Vier Jahre und sechs Monate
Was für Spielzeug braucht ein Kind? Welche Kriterien helfen beim Spielzeugkauf?
Der wichtigste Anhaltspunkt ist und bleibt Ihr Kind. Was beschäftigt es im Moment am meisten, was spielt es am liebsten, wo liegen seine Stärken und Schwächen? Bewerten Sie Ihre Spielwahl auch stets aus der Geschlechterperspektive. Versuchen Sie keine Rollenklischees zu zementieren und stellen Sie Ihrem Sohn, Ihrer Tochter ein ausgewogenes Angebot zur Verfügung.
Jedes Kind braucht eigenes Spielzeug, zum Beispiel:
Achten Sie darauf, dass das Spielzeug stabil ist und nicht gleich beim ersten Spiel kaputtgeht. Wenn es doch einmal ein billiges «Fertig-Spielzeug» braucht, so seien Sie dann nicht böse, wenn Ihr Kind das neu gekaufte Plastikauto in seine Bestandteile zerlegt. Das hat nichts damit zu tun, dass Ihr Kind zerstörerisch ist, sondern zeigt sein Interesse, Sachen auseinanderzunehmen und zu erforschen, wie sie zusammengesetzt sind. Statt Ihrer Schimpfkünste sind dann Ihr Verständnis und Ihr handwerkliches Geschick gefragt!
Das Spielzeug sollte auch dem Entwicklungsstand Ihres Kindes entsprechen. Mechanische Baukästen, Konstruktionsspiele oder Regelspiele, für die es viel Ausdauer und Geschicklichkeit braucht, können Kinder in diesem Alter noch überfordern und führen somit zum Spielfrust statt zur Spiellust. Je vielseitiger ein Spielzeug einsetzbar ist, desto brauchbarer, interessanter und langlebiger ist es.
Spielsachen sollen Raum für die Entfaltung der kindlichen Fantasie geben. So ist zum Beispiel ein Bausatz mit vielen kombinierbaren, beweglichen Teilen viel anregender als einer, der nur eine einzige Konstruktionsform zulässt.
Versuchen Sie, sich beim Einkaufsbummel durchs Spielzeugparadies nicht von den cleveren Strategien der Werbefachleute überlisten zu lassen. Das neuste und hippste Spielzeug muss nicht das richtige für Ihr Kind sein.
Überall wird immer wieder erwähnt, dass die Zeit der typischen Jungen-beziehungsweise Mädchenspielsachen vorbei sei. So finden sich in Mädchenzimmern heute auch Autos und Legos, in Jungenzimmern Puppen und Puppenwagen. Trotz allen Bemühungen berichten viele Eltern, dass ihre Tochter halt doch lieber mit Puppen und dem Verkaufsladen spielt, ihr Sohn eindeutig die Eisenbahn bevorzugt.
Das liegt daran, dass sich Kinder in diesem Alter bewusst mit ihrem Männlich- beziehungsweise Weiblichsein auseinanderzusetzen beginnen und sich gegenüber dem anderen Geschlecht abgrenzen. So ahmen sie im Spiel mütterliche oder väterliche Verhaltensweisen nach. Es gibt noch viele weitere Einflüsse, die das Rollenverhalten prägen (zum Beispiel Medien, Nachbarsfamilien, Spielwarengeschäfte). Wenn Kinder eine Vielfalt an Verhaltensmöglichkeiten vorgelebt bekommen, reagieren sie offener und weniger fixiert auf vermeintlich männliche und weibliche Rollenmuster.
Kinder lernen viel von uns Erwachsenen, sie «spielen» uns nach, übernehmen unsere Haltung, entwickeln später daraus ihre eigenen Lebens- und Wertvorstellungen. Daher können Sie als Eltern in der Erziehung Weichen stellen, indem Sie Vorbild sind und beiden Geschlechtern gleichermassen Selbstbewusstsein, Stärke, Schwäche und Eigenständigkeit zugestehen. Bezogen auf die Spielzeugauswahl heisst das, dass man sich gegenüber dem angebotenen «rollentypischen» Spielzeug kritisch zeigt.
Kinder können grenzenlos in ihren Wünschen sein. Da es uns Erwachsenen häufig schwerfällt, ihnen einen Wunsch abzuschlagen, haben sie oft zu viel Spielmaterial. In der Überfülle verlieren sie die Beziehung zum einzelnen Spielzeug, denn wie soll man zum Beispiel zu jedem der zwanzig Plüschtiere eine enge Freundschaft aufbauen können?
Wenn Gotte oder Götti nach einer Geschenkidee fragen, wäre «Zeit schenken» (zum Beispiel in Form eines Zoobesuches) vielleicht viel wertvoller als ein weiteres Spielzeug.
Es ist wichtig, Kindern zu erklären, dass man nicht alles haben kann. Verzichten gehört zum Leben und will gelernt sein. Wenn man ein Bedürfnis hat, das nicht unmittelbar befriedigt wird, dann entstehen Kreativität, Fantasie und schöpferische Kraft.
Kinder haben viele Wünsche, oftmals sind sie aber zu zahlreich oder nur von begrenzter Dauer. Ludotheken präsentieren ein riesiges Angebot an Spielen und Spielgeräten für drinnen und draussen zum Ausleihen. So können immer wieder neue Spiele entdeckt und ausprobiert werden, ohne dass gleich alles selber gekauft werden muss. Dasselbe gilt auch für Bibliotheken, die eine grosse Auswahl an Kinderbüchern, Filmen, CDs und Toni-Figuren anbieten.
Nicht zu vergessen ist auch, dass sich Kinder gegenseitig Spielsachen ausleihen können und dass auch Spielbörsen eine Fundgrube für preiswerte Spielsachen sind.
Manchmal weiss selbst ein Kind nicht, was es spielen soll. Bestimmt fällt es Ihnen dann schwer, die Lustlosigkeit Ihres Kindes zu ertragen. Langeweile ist aber kein Grund zur Besorgnis, sie schafft Energie und Ideen für Neues. Wenn Ihr Kind erfahren konnte, mit der Leere umzugehen und aus eigener Kraft ins Spiel zurückzufinden, wird sein Selbstvertrauen wachsen. Unterbreitet man den Kindern immer neue Angebote und Spielvorschläge, so nimmt man ihnen diese Erfahrung.
Wird aus der Langeweile eine Dauerlangeweile, so lohnt es sich, der Ursache auf den Grund zu gehen. Ist Ihr Kind mit seinem Spielangebot vielleicht über- oder unterfordert? Ist das Spielmaterial zu einseitig? Hat Ihr Kind zu wenig Zeit, um sich ins Spiel zu vertiefen, oder wird es immer wieder gestört? Finden Sie keine Antwort auf Ihre Fragen und beobachten, dass sich eine Spielhemmung oder ein auffälliges Spielverhalten verstärkt, so zögern Sie nicht, die Hilfe des Kinderarztes, der Kinderärztin oder einer Kleinkindberatung in Anspruch zu nehmen.
Zu viele Spielsachen können ebenso Langeweile hervorrufen. Wer aus einem riesigen, unüberschaubaren Angebot wählen muss, hat oft Mühe, eine Entscheidung zu treffen und sich auf ein Spiel einzulassen. Von Zeit zu Zeit lohnt es sich, gemeinsam eine Kinderzimmer-Aufräumaktion zu starten. Vielleicht wandern bei dieser Gelegenheit ein paar Spielsachen in den Keller und werden zu einem späteren Zeitpunkt wieder ins Spielsortiment Ihres Kindes aufgenommen. So gewinnen alte Spielsachen an neuer Attraktivität.