Bebè aggrappato al divano.

Immer auf Entdeckungsreise

9. Monat

Ihr Kind ist jetzt acht Monate alt und es ist spannend, aber auch aufregend und anstrengend, es auf seinem Weg zu begleiten. Es wird zunehmend mobiler und beginnt sich durch Robben und Krabbeln selbstständig fortzubewegen. Der Drang sich zu bewegen, ist geweckt.

Eine Art von zweiter Abnabelung findet statt: Ihr Kind ernährt sich nicht mehr ausschliesslich an der Mutterbrust oder aus der Flasche. In bescheidenem Masse ist es nun fähig, sich durch Drehen, Robben oder Krabbeln dorthin zu begeben, wohin es selber will.

Sein Bewegungs- und sein Erforschungsdrang sind riesig. Dieser wird es früher oder später zu neuen Herausforderungen ermutigen, zum Beispiel, sich an Möbeln hochzuziehen oder auf Treppenstufen zu kriechen.

Immer «sprungbereit»

Manches gerät in Unordnung und hin und wieder werden Eltern bei besonders gewagten Unternehmungen ein wenig Angst verspüren. Mit Informationen im Pro Juventute Elternbrief 7 konnten Sie sich bereits auf die bevorstehende aufregende Krabbelzeit vorbereiten.

Falls Sie inzwischen zu «sprungbereiten» Eltern eines neugierigen Krabbelkindes geworden sind, lohnt es sich bestimmt, die dort enthaltene «Krabbel-Lektion» für Mütter und Väter zu repetieren.

Geduld und Gelassenheit

Vieles, was uns Erwachsenen gar nicht auffällt, was für uns selbstverständlich ist, zieht unwiderstehlich den Blick des Kindes auf sich: eine Brille, die Fernbedienung des Fernsehapparates, der Schlüsselbund. Was erreichbar ist, wird gepackt, in den Mund gesteckt, auf den Boden geworfen, betastet, betrachtet. Vermutlich werden Sie daran nicht immer nur Freude haben.

Oft braucht es viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Gelassenheit, um Verständnis für die Unternehmungen Ihres Kindes aufzubringen, und das immer wieder von neuem. Ihr Kind will Sie damit aber nicht herausfordern oder gar ärgern, sondern lernt durch Entdecken und wiederholtes Ausprobieren ganz viel. Für Kinder ist das Spiel der Weg zur eigenen Persönlichkeit und zur Erkenntnis der Welt, in der sie leben.

Selbstständigkeit und Angst vor Trennung

Jedes Kind trägt den Drang nach Selbstständigkeit in sich. Die Fähigkeit, sich selber fortzubewegen, ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Gross ist aber auch das Bedürfnis, durch die Anwesenheit der Eltern Sicherheit zu spüren.







Illustration Kind und Vater spielen Verstecken.

Wenn das Kind auf seinen Entdeckungsreisen eine bestimmte Distanz zu Mutter oder Vater erreicht hat, kehrt es um und sucht von selbst wieder deren Nähe und Geborgenheit. Nehmen Sie es dann in den Arm und lassen Sie es erleben, dass Sie da sind und sich an ihm und seinen wichtigen und mutigen Taten freuen.

Dieses Wegkrabbeln und Zurückkommen ist ein wunderbares Spiel, um das gegenseitige Vertrauen wahrzunehmen und zu bekräftigen. Manchmal ist die Trennungsangst des Kindes mühsam für Eltern, denn es gibt Kinder, die sofort mit Weinen reagieren, wenn sie Mutter oder Vater nicht mehr sehen.

«Gugus-dada» – oder die Fähigkeit, sich zu erinnern

Unter den vielen Spielen zwischen Eltern und Kind ist das «Gugus-dada»-Spiel ein Renner. Gespannt und mit grosser Erwartung schaut Ihnen das Kind zu, wenn Sie Ihr Gesicht hinter einem Tuch verbergen. Welche Freude, wenn Sie das Tuch wegziehen und dadurch wieder sichtbar werden. Mutter, Vater waren verschwunden, jetzt sind sie wieder da. «Gugus-dada»-Spiele gibt es in unzähligen Variationen, und kleine Kinder wiederholen sie immer wieder mit grosser Begeisterung.







Illustration Kind versteckt sich unter dem Sessel.

Möglich wird dieses Spiel, weil das Kind nun ein Erinnerungsvermögen entwickelt. Bis zum Alter von etwa acht Monaten war ein Gegenstand, sobald er aus dem kindlichen Blickfeld verschwunden war, für das Kind nicht mehr existent. Langsam merkt es, dass Dinge noch da sein können, auch wenn es sie nicht mehr sieht. Es beobachtet genau, wohin ein wegrollender Ball verschwindet, und gibt zu erkennen, dass es ihn wiederhaben möchte. Es lässt sogar selbst Plüschtierchen verschwinden und anschliessend wieder sichtbar werden.

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Selbstständigkeit fördert das Selbstvertrauen

Wir haben in den ersten Elternbriefen immer wieder auf die Bedeutung einer innigen Beziehung zwischen Eltern und Kind hingewiesen. «Selbstständigkeit» steht dazu nicht im Widerspruch. So wie Sie Ihrem Kind immer und immer wieder zeigen, wie sehr Sie es lieben, so wichtig ist es, dass Sie es in seiner Entwicklung zur Selbstständigkeit unterstützen.







Illustration Das Kind versteckt sich im Sessel.

Das heisst, dass Sie nicht alles aus dem Weg räumen müssen, was für Ihr Kind unangenehm sein könnte: Das Herunterkollern von einer am Boden liegenden Matratze bewirkt vielleicht Erstaunen und Erschrecken, dabei verletzen kann sich das Kind aber nicht.

Gewähren lassen und vor Gefahren schützen

Greifen Sie nicht vorschnell ein, sondern ermöglichen Sie Ihrem Kind, eigene Erfahrungen zu machen. Das gilt sowohl für den Zitronenschnitz, den es unbedingt in den Mund stecken will, als auch für ein festgeklemmtes Spielzeug, das es aus einer Schublade zu ziehen versucht. Lassen Sie Ihr Kind gewähren, auch wenn Sie wissen, dass Zitronen sauer schmecken oder wie sich die Schublade am besten öffnen lässt.

Natürlich darf Ihrem Kind keine wirkliche Gefahr drohen; es gibt Erfahrungen, die man ihm ersparen muss. Eine vernünftige Grenze zu finden, ist hin und wieder schwierig. Übergrosse Ängstlichkeit der Eltern kann sich hemmend auf die Entwicklung des Selbstvertrauens auswirken. Aus eigener Kraft und durch eigene Anstrengung Schwierigkeiten zu überwinden, stärkt das Selbstvertrauen.

Vertrauen Sie Ihrem Kind, dass es das, was es sich vorgenommen hat, auch alleine schafft. Sie werden staunen, wie viel Kraft und Beharrlichkeit Kinder entwickeln können. Die beste Unterstützung und Hilfe ist, wenn Sie Geduld haben und dem Kind Zeit lassen für sein Vorhaben.







Illustration Der Vater entdeckt das Kind im Sessel.

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