Eltern werden
Für Eltern ist die Zeit mit einem Neugeboren auf allen Ebenen intensiv. Neben all der Aufregung und Aufmerksamkeit für das Baby ist es deshalb gerade jetzt besonders wichtig, auf eigene Bedürfnisse zu achten, um keine Postpartale Depression zu entwickeln.
Es wird Ihnen guttun, in Ruhe ein feines Mittagessen zu geniessen, ausgiebig zu spazieren oder bei einem ungezwungenen Plauderstündchen mit Kaffee und Kuchen auszuspannen. Kleine Annehmlichkeiten helfen, sich glücklicher zu fühlen und wirken sich positiv auf die Beziehung zu Ihrem Kind aus. Ganz nach dem Motto: Zufriedene Eltern – zufriedenes Baby.
Verständlicherweise ist es nicht immer einfach, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und ihnen nachzukommen. Es erfordert manchmal beachtliches organisatorisches Talent. Machen Sie sich die Mühe, beugen Sie Stress frühzeitig vor und sorgen Sie Ihrer Gesundheit zuliebe rechtzeitig für Entlastung. Dazu gehört, gut auf sich zu hören und sich einzugestehen, wenn etwas nicht mehr stimmt.
Bis zu einem Drittel aller Frauen erleben eine depressive Verstimmung während der Schwangerschaft und eine Mehrzahl berichtet über ein vorübergehendes Stimmungstief unmittelbar nach der Geburt. Diese «Heultage» sind auch bekannt als «Babyblues» und gehen meist nach spätestens zwei Wochen von selbst wieder vorbei.
Es kann jedoch vorkommen, dass diese Verstimmung nicht vorbeigeht oder irgendwann innerhalb des ersten Jahres nach der Geburt depressive Phasen auftreten und sich eine sogenannte Postpartale Depression entwickelt (auch bekannt als Wochenbettdepression oder Postnatale Depression).
Die Ursachen einer Postpartalen Depression sind vielfältig. Es gibt verschiedene körperliche Faktoren, die diese beeinflussen können, wie beispielsweise hormonelle Veränderungen, Schlafmangel, genetische Einflüsse oder unausgewogene Ernährung.
Ebenso haben Identitätskrisen, unrealistische oder überhöhte Erwartungen an die Elternrolle, Neigung zu extremer Besorgnis oder vorausgegangene Lebenskrisen, Schicksalsschläge und psychische Erkrankungen Einfluss auf eine solche Depression. Oft trägt auch das Gefühl dazu bei, kaum noch selbstbestimmt zu leben, weil man durch den Rhythmus des Babys sehr eingeschränkt wird.
Es gibt zudem Ursachen, die geburtsbedingt sind, wie etwa Schwangerschaftskomplikationen oder eine traumatische Geburt, ein krankes Kind oder Schwierigkeiten beim Stillen. Letztendlich können auch soziale und gesellschaftliche Faktoren bei einer Postpartalen Depression mitwirken.
Möglicherweise verschlechtert sich das Befinden durch fehlende oder ungenügende Unterstützung oder wenn die Mutter sich zu wenig schont – zum Beispiel, wenn zu früh zu viele Aufgaben übernommen werden. Partnerschaftskonflikte, finanzielle Sorgen, fehlende soziale Kontakte oder eine kinderfeindliche Umgebung beeinflussen den Gemütszustand zusätzlich.
Männer können in dieser Zeit ebenfalls von depressiven Verstimmungen betroffen sein. Bis zu einem Viertel aller Väter mit Kleinkindern leidet unter leichten bis erheblichen Stresssymptomen. Die möglichen Ursachen sind ähnlich wie bei den Frauen – bis auf ein paar Ausnahmen, wie beispielsweise die hormonellen Veränderungen, die eine Schwangerschaft mit sich bringt.
Wenn die Partnerin, der Partner an einer Postpartalen Depression erkrankt, dann spüren beide die Belastung. Die Gefahr, selbst von einem depressiven Stimmungstief übermannt zu werden, ist dann besonders hoch.
Eltern mit einer Postpartalen Depression leiden oftmals unter geringem Selbstvertrauen. Sie glauben, Probleme nicht meistern zu können und reagieren auf Schwierigkeiten häufiger mit Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen. Die Energie für die Betreuung – und später für die Erziehung des Kindes – fehlt. Diese Schwierigkeiten können sich auf die Beziehung zur Tochter, zum Sohn auswirken.
Allenfalls fällt es schwer, eine Bindung zum Baby aufzubauen oder – manchmal kann es sich genau umgekehrt verhalten – sich auch mal vom Kind zu trennen. Die Partnerschaft und andere soziale Beziehungen sind ebenfalls beeinträchtigt, wenn sich Betroffene wegen Überforderung, Selbstabwertung, Scham- oder Schuldgefühlen zurückziehen.
Die Belastung darf keinesfalls so unerträglich werden, dass sie nicht mehr auszuhalten ist und im Extremfall gar mit dem Gedanken gespielt wird, das eigene Leben oder das des Kindes zu beenden. Um unnötiges Leiden zu verhindern, sollte man deshalb versuchen, eine Postpartale Depression frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Wenn Sie sich Sorgen machen, hilft der Fragebogen zur Postpartalen Depression, um herauszufinden, ob Sie allenfalls davon betroffen sind. Eine erste Anwendung empfiehlt sich sechs bis acht Wochen nach der Geburt.
Kontaktadressen zur professionellen Unterstützung finden Sie beim Verein Postpartale Depression Schweiz, oder wenden Sie sich an den Verein Arche Für Familien, welcher psychologische Beratung telefonisch oder im persönlichen Gespräch anbietet. Ausserdem kann Ihnen auch Ihre vertraute Fachperson wie Ihr Arzt, Ihre Ärztin, Ihre Hebamme oder die Mütter- und Väterberatung weiterhelfen.