10. Monat
Sprache ist mehr als Austausch von Informationen. Sprache vermittelt Empfindungen, Gefühle, Stimmungen. Sprache bedeutet auch Identität; sie gibt Wurzeln und Heimatgefühl und ist eine der wichtigsten Verbindungen zwischen uns Menschen.
Es ist wichtig, dass Sie als Eltern die Sprache Ihres Herzens sprechen. Reden Sie in Ihrer Muttersprache mit Ihrem Kind. Das Gleiche gilt auch für das Singen von Liedern und das Sprechen von Versen.
Wenn Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin zwei verschiedene Sprachen sprechen, so sollten Sie sich konsequent nur in der jeweiligen Muttersprache an Ihr Kind wenden. Damit ist gemeint, dass der Vater zum Beispiel Englisch spricht und die Mutter Schweizerdeutsch. Ihr Kind wird sich später in beiden Sprachen zu Hause fühlen, allerdings braucht es für die Sprachentwicklung in der Regel etwas mehr Zeit als ein Kind, das nur mit einer Sprache aufwächst.
Wenn beide Elternteile aus einem anderen Land kommen, so sprechen Sie beide mit dem Kind Ihre jeweilige Muttersprache. Denken Sie nicht, dass Ihr Kind besser Deutsch lernt, wenn Sie versuchen, ihm diese Fremdsprache von Anfang an näherzubringen. Wichtig für das Erlernen einer zweiten oder dritten Sprache ist das Beherrschen der Muttersprache. Erst auf dieser Grundlage kann eine weitere Sprache erfolgreich aufgebaut werden.
So wie Ihr Kind mit allen Gegenständen, die es erwischt, spielt und sie ausprobiert, so probiert und übt es mit grosser Freude auch Laute. Es plappert vor sich hin, reiht verschiedene Silben zu Silbenketten aneinander und kann diese auch schon ganz unterschiedlich betonen.
Es prustet, gluckst, quietscht und freut sich ungemein, wenn Sie sein Spiel mitspielen und ein gemeinsames fröhliches und lautmalerisches Plauderstündchen stattfindet. Weil das Kind herausfinden möchte, woher die Laute kommen, greift es Ihnen an den Mund und untersucht Ihre Lippen. Vor kurzer Zeit hat das Kind begonnen, die Bedeutung einiger Wörter zu begreifen.
Ihr Kind bringt nun zunehmend Namen und Personen miteinander in Verbindung und kennt verschiedene Gegenstände, die es umgeben. Es beginnt, Laute und auch Gesten (Winken, Kopfschütteln) nachzuahmen. Aus Silbenketten wie ba-ba, ma- ma, ta-ta leitet das Kind den Namen für die Eltern ab. Welche Freude, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter eines Tages unverwechselbar Mama oder Papa sagen wird.
Wie bei den Entwicklungsschritten in anderen Bereichen, so erfolgt auch der Erwerb der Sprache in einer grossen zeitlichen Spannbreite. Sprechen frühentwickelte Kinder die ersten Wörter bereits vor dem zwölften Monat, so lassen sich andere damit Zeit bis nach ihrem zweiten Geburtstag. Mädchen sind in der Sprachentwicklung im Allgemeinen den gleichaltrigen Jungen etwas voraus.
Wenn Sie Ihr Kind im Alltag beobachten, werden Sie herausfinden, welche Begriffe es schon erkennen und zuordnen kann. Sie werden dabei merken, dass es viele Wörter kennt und versteht, bevor es sie selber ausdrücken kann. Durch Zuhören nimmt es die Laute und die Sprachmelodie seiner Muttersprache auf.
Beim Essen, Spielen, Wickeln oder Spazierengehen bietet sich Gelegenheit, mit dem Kind zu plaudern und Gegenstände, die es sieht, hört oder fühlt, zu benennen. Erzählen Sie ihm, dass Sie die Fenster putzen, dass das Kätzchen ein weiches Fell hat oder dass Sie einen Tee trinken möchten. Vielleicht beginnt Ihr Kind dann schon, den benannten Gegenstand anzuschauen.
Es ist nicht nötig, dass Sie Ihre Ausdrucksweise verniedlichen und spezielle Verkleinerungsformen wie «Löffeli» statt Löffel oder «Bettli» statt Bett verwenden. Auch eine spezielle lautmalerische Babysprache wie «Wauwau» für Hund oder «Brummbrumm» für Auto ist nicht notwendig.
Am besten reden Sie ganz normal mit Ihrem Kind. Eine interessierte Zuhörerschaft ist Ihnen gewiss und wird Ihnen wohl auf das Vorgebrachte fröhlich Antwort geben. Schliesslich ist nicht nur das Verstehen von Worten wichtig, sondern auch die gegenseitige Anteilnahme und Zuneigung, die sich in solchen Gesprächen ausdrückt.