Sind Sie öfters gereizt oder wütend, dann werden vermutlich persönliche Grenzen überschritten und wichtige Erwartungen nicht erfüllt, die Sie an sich selbst oder an andere stellen. Reagieren Sie zum Beispiel bei der unschuldigsten Frage oder dem bestgemeinten Tipp ungehalten?
Entlastungsmöglichkeiten suchen
Wenn Sie sich selber dabei ertappen, dass Sie jemandem eine – wie es scheint – unverhältnismässig heftige Antwort geben, dann überlegen Sie sich, was für Sie nicht stimmt. Wieso sind Sie wütend? Wut setzt Energie frei und hilft Ihnen, sich für sich selbst einzusetzen.
Nutzen Sie diese Energie und denken Sie darüber nach, was Sie verändern könnten. Vielleicht brauchen Sie mal etwas Zeit für sich. Suchen Sie zum Beispiel Entlastungsmöglichkeiten. Fragen Sie die Grosseltern des Kindes, den Paten oder eine Nachbarin, ob sie das Kind und seine Bedürfnisse kennenlernen möchten und gelegentlich oder auch regelmässig hüten würden.
Wenn der Stress zu viel wird
Das Baby sollte gebadet, die Wäsche gewaschen und möglichst noch vor dem Abend die Versicherung angerufen werden. Aber manchmal schafft man nicht alles; es sind zu viele Aufgaben, um diese alleine zu meistern. Stress bringt oft Beschwerden mit sich, wie Kopfschmerzen oder Verdauungsprobleme, man reagiert gereizt oder ist nicht mehr konzentriert.
Manchmal kann es schwierig sein, mit den eigenen belastenden Emotionen umzugehen. Probieren Sie, Abstand zu gewinnen, atmen Sie tief durch und nehmen Sie sich eine Auszeit. Versuchen Sie, bewusst Gedankengänge zu unterbrechen, wenn diese bei Ihnen unangenehme Gefühle auslösen. Sich mitzuteilen kann ebenfalls hilfreich sein: Schreiben Sie Ihre Gefühle und Gedanken auf oder sprechen Sie mit anderen Eltern darüber.
Sie sind mit Ihren Gefühlen nicht allein
Sie werden feststellen, dass es auch bei anderen Müttern und Vätern emotional turbulent zu- und hergeht. Wichtig ist, dass Sie mit sich selber nachsichtig sind. Der Übergang zur Elternschaft ist eine sehr anspruchsvolle Zeit. Es ist absolut in Ordnung und normal, sich trotz des freudigen Ereignisses auch gelegentlich traurig, erschöpft, wütend oder frustriert zu fühlen.
Tipps, um Stress abzubauen
Wenn Sie feststellen, dass Sie häufig oder dauernd gestresst sind, können folgende Tipps helfen:
- Gerade zu Beginn der Elternschaft ist es wichtig, eigene Ansprüche im Haushalt zu reduzieren. Es muss nicht alles perfekt aufgeräumt und geputzt sein. Lassen Sie auch einmal etwas liegen und nutzen Sie die Zeit, wenn Ihr Baby schläft, für eine Pause.
- Stresst Sie der Haushalt, dann suchen Sie jemanden, der für Sie putzt oder die Wäsche erledigt. Sich Entlastung zu gönnen, ist eine Investition, die sich lohnt. Für kürzere Zeit kann Hilfe allenfalls kostengünstig über Familie und Freunde organisiert werden.
- Holen Sie sich allgemein Unterstützung. Auch wenn es Ihnen schwerfällt, bitten Sie Ihr Umfeld, Ihnen zu helfen. Vielleicht kann Ihnen jemand ein Nachtessen vorbeibringen? Vielleicht hält Ihnen ein Arbeitskollege, eine Arbeitskollegin den Rücken frei, wenn Sie sehr müde und erschöpft sind?
- Sind Sie neu in der Schweiz oder haben Sie den Wohnort vor kurzem gewechselt? Sind Ihre Verwandten oder Freunde nicht in der Nähe? Erhalten Sie wenig Unterstützung, dann erkundigen Sie sich bei der Mütter- und Väterberatung nach öffentlichen Entlastungsmöglichkeiten in Ihrer Umgebung. Prüfen Sie auch, ob das Angebot des Schweizerischen Roten Kreuzes Ihnen entspricht.
- Strengt es Sie an, die Einkäufe zu erledigen, dann kaufen Sie online ein und lassen Sie die Ware direkt vor die Haustür liefern.
- Machen Sie gemütliche Spaziergänge. Bewegung entspannt und die frische Luft tut Ihnen und dem Baby gut.
- Planen Sie bewusst mehrere Pausen am Tag für sich ein, auch wenn es jeweils nur fünf Minuten sind. Nehmen Sie sich Zeit für einen Tee oder eine kurze Entspannungsübung. Das gilt sowohl bei der Arbeit als auch zu Hause.
- Erlernen Sie eine Entspannungsmethode wie Progressive Muskelrelaxation, Autogenes Training oder beginnen Sie zu meditieren. Es gibt gute Kurse, Bücher, Apps oder Filme im Internet.
- Soziale Medien sind eine gute Möglichkeit, um Kontakt zur Aussenwelt zu pflegen. Gleichzeitig können Sie aber auch ablenken und stressen, vor allem wenn Sie das Gefühl haben, ständig erreichbar sein zu müssen. Lassen Sie sich ausserdem nicht blenden, weil in sozialen Medien eine vermeintlich perfekte Welt dargestellt wird. Denken Sie nicht, dass die gezeigte Wohnung immer so aufgeräumt ist, das Baby, das in die Kamera lächelt, stets so frisch gewaschen und gutgelaunt ist und die Mutter am Morgen geschminkt und frisiert erwacht. Bleiben Sie sich selbst treu und gönnen Sie sich handyfreie Zeiten ohne Instagram Storys und vielzähligen Anrufen oder Textnachrichten.
- Geniessen Sie den Augenblick. Nicht mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen entschleunigt. Seien Sie immer wieder ganz bei Ihrem Kind, bei Ihrer Tätigkeit zu Hause oder bei Ihrer Aufgabe am Arbeitsplatz. Gerade kleine Kinder sind dafür ein gutes Vorbild – sie leben völlig für den Augenblick!