Un bimbo impaurito seduto sul letto.

Donner, Dunkelheit und wilde Drachen

Fünf Jahre

Ist Angst normal, lästig oder sogar nützlich? Mit Vertrauen und Mut können gewisse Ängste überwunden werden.

Angst gehört zum Leben, zur normalen Entwicklung. Kleinkinder zum Beispiel «fremdeln» oft genau dann, wenn sie zu kriechen oder zu laufen beginnen und sich allein in gefährliche Situationen begeben könnten. Die Angst vor Fremdem aber hält sie wie ein unsichtbares Gummiband zurück. Doch nicht nur «Fremdeln» ist ein Thema, einige haben auch Angst vor dem Staubsauger oder vor Menschen mit Sonnenbrillen.

Sind die Kinder etwas älter, werden sie von Gestalten wie Hexen und Monstern geplagt. In dieser so genannten «magischen Phase» werden leblose Dinge zu wirklichen, oft bedrohlichen Erscheinungen. Für Unverständliches müssen unheimliche, fantastische oder eben «magische» Erklärungen herhalten: War das Geräusch im Badezimmer etwa ein Drache? Sind das Räuber, die im Schrank rascheln?

Weit verbreitet ist auch die Furcht vor Gewittern, dunklen Zimmern, dem Haarewaschen, Feuer oder Würmern. Im Kindergarten und später in der Schule kommen Ängste vor bestimmten Situationen dazu, zum Beispiel anderen Menschen etwas laut erzählen zu müssen, in einer Gruppe zurechtzukommen, Freundschaften zu verlieren, ausgelacht zu werden und Ähnliches. Nicht alle haben gleich viel und vor den gleichen Dingen Angst. Und nicht immer ist die Furcht eines Kindes für Eltern erklär- oder nachvollziehbar.







Illustration Kind rennt zu Mutter

Angst ernst nehmen

Felix spielt in seinem Zimmer. Seine Eltern unterhalten sich gedämpft in der Küche über einen schlimmen Autounfall, in welchen eine Arbeitskollegin des Vaters involviert war. Plötzlich steht der Fünfjährige in der Türe - die Eltern haben ihn gar nicht kommen hören. Sie sind sich nicht sicher, ob er etwas von ihrem Gespräch mitbekommen hat. Scheinbar ungerührt bittet er um ein Glas Wasser. Drei Wochen später fährt Mutter ausnahmsweise mit dem Auto zur Arbeit. Felix schaut ihr nach, bricht plötzlich in Tränen aus und ist kaum zu beruhigen. Schluchzend erklärt er seinem Vater: «Ich will nicht, dass Mama was passiert!»

«Du musst keine Angst haben!» ist wohl die erste spontane Reaktion. Doch Ihr Kind hat Angst und deshalb nützen diese gut gemeinten Worte nichts. Ein «Gell, das macht dir Angst!» nimmt hingegen die Gefühle Ihres Kindes ernst. Es hilft, das Kind einfach in den Armen zu halten., bis es sich beruhigt hat.







Illustration Mutter hält Kind in Armen

Angst – normal, lästig oder nützlich?

Angst lässt kaum jemanden kalt, wie unzählige Redewendungen zum Thema beweisen: Mal sitzt sie im Nacken, mal geht sie unter die Haut, schlägt auf den Magen oder lässt Knie zittern. Panik schnürt Kehlen zu, erzeugt Gänsehaut oder kalte Füsse. Vor Schreck klappern die Zähne, rutschen Herzen in die Hose und manchmal fürchtet man gar den eigenen Schatten.

Doch Angst ist nicht nur einfach ärgerlich und störend, sondern auch nützlich: Angst hält davor ab, einen knurrenden Hund zu streicheln oder auf dem Balkongeländer zu turnen. Angst ist ein Gefühl, das auffordert, die Gefährlichkeit einer Situation zu überprüfen, vorsichtig zu sein, zur Seite zu springen oder wegzulaufen.

Angst haben alle

Ein Gespräch – ohne allzu viele Fragen oder Ratschläge – ist für viele Kinder ein zusätzlicher Schritt, um Ängste zu überwinden. Vielleicht erzählt der Vater, dass auch er manchmal Angst hat vor Autounfällen. Gespannt erfahren Kinder, dass Onkel Klaus als Kind Mörder im Keller fürchtete und Mama immer schnell aufs Bett sprang, damit das, was darunter hätte liegen können, sie nicht packte. Sie merken erleichtert, dass sie mit ihren Ängsten nicht allein sind, und lernen, dass man offen dazu stehen darf und gerade damit Mut beweist!

Angst haben oder Mut beweisen ist übrigens keine Frage des Geschlechtes. Jungen werden nicht als Helden geboren und Mädchen sind nicht grundsätzlich schüchterner. Wie selbstbewusst Kinder aufs Leben zugehen, ist zunächst einmal eine Typfrage und dann vor allem eine Folge gesellschaftlicher Normen und Erziehung.

Vertrauen

«‹Um Himmels willen, Kind, lass bloss die Schüssel nicht fallen!!!› rief meine Tante. Ihr lauter, spitzer Ausruf erschreckte mich derart, dass die ganze Schüssel, die vorher sicher in meinem Arm ruhte, auf den Boden fiel …» Paloma, damals 5

Furcht vor allen möglichen Gefahren führt manchmal zur Überbehütung der Kinder. Setzen Sie Ihr Kind nicht unter die Glasglocke. Trauen Sie ihm etwas zu: Etwas Zerbrechliches tragen, das Problem mit dem Nachbarskind selber lösen, Gemüse rüsten mit einem scharfen Messer, einen bekannten Weg selbstständig zurücklegen oder mal richtig «gefährlich» rumklettern.

Schenken Sie Ihrem Mädchen oder Jungen Vertrauen und Zeit, Probleme mit Ihnen zu besprechen, lassen Sie Ihr Kind aber Schwierigkeiten wo immer möglich selbständig meistern.

Mut tut gut!

Immer wieder müssen Kinder ihr Können und ihre Grenzen austesten. Es ist Aufgabe der Erwachsenen, dabei Sicherheit zu gewährleisten – insbesondere, wenn Kinder Gefahren noch nicht selber beurteilen können, zum Beispiel im Verkehr. In vielen anderen Situationen können sie jetzt aber lernen, sich selber und Risiken richtig einzuschätzen.

Übrigens: In vielen Familien ist ein Elternteil ängstlicher als der andere. Das führt nicht selten zu Spannungen in der Erziehung. «Das ist doch viel zu gefährlich!», finden die einen, während es anderen oft nicht wild genug zu- und hergehen kann. Manchmal ist Vorsicht angesagt, manchmal aber lohnt sich etwas Mut.

Kinder freuen sich, auch «Waghalsiges» zu probieren. Sie schätzen es, wenn es nicht sofort «Nein» heisst, sondern ihnen etwas zugetraut wird. Was kann im schlimmsten Fall passieren? Meist höchstens einige blaue Flecken. Mut tut gut, den Kindern und den Eltern!







Illustration Kind sprüht mit Anti-Drachen-Spray

Gruselig schöne Angst!

Ihre Kinder hocken eng an Sie gedrückt auf dem Sofa und lauschen mit einem wohligen Gruseln einem Gespenstermärchen. Oder sie geniessen freudig-ängstlich das Kribbeln im Bauch, wenn die Kinderbahn besonders zackig in die Kurve fährt. Viele Kinder suchen mit einer gewissen Lust nach Gelegenheiten, den Umgang mit der eigenen Angst zu üben. Sie geniessen es, wenn sie merken, dass ihre Widerstandskraft steigt. Eine spannende Geschichte im sicheren Arm der Eltern anhören, Verstecken spielen im dunklen Zimmer oder mit der Taschenlampe herumgeistern – so ist Angst gruselig schön!

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