt, dass sie tatsächlich helfen können, heikle Themen sachlich zu besprechen, einander besser zu verstehen und sich angemessen zu unterstützen. Schliesslich ist es ein befriedigendes Gefühl, Konflikte miteinander zu lösen und schwierige Situationen gemeinsam zu meistern.
Noch nicht lange ist es her, dass die werdende Mutter sich nachts mit ihrem kugelrunden Schwangerschaftsbauch kaum von einer Seite auf die andere drehen konnte. Zwar ist dieses Gewicht nun weg, doch der Körper ist nicht so wie früher: Die Brüste sind prall, vielleicht hat die junge Mutter noch Schmerzen von der Geburt und wahrscheinlich ist auch hier und da eine Rundung mehr da.
Am Ende des Tages sind beide Elternteile erschöpft von der harten Arbeit und müde wegen des ständigen Schlafmangels. Dass dadurch Intimität und Sexualität in den Hintergrund treten können, ist verständlich.
Lassen Sie sich ruhig Zeit, bis es für beide stimmt, erneut sexuell aktiv zu werden. Vielleicht ist das bei Ihnen schon sehr bald wieder der Fall. Es ist jedoch auch ganz normal, dass man anfänglich vorsichtig ist und sich ängstlich fühlt, was den ersten Sex nach der Geburt betrifft. Vielleicht fühlen Sie sich durch die hohe Beanspruchung, die ständige Aufmerksamkeit für das Baby und Tätigkeiten wie Wickeln, Füttern und Beruhigen nicht in der Stimmung für einen Liebesakt.
Bei Frauen tragen die hormonelle Umstellung nach der Geburt, Schmerzen und Unwohlsein oder ein verändertes Körpergefühl auch nicht unbedingt dazu bei, die Lust auf Intimität zu steigern. Zudem ist das Bedürfnis nach körperlicher Nähe bei einigen Müttern durch die Verbundenheit mit dem Kind wegen des Stillens bereits erfüllt.
Manchmal fühlt sich der Partner, die Partnerin ausgeschlossen und vernachlässigt, weil die Aufmerksamkeit des anderen Elternteils fast ständig beim Kind liegt. Nicht selten kommt dabei ein Gefühl von Eifersucht auf. Zudem sind Mütter und Väter in dieser Phase oft auch deshalb zurückhaltend, weil sie bemerken, wie vereinnahmend die Elternschaft sein kann.
Sollte es mit der Sexualität nicht gleich klappen, ist dies noch kein Hinweis auf sexuelle Probleme in der Partnerschaft. Nehmen Sie sich Zeit füreinander, reden Sie über Ihre sexuellen Wünsche und Bedürfnisse und geniessen Sie den Austausch von Zärtlichkeit und Erotik auf verschiedenen, vielleicht ganz neuen Wegen.
Wichtig ist, dass sich beide der Sexualität frei von Druck und Zwang hingeben können. Respekt, gegenseitige Achtung und Feinfühligkeit gegenüber den Bedürfnissen der Partnerin, des Partners sind wichtige Voraussetzungen für eine erfüllende körperliche Intimität, die für beide stimmt.