Vier Jahre und neun Monate
Medien sollten nicht als Mittel gegen Langeweile eingesetzt werden. Hilfreich sind zudem fixe Medienzeiten.
«Darf ich ein bisschen fernsehen?» Wenn Kinder fernsehen oder gamen wollen, können verschiedene Gründe dahinerstecken. Vielleicht langweilen sie sich gerade und quengeln deshalb ein wenig. Dann ist es verlockend, den Knopfdruck zu erlauben, denn Langeweile wird von Erwachsenen oft als negativ empfunden. Doch aus der Leere, aus einem ruhigen Moment, kann etwas Neues, Schöpferisches entstehen: vielleicht eine Zeichnung, ein anregendes Gespräch, ein spontaner Spaziergang oder eine unerwartete Kochmithilfe.
Medien als Mittel gegen Langeweile fördern passives Konsumverhalten. Sie nehmen dem Kind die Möglichkeit, selbst einen kreativen Weg aus der Stimmung herauszusuchen und Eigeninitiative zu entwickeln. Regen Sie Ihr Kind dazu an, selber nach Ideen zu suchen, um sich zu beschäftigen. Langeweile aushalten ist gar nicht so einfach, kann aber geübt werden.
Nutzen Sie Medien so selten wie möglich als Mittel gegen Langeweile. Falls es einmal nicht anders geht und Sie Ihre Kinder ruhig beschäftigen möchten, wählen Sie nur Kindersendungen oder Kindervideos, die Sie kennen. Bildschirme sind keine geeigneten Babysitter. Wenn Siefür eine Zeit ausser Haus sind, ist es für Kinder sicherer und lustiger, wenn die elektronische Betreuung durch einen richtigen Babysitter ersetzt wird, zum Beispiel Jugendliche aus der Nachbarschaft.
«Ich mag Trickfilme. Wenn es so schön ist wie jetzt, spiele ich aber lieber draussen mit anderen Kindern.»
Lilian, 5 Jahre
Lilian lässt sich von Fernsehen und anderen Medien nicht den Tagesablauf bestimmen. Dringt fröhlicher Lärm spielender Kinder in die Wohnung, hält sie es kaum lange vor dem Bildschirm aus. So geht es vielen Kindern. Doch manchmal will Lilian plötzlich morgens schon vor dem Fernseher sitzen oder während des Mittagessens gamen.
Regeln über das «Wann» erleichtern Eltern und Kindern in vielen Fällen den Umgang mit diesen faszinierenden Medien. Das Durchsetzen ist zwar mit Konflikten verbunden, doch das ist normal. Dafür werden ewig im Kreis drehende Diskussionen wie «Darf ich jetzt fernsehen? Warum nicht?» überflüssig. Und wenn Kinder krank sind oder sonst ein Grund besteht, können jederzeit Ausnahmen gemacht werden.
Achten Sie im Alltag darauf, dass für Ihr Kind genügend alternative Spielmöglichkeiten vorhanden sind, idealerweise draussen und mit anderen Kindern.
Je nach Bedürfnis wird zum Beispiel festgelegt, dass Bildschirmmedien benutzt werden dürfen:
Liegen Spielkonsole und Tablet ausserhalb des Blickfeldes auf dem Regal oder steht der Fernsehapparat im Wohnzimmer statt im Kinderzimmer, werden die Medien meist dosierter genutzt.
«Ich schaue gerne mit meinen zwei Freundinnen Trickfilme. Am liebsten habe ich aber, wenn Papa mit mir zusammen schaut.»
Laura, 4 Jahre
Fernsehen und Gamen machen vor allem zu zweit oder mit mehreren Kindern Spass. Gemeinsam kann das Gesehene besprochen, nachgespielt oder gemalt werden. So können Sie Unverständliches erklären, bei beängstigenden Szenen schützende Nähe bieten und Gezeigtes kritisch hinterfragen. Vor dem Fernseher sitzt man meist ruhig und starrt auf den Bildschirm. Nach dem Filmgenuss ist es optimal, wenn Kinder sich zum Ausgleich bewegen können.
Sie kennen es sicher: «Du darfst noch zehn Minuten spielen, dann stellen wir das Gerät ab.» Anzustreben ist, dass Kinder auf lange Sicht verstehen lernen, warum sie nicht immerzu Medien konsumieren sollen. Es macht Sinn, Regeln zu formulieren, die mehr umfassen als starre Zeitvorgaben.
Die Dauer der Fernseh- oder Spielzeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wählen Eltern eine altersgerechte TV-Sendung für ihr Kind aus, kann die Fernsehzeit auch einmal etwas länger dauern. Gute Kindersendungen sind nicht so herausfordernd und die Inhalte weniger komplex. Eine gute Faustregel ist, das Kind nur eine Sendung schauen oder ein Spiel spielen zu lassen.
Medien können den Familienalltag positiv beeinflussen. Dabei hilft es, dass Eltern sich bewusst sind, was sie an Medien toll finden und wie der Umgang mit Medien aussehen soll. Besprechen und regeln Sie die Mediennutzung innerhalb der Familie und setzen Sie Medien sinnvoll ein. Das «Wie viel» hängt zum Beispiel vom Inhalt und von der Zuschauerin, dem Zuschauer ab.
Beobachten Sie nicht nur die Reaktion, sondern auch die Konzentration Ihres Kindes. Bei jungen Kindern dauert die Aufmerksamkeitsspanne einige Minuten oder etwas mehr und bei älteren Kindern bis zu einer knappen Stunde. Einige Kinder wenden sich vom Bildschirm ab, wenn sie «genug» haben, andere spüren die mediale Überforderung nicht. Unruhiges Sitzen, Gähnen, Passivität sind Anzeichen dafür, dass Ihr Kind dem Programm nicht mehr folgen mag.
«Ich mag es, dass man mit dem Computer lässige Spiele machen kann und dass es etwas anderes ist als CD hören, er hat nämlich noch ein Bild. Ich habe mir jetzt selber ein Büro mit einem Computer gebaut, alles aus Karton. Die Maus ist ein Fingerring von mir und das Stromkabel habe ich aus einer Schnur und einem Plastikstück gemacht – sonst läuft er ja nicht. Mit meinem Computer spiele ich alle Computerspiele nach, die ich kenne.»
Milena, 6 Jahre
Gewinnen Sie Klarheit darüber, wann Medien eine Bereicherung für Ihren Sohn, Ihre Tochter sind. Überlegen Sie sich, was es braucht, damit die Mediennutzung Ihres Kindes im grünen Bereich bleibt. Machen Sie sich auch immer wieder Gedanken, wie oft und wie lange der Umgang mit digitalen Medien vertretbar ist. Tauschen Sie sich mit Ihrer Partnerin, Ihrem Partner oder Freunden darüber aus, welche Inhalte für Ihre Familie gut oder zumindest in Ordnung sind. Welche Funktionen erachten Sie als praktisch?
Legen Sie fest, wie viel die Medienausstattung Ihres Kindes kosten darf. Informieren Sie sich auch darüber, wie man im Netz Risiken vermeiden kann. All diese Erkenntnisse vereinfachen Diskussionen um Regeln und Gewohnheiten. Je konkreter Sie eine Richtung vorgeben und festhalten, was Sie gut finden, um so gezielter können Sie die Medienerziehung Ihrer Kinder gestalten.