Fünf Jahre und neun Monate
Bei Kindern kann innert Sekunden aus einem friedlichen Spiel ein heftiger Streit werden. Was können Eltern tun und wie sollen sie reagieren?
«Heee, gib das her!», tönt es aus dem Wohnzimmer. «Nein, das gehört miiiiir!» – «Lass mich looos!» – «Auaaaaa!» Eben erst war es noch so friedlich und schon liegen sich zwei in den Haaren. Kinder streiten oft. Das zehrt an Elternnerven. «Was tun?», fragen Sie sich vielleicht manchmal. In den meisten Fällen am besten Ruhe bewahren und beobachten statt eingreifen. Viele Konflikte lösen sich nämlich ohne Hilfe Erwachsener. Manchmal gelingt das besser, wenn diese sich ausser Sicht- und Hörweite der Streitenden begeben.
Nützt das nichts? Nervt die Rasselbande buchstäblich schon den ganzen Tag? Dann gilt es, nicht in die «Streitspirale» der Kinder zu geraten. Ein gebrülltes «Jetzt spielt doch endlich mal friedlich!» wird nämlich kaum den gewünschten Effekt haben.
Erfolgreicher ist, zu handeln statt zu reden: Halten Sie den Streit im Auto oder vor dem TV nicht mehr aus? Kommentarlos anhalten beziehungsweise Fernseher ausschalten und warten, bis der Streit beendet wird. Auch ein Szenenwechsel – «Der Zvieri ist fertig!» oder «Kommt, ich erzähl euch eine Geschichte!» – lässt Kinder den aktuellen Knatsch schnell vergessen.
Oft hilft Bewegung, eine Kissenschlacht oder eine Runde auf dem Spielplatz. Frische Luft und Platz zum Austoben lassen den Ärger verpuffen! Verblüffend wirkungsvoll ist zudem die Frage: «Mich stört das ewige Gestreite, wie könnten wir das lösen?» Kinder haben oft überraschende, brauchbare Ideen.
Ja! Streiten gehört zum Alltag und zur Entwicklung von Kindern. Und vielleicht hilft es zu wissen, dass
die meisten Kinder streiten, am häufigsten die dick befreundeten!
die meisten auch viel Zeit ohne Streit verbringen!
aus scheinbar erbitterten Feinden («Du bist so doof, ich will dich nie mehr sehen!») meist schnell wieder friedlich spielende Kinder werden.
sie dabei einiges lernen, zum Beispiel den eigenen Standpunkt vertreten, Kompromisse eingehen, gemeinsam Lösungen suchen, Niederlagen einstecken, Frieden schliessen.
manchmal das Alter, manchmal die Kombination der Kinder, manchmal ganz einfach «das Wetter» schuld ist!
«Petra hat mir Sand in die Augen geworfen!» – «Stimmt gar nicht! Simone hat angefangen! Sie hat meine Schaufel genommen …»
Dass Eltern in solche oder ähnliche Szenen geraten, kommt immer wieder vor. Kinder suchen Unterstützung und Hilfe der Erwachsenen – oder einfach Aufmerksamkeit.
«Na, Simone, das ist doch nicht so schlimm …» oder «Petra, du weisst genau, dass …!», lauten spontane Reaktionen. Statt die Situation zu bewerten oder Schuldige zu bestrafen, können Erwachsene auch erst den Betroffenen zuhören, ohne sich einzumischen. Ein «Au, das brennt in den Augen, gell Simone?» zum Beispiel nimmt die Schmerzen des betroffenen Kindes ernst, ohne das andere in die Rolle des Angeklagten zu drängen. Später kann, wenn nötig, besprochen werden: Gibt es andere Lösungen als Sand werfen, wenn man wütend ist?