Un bimbo seduto per terra, attorniato da un sacco di giocattoli sparsi sul pavimento.

Wenn Eltern mit ihren Kindern streiten

Fünf Jahre und neun Monate

Manchmal braucht es nicht viel und es kommt zum Streit zwischen Kindern und Eltern. Es lohnt sich, den Ursachen auf die Spur zu kommen und gemeinsam Lösungen zu suchen.

Streit entzündet sich oft an kleinen Ereignissen im Alltag: Manuel will partout nicht ins Bett. Olivia hat ihre Spielsachen in der ganzen Wohnung verstreut. Marco lässt seine Jacke einfach liegen.

Ein «Wenn du nicht, dann …!» verpufft schnell, und Strafen zu finden, die dem Fehlverhalten des Kindes angemessen sind, ist kein einfaches Unterfangen.

Ein «Schau, dein Bruder hat schon so schön aufgeräumt» oder «Nie räumst du auf, du bist ein Chaot wie dein Vater!» schiebt Kinder in Rollen, denen sie manchmal trotzig gerecht zu werden versuchen.

Sie können schliesslich auch einfach ein Auge zudrücken. Wird ärgerliches Verhalten der Kinder aber ständig übersehen, wissen Kinder weder, wo ihre Grenzen sind, noch, weshalb Eltern dann plötzlich «wegen nichts» ausrasten und ihren angestauten Gefühlen freien Lauf lassen.

Streitursachen suchen

Langfristig lohnt es sich, den Ursachen eines Ärgers auf die Spur zu kommen, Gefühle und Wünsche klar auszudrücken und alle bei der Lösung miteinzubeziehen.

Das heisst im Falle der kindlichen Unordnung, sich konkret zu fragen:

  • Stört mich die Unordnung oder bin ich sowieso schon gereizt und lasse einfach Dampf ab? (Ein unaufgeräumtes Kinderzimmer erscheint in einem anderen Licht, wenn man das zufrieden spielende Kind mittendrin beobachtet.)

  • Wissen die Kinder, woran sie sind? Melde ich ganz klar: «Ich will, dass die Schuhe nicht im Gang liegen!»?

  • Frage ich auch die anderen Beteiligten mal: «Mich stört das, wie könnten wir das lösen?»?

Leonie möchte abends, kaum kommt die Mutter heim, mit ihr spielen. Doch die will erst ausruhen. «Lass mich in Ruhe!», schimpft sie, die Tochter zieht sich beleidigt zurück. Am nächsten Abend spielt Mutter deshalb mit, schiebt aber lustlos Bauklötze hin und her und wird immer gereizter, weil unerledigte Post auf dem Tisch liegt. Plötzlich fragt sie Leonie: «Du willst spielen, ich erst ruhen und irgendwann müssen wir essen, wie machen wir das?» Leonie überlegt kurz und gemeinsam einigen sie sich auf eine Ruhepause «bis der grosse Zeiger oben ist», dann zusammen zu spielen «bis der Zeiger unten ist», «und dann helfe ich dir beim Tischdecken», ergänzt Leonie.

«Eltern sind doof!»

Sie haben es doch jetzt schon «hundert Mal gesagt, dass …» und Ihr Kind stellt die Ohren einfach auf Durchzug. Oder fühlt sich streitlustig durch jedes Wort persönlich angegriffen. Manchmal liegt das an der Wortwahl: «Kannst du bitte deine Klötze wegräumen?» verlockt geradezu, «Nein» zu sagen. Endlose Diskussionen folgen. Wenn das Kind also eigentlich gar keine Wahl hat, dann ist die Aufforderung «Räum jetzt bitte deine Klötze weg!» angebrachter.







Illustration Mutter will das ihr Kind aufräumt

Manchmal hilft es auch, Befehle oder lange Erklärungen wegzulassen und lieber kurz mitzuteilen, was die Folge sein wird, und dann konsequent zu handeln. Hilfreich können sogenannte logische Konsequenzen sein, also eine direkt in Beziehung stehende Folge auf einen Regelverstoss oder auf ein unerwünschtes Verhalten. Das entlastet Eltern, und Klarheit entspannt die Beziehung zu den Kindern. Hier ein paar Beispiele für ein paar sogenannte logische Konsequenzen:

  • Nicht zum Essen kommen? Dem Kind erklären, dass jetzt die Mahlzeit beginnt und nachher abgeräumt wird. Verpasst das Kind die ganze Mahlzeit, gibt es nichts mehr bis zur nächsten (Zwischen-)Mahlzeit oder allenfalls ein Stück Brot.

  • Räumt das Kind nicht auf? Erklären, dass es jetzt die Eltern machen, dafür haben sie aber nachher keine Zeit fürs gemeinsame Spiel.

«Ich finde dich total doof!» kann die Reaktion darauf sein. Keine Angst, es gehört dazu, als Erwachsene nicht immer «lieb» zu sein. Die Wut des Kindes wird wieder verrauchen, wenn Ihr Handeln nachvollziehbar war. Wichtig bei logischen Konsequenzen ist, dass ein direkter Zusammenhang

zum Verhalten des Kindes besteht. Da es sich dabei jedoch auch um eine Form von Strafen handelt, sollten sie sparsam eingesetzt werden.

«Du bist gar nicht mein richtiger Papi!»

«Du hast mir gar nichts zu sagen!», sagen Kinder aus Patchworkfamilien manchmal zu neuen Partnern, Partnerinnen ihrer Eltern. Eine knifflige Situation! Es lohnt sich, Rollen und Erziehungskompetenzen der neuen Familienmitglieder klar abzumachen. Gerade ältere Kinder schätzen es, wenn mit «neuem» Vater oder «neuer» Mutter nicht auch neue Erziehungsregeln einziehen. Lieber haben sie, wenn die «Neuen» in Erziehungsfragen nur beratend mitreden.

Warum gibt es eigentlich Streit?

Ob unter Kindern oder Erwachsenen, beim Streit will die eine etwas anderes als der andere. Manchmal ist der Anlass aber nicht der Grund des Streites. Es nervt eigentlich gar nicht der Turnsack, der wieder mitten auf dem Teppich liegt, sondern er ist bloss der Auslöser. In Wirklichkeit sind es Sorgen am Arbeitsplatz, Beziehungskrisen oder Stress im Haushalt, die auf die Stimmung drücken. Es lohnt sich, diesen wahren Ursachen auf den Grund zu gehen, statt ihre Symptome zu bekämpfen: Was hat mich jetzt eigentlich so verärgert? Und ist das den Kindern klar?

«Ich bin heute hässig, ich hatte einen schlechten Tag im Büro!» ist für andere Familienmitglieder leichter nachvollziehbar, als wenn sich diese schlechte Stimmung in einer Schimpftirade «aus heiterem Himmel» wegen einer einsamen Socke auf dem Küchenboden entlädt.

Streit um Platz kreativ lösen!

Manchmal wird Streit durch Raumknappheit ausgelöst. Nicht selten ist das Kinderzimmer das kleinste der Wohnung und weit von der Küche entfernt. Kinder spielen aber meist gerne in der Nähe der Eltern und für die Löwenjagd oder ein richtiges Wolldeckenschloss braucht nun mal einfach manches mehr Platz, als Kinderzimmer bieten. Wieso nicht Zimmer tauschen? Oft eignet sich das meist grössere Elternschlafzimmer viel besser für Kinder und das kleine Kinderzimmer genügt meist den Bedürfnissen der Erwachsenen.

Eltern dürfen Fehler machen

Konflikte mit Kindern schaukeln sich schnell hoch. Gehen Sie aus dem «Ring», bevor Ihnen der Kragen platzt. Wechseln Sie das Zimmer, schmeissen Sie ein Kissen an die Wand, zählen Sie bis 40, trinken Sie ein Glas Wasser oder stellen Sie sich die Szene aus der Vogelperspektive vor, die Probleme weit weg und ziemlich klein erscheinen lässt.

Abgesehen davon dürfen auch Eltern zeigen, dass sie verletzt oder wütend sind. Geben Sie falsche Reaktionen zu, entschuldigen Sie sich bei Ihrem Kind, versöhnen Sie sich wieder. Kinder müssen wissen, welcher Zorn im Spiel war. Gemeinsam kann besprochen werden, wie der Ausbruch zu verhindern gewesen wäre – von beiden Seiten. Es entlastet Kinder, zu sehen, dass auch Erwachsene Fehler machen. Sie geben Eltern gerne noch eine Chance. Schliesslich sind auch sie selber darauf angewiesen.

«Rülps-Schmatz»-Essen oder Wohlerzogenentag

In Konfliktsituationen oder ganz allgemein: Überraschungen und Humor tun dem Erziehungsalltag gut. Wie wäre es zum Beispiel mit einem «Rülps-Schmatz»-Essen am ersten Montag jedes Monats?







Illustration Mutter rülpst am Esstisch

Solche Übertreibungen machen Spass und eigentlich unerwünschtes Verhalten verliert seinen Reiz. Vielleicht liegt dann auch mal ein «Wohlerzogenentag» drin, einfach mal zum Ausprobieren.

Nicht schlagen!

Körperstrafen sind nach wie vor häufig. Manchmal wird nach dem Motto gestraft: «Eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet».. Viel öfter aber aus Hilflosigkeit: Alle Eltern kennen Situationen, die Mütter auf die Palme bringen und Väter Wände hochgehen lassen. Kinder suchen Grenzen und reizen, bis die Nerven blank liegen. Wenn dann «die Hand ausrutscht» ist das (zu) oft ein Tabuthema!

Denn Schläge als Erziehungsmittel nützen nichts und schaden nur. Auch wenn sie kurzfristig dazu dienen mögen, sich durchzusetzen: Verfolgte Ziele werden mit Gewalt nicht erreicht, sie verschlimmert die Situation häufig und führt langfristig nie zum erzieherischen Erfolg.

Mit Ohrfeigen oder Haarereissen werden Kinder allerhöchstens auf richtiges Verhalten «gedrillt», ohne etwas zu verstehen oder einzusehen. Sie erfahren und lernen dabei, dass Gewalt ein Machtinstrument ist, das gegen Schwächere eingesetzt werden kann. Elterliche Gewalt (dazu gehört Schlagen, Kneifen, Schütteln, aber auch Ignorieren, Lächerlichmachen, Auslachen) demütigt. Sie zerstört das Selbstbewusstsein des Sohnes oder der Tochter und erschüttert das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind.

Verlieren Sie öfters oder gar regelmässig die Beherrschung, dann holen Sie sich unbedingt Hilfe. Es gibt Situationen im (Familien-)Leben, in denen man Unterstützung braucht. Wut anders auszudrücken, Grenzen anders zu setzen, kann gelernt werden. Anonyme Erstberatungen am Telefon leisten Erziehungsberatungsstellen oder unsere kostenlose Elternberatung.

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