Vom Kindergartenkind zum Schulkind
Sechs Jahre
Seit seiner Geburt hat Ihr Kind enorm viel gelernt. Nun steht mit dem Eintritt in die Schule ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt an. Gerade auch für Zwillinge kann dieser Schritt Änderungen mit sich bringen.
Ist es nicht erstaunlich, wie viel Ihr Kind bereits seit seiner Geburt gelernt hat, fast ganz von alleine? Es kann sprechen, gehen, hüpfen, es kann etwas erzählen, es versteht, was andere sagen. Es kann zustimmen oder widersprechen, es kann sich streiten und versöhnen und mit verschiedenen Menschen umgehen.
Kinder beobachten und ahmen nach. Intensiv und aus eigenem Antrieb beschäftigen sie sich mit allem, was sie gerne können möchten und machen dabei wichtige Erfahrungen.
Im Laufe der weiteren Entwicklung wird sich das Spiel in seiner Form verändern, nicht aber in seiner Bedeutung. Kinder brauchen das Spiel und andere Kinder, um sich frei zu entfalten und das nicht nur vor dem Schuleintritt, sondern auch danach. Sie als Eltern unterstützen Ihr Kind, indem Sie ihm weiterhin Raum und Zeit zum Spielen geben und an seinen Tätigkeiten und Unternehmungen Interesse zeigen.
Vom Kindergartenkind zum Schulkind
Können Sie sich noch an den Tag erinnern, als Ihr Kind den Kindergarten angefangen hat? Wenn Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn heute ansehen, staunen Sie bestimmt über Ihre «Grosse» oder Ihren «Grossen». Vielleicht hat Ihr Kind von Zeit zu Zeit keine grosse Lust mehr, in den Kindergarten zu gehen, weil es sich zu wenig gefordert fühlt. Aus dem Kindergartenkind wird nun ein Schulkind. Beschleicht Sie bei diesem Gedanken hin und wieder das unsichere Gefühl, ob Ihr Kind wirklich schon so weit ist, dass es den Schulalltag bewältigt?
Nicht nur die zukünftigen Erstklässlerinnen und Erstklässler sehen sich bei der Einschulung einer neuen Situation gegenüber, sondern auch die Eltern. Dieser Schritt ist für die ganze Familie eine aufregende Sache und daher sind gemischte Gefühle ganz normal.
Der Schuleintritt sollte aber vor lauter Aufregung nicht schon Wochen oder gar Monate im Voraus zum Hauptthema werden. Denken Sie daran, dass Ihr Kind zurzeit noch im Kindergarten ist und im Hier und Jetzt lebt. Es ist wichtig, dass es diesen Lebensabschnitt ungestört und unbelastet abschliessen kann. Bestimmt gibt es am Schluss noch ein grosses Abschiedsfest im Kindergarten, dann folgen die Sommerferien und erst danach beginnt die Schule.
Zwillinge in der Schule
Der bevorstehende Schuleintritt ist ein idealer Zeitpunkt, um das bisherige Konzept zu überdenken. Haben die Zwillinge im Kindergarten einen Schritt Richtung Selbstständigkeit und Selbstsicherheit gemacht oder braucht es mehr Eigenständigkeit? Und sind beide Kinder bereit für den Schuleintritt? Auch bei Zwillingen gibt es Leistungsunterschiede. Ein Kind ist vielleicht bereits fähig, die Anforderungen der Schule zu meistern und das andere noch nicht. Zusammen mit der Lehrperson werden die weiteren Schritte besprochen und Lösungen gesucht.
Falls es zwei erste Klassen gibt, wäre eine Trennung in der Schule vielleicht sinnvoll, nachdem die Kinder die erste Etappe im Kindergarten allenfalls gemeinsam meisterten. Suchen Sie das Gespräch mit den Lehrpersonen des Kindergartens und der Schule und wägen Sie miteinander Vor- und Nachteile ab.
Falls Ihre Kinder innerhalb der Kindergartengruppe eigene Freundschaften geknüpft haben und eigenen Interessen und Vorlieben nachgehen, spricht nichts gegen eine (weitere) gemeinsame Zeit in derselben Schulklasse. Wenn sich die Zwillinge hinsichtlich Leistung stark konkurrieren, kann eine Trennung hilfreich sein. Eine Garantie, dass sich dadurch das Konkurrenzverhalten ändert, gibt es allerdings nicht. Lehrpersonen, Aufgaben, Prüfungen, Ausflüge können nach wie vor verglichen werden. Um die Teamfähigkeit und gegenseitige Akzeptanz von Zwillingen zu verbessern, die sich in einem steten Wettbewerb befinden, braucht es ein Zusammenspiel von Eltern und Lehrpersonen.
Trotz gleicher Schulklasse Eigenständigkeit der Zwillinge betonen
Vielleicht werden die Kinder in die gleiche Klasse eingeteilt und es gibt keine Möglichkeit, sie zu trennen. Besprechen Sie mit den Lehrpersonen, wie sich trotzdem die Eigenständigkeit der beiden Kinder innerhalb derselben Klasse fördern lässt. Beispielsweise indem sie neben anderen Kindern sitzen und bei Gruppenarbeiten nicht automatisch zusammenarbeiten. Optisch lassen sich Unterschiede ebenfalls betonen. Zwillinge, die nicht gleich angezogen sind, werden von aussen weniger als Einheit wahrgenommen. Wichtig sind auch Rückzugsmöglichkeiten zu Hause. Falls es die Platzverhältnisse zulassen und es die Kinder sich wünschen, bekommt jedes Kind ein eigenes Zimmer.
Die Ansicht, dass eine Trennung sich positiv auf die kognitive und soziale Entwicklung von Zwillingen auswirkt, ist wissenschaftlich veraltet. Lassen Sie Ihre Kinder mitbestimmen und treffen Sie Entscheidungen zum Wohl Ihrer Kinder gemeinsam.