1. Monat
Ob Stillen oder Schöppeln, beides ist viel mehr als blosse Nahrungsaufnahme. Die Nähe Ihres Körpers und die Wärme Ihrer Haut verschaffen Ihrem Kind Wohlbehagen und Geborgenheit.
Stillen oder Schöppeln ist eine ganz persönliche Entscheidung, die von der eigenen Einstellung und den Lebensumständen abhängt. Wichtig ist, dass Sie sich für die Variante entscheiden, die Ihnen und Ihrem Kind behagt. Körperwärme, Zärtlichkeit und Nähe können Sie Ihrem Kind beim Schöppeln genauso wie beim Stillen schenken.
Stillen und Schöppeln lassen sich auch miteinander verbinden. Wenn es Ihnen zum Beispiel Mühe macht, dem Kind in aller Öffentlichkeit die Brust zu geben, oder wenn Sie gerade nach dem Mutterschaftsurlaub wieder berufstätig sind, können Sie die Muttermilch auch abpumpen, sodass Ihr Baby die Muttermilch aus der Flasche trinken kann. Lassen Sie sich dazu von Ihrer Still- oder Mütterberaterin beraten.
Muttermilch ist für das Neugeborene das bekömmlichste Nahrungsmittel. Neben allen nötigen Nährstoffen nimmt das Baby mit der Muttermilch auch wichtige Schutzstoffe gegen Krankheitskeime auf. Stillen ist zudem praktisch. Die Muttermilch steht immer und überall sauber, warm und in der richtigen Zusammensetzung zur Verfügung.
Durch das Stillen bildet sich die Gebärmutter schneller zurück. Die Stillhormone erhöhen den Kalorienverbrauch und die Rückbildung des Körpers wird unterstützt.
Suchen Sie sich einen Platz zum Stillen, der Ihnen und Ihrem Kind am besten entspricht: auf dem Sofa, einem bequemen Sessel, dem Bett oder in der freien Natur. Nehmen Sie sich Zeit und geniessen Sie die Ruhe und innige Nähe zu Ihrem Baby. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn das Stillen nicht sofort klappt oder schmerzhaft ist. Auch Stillenlernen braucht Zeit.
Falls Sie sich nicht wohl dabei fühlen, wenn fremde Leute Ihre Brust sehen, dann können Sie sich auswärts oder wenn Sie Besuch haben mit einem Stilltuch bedecken. Dieses lässt Ihnen den Blick auf das Baby, verdeckt aber die Sicht von aussen her. Oder suchen Sie sich unterwegs einen Stillort: Das ist mal eine Stillecke, mal ein eigens dafür vorgesehener Raum, aber immer ein Ort, wo stillende Mütter und ihre Kinder willkommen sind. Anhand der App «mamamap» sehen Sie auf einen Blick, welche Stillorte es in Ihrer Nähe gibt.
Schmerzt die Brust? Will oder kann das Kind nicht trinken? Haben Sie wenig Milch? Mütter- oder Stillberaterinnen, Hebammen, Kinderärztinnen, Kinderärzte helfen Ihnen gerne weiter. Wichtig ist, dass Sie nicht zuwarten, sondern sofort Hilfe suchen, wenn Sie Probleme mit dem Stillen haben. Viele Frauen leiden anfangs unter wunden Brustwarzen. Meistens liegt das daran, dass das Kind falsch an die Brust angelegt wird. Besprechen Sie dieses Problem umgehend mit einer Fachperson. Sie kann Ihnen helfen, die Ursache herauszufinden, und Tipps zur Abhilfe geben.
Zur Vorbeugung oder Behandlung wunder Brustwarzen hilft es, wenn Sie nach dem Stillen einige Tropfen Muttermilch auf die Warzen auftragen und an der Luft trocknen lassen. Danach kann man ein wenig reines Wollfett auftragen (in der Drogerie erhältlich). Anschliessende Luft- und kurze Sonnenbäder helfen mit, die Brustwarzen möglichst trocken zu halten.
Wenn Sie stillen, ist es besonders wichtig, sich gesund zu ernähren und ausreichend zu trinken. Für die Milchbildung ist nämlich die Menge der getrunkenen Flüssigkeit und der aufgenommenen Kalorien massgebend. Das ist jedoch oft einfacher gesagt als getan, denn häufig kommt man als gestresste Mutter kaum noch dazu, in Ruhe zu essen. Stress beeinflusst auch das Appetit- und Durstempfinden. Es ist daher sehr wichtig, dass Sie nicht nur an das Wohlbefinden Ihres Kindes denken, sondern auch an sich! Achten Sie auf eine ausreichende, ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung und trinken Sie viel, über den ganzen Tag verteilt.
Am besten stellen Sie an Ihrem Stillplatz einen Krug oder eine Flasche mit einem geeigneten Getränk bereit; dies kann Wasser, Lindenblüten- und Kräutertee oder Getreide-/Malzkaffee sein (allerdings besser kein Pfefferminz- oder Salbeitee, diese könnten erfahrungsgemäss abstillend wirken, auch wenn dies wissenschaftlich nicht erwiesen ist). Sorgen Sie beim Teetrinken für Abwechslung, trinken Sie nicht literweise vom gleichen Tee.
Ihre Essgewohnheiten haben auch Einfluss auf den Geschmack der Muttermilch und selten sogar auf das Wohlbefinden des Kindes. Grundsätzlich verträgt Ihr Kind das, was auch Sie während der Schwangerschaft gut vertragen haben. Manchmal kommt es jedoch vor, dass gewisse Nahrungsmittel bei Ihrem Baby – vor allem in den ersten drei Monaten – Blähungen und Bauchschmerzen verursachen, zum Beispiel Kohlgemüse, Zwiebeln, rohes Steinobst und eventuell auch kohlensäurehaltige Getränke. Wenn Sie feststellen, dass Ihr Kind jedes Mal mit Blähungen und Unwohlsein reagiert, nachdem Sie etwas Bestimmtes gegessen haben, dann lassen Sie dieses Nahrungsmittel eine Zeit lang weg.
Da die Muttermilch nach dem schmeckt, was Sie gegessen haben, bereitet es Ihr Kind bereits auf sein späteres Mitessen am Familientisch vor. Manche Lebensmittel, wie zum Beispiel Spargeln oder Knoblauch, könnten jedoch den Geschmack der Muttermilch oder der Haut so verändern, dass Ihr Baby die Brust ablehnt. Sie müssen deshalb nicht vorsätzlich auf diese Nahrungsmittel verzichten, sondern diese nur dann für eine Weile aus dem Menüplan streichen, wenn Ihr Kind tatsächlich darauf reagiert.
Anders verhält es sich mit Genussmitteln: Wie schon während der Schwangerschaft ist es auch während der Stillzeit nötig, den Konsum von Genussmitteln einzuschränken oder ganz darauf zu verzichten. Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Schwarztee oder Cola sollten während der Stillzeit am besten mit Mass getrunken werden, das heisst eine bis zwei Tassen pro Tag.
Alkohol geht in die Muttermilch über und deshalb sollten stillende Mütter alkoholische Getränke generell meiden. Ausnahmsweise können Sie aber ein kleines Glas Wein, Bier oder Sekt geniessen. Stillen Sie in dem Fall kurz vorher und warten Sie danach mindestens zwei Stunden bis zur nächsten Stillmahlzeit. Auf Zigaretten oder Drogen sollten Sie ganz verzichten und Medikamente dürfen nur auf ärztliche Verordnung eingenommen werden.
Weitere Angaben zu Ihrer Ernährung finden Sie in der Broschüre «Ernährung rund um Schwangerschaft und Stillzeit».
Wie lange Sie stillen, hängt von Ihrer Lebenssituation und Ihrer persönlichen Einstellung ab. Die meisten Kinder brauchen bis zum siebten Monat nichts anderes als Muttermilch. Es wird empfohlen, vier bis sechs Monate ausschliesslich zu stillen und anschliessend unter Einführung von Beikost weiterzustillen, solange Sie und Ihr Kind dies möchten.
Entgegen einer weitverbreiteten Meinung können auch stillende Mütter schwanger werden. Es empfiehlt sich deshalb, frühzeitig an Empfängnisverhütung zu denken. Spezielle Beratungsstellen für Familienplanung oder Ihre Ärztin, Ihr Arzt können Sie beraten.
Auch Kinder, die ihre Nahrung mit dem Schoppen bekommen, gedeihen mit den heutigen Milchersatzprodukten gut. Ein grosses Angebot an Milchpräparaten, die alle auf die Ernährungsbedürfnisse von Säuglingen verschiedener Altersstufen abgestimmt sind, steht zur Auswahl. Haben Sie sich für ein bestimmtes Produkt entschieden, das Ihr Kind gut verträgt, lohnt es sich, nach Möglichkeit dabeizubleiben. Wir Erwachsenen mögen Abwechslung auf unserem Speisezettel, bei Säuglingen ist dies anders. Das Verabreichen verschiedener Produkte nebeneinander oder häufiger Wechsel von einem Produkt zum anderen kann sogar zu Verdauungsstörungen führen.
Auch wenn in Ihrer Familie ein erhöhtes Allergierisiko (Hautausschläge, Asthma, Heuschnupfen) besteht, können Sie Ihren Säugling normal stillen oder ihm vom ersten Schoppen an die übliche Säuglingsmilch verabreichen. Eine hypoallergene Säuglingsmilch ist nicht notwendig. Falls Sie unsicher sind und Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Kinderarzt, Ihre Kinderärztin oder Ihre Mütter- und Väterberaterin.
Eine Flaschenmahlzeit darf 10 bis 30 Minuten dauern. Nebst dem Hungergefühl soll auch das Saugbedürfnis gestillt werden. Beobachten Sie Ihr Kind, ob es ruhig und lustvoll trinkt, und nehmen Sie sich Zeit beim Schöppeln. Die Sauger haben die richtige Lochgrösse, wenn die Schoppenflüssigkeit bei umgekehrter Flasche Tropfen für Tropfen heraustropft.
Ein zu grosses Saugloch kann zu Verschlucken und Speien führen oder verursacht, dass Ihr Kind beim Trinken zu viel Luft schluckt. Aus dem gleichen Grund sollten Sie den Schoppen immer genügend kippen, damit der Sauger ganz mit Milch gefüllt ist. Sollten bei der Ernährung mit dem Schoppen Probleme auftreten, so wenden Sie sich an die Mütter- und Väterberatung.
Waschen Sie die Flasche und den Sauger nach jeder Mahlzeit gründlich aus. Auskochen oder Sterilisieren ist nicht nötig. Wenn Sie von Hand abwaschen, spülen Sie die Flasche und den Sauger zuerst mit kaltem Wasser aus. Anschliessend mit einer sauberen Flaschenbürste, heissem Wasser und etwas Geschirrspülmittel reinigen.
Im Geschirrspüler können Sie die Flasche und den Sauger bei einer Temperatur von 65°C waschen. Um allfällige Rückstände des Glanzmittels zu entfernen, mit Wasser nachspülen. Bewahren Sie Flasche und Sauger trocken auf.
Stellen Sie vorbereitete Schoppenmahlzeiten bis zum Gebrauch in den Kühlschrank (höchstens für 24 Stunden). Säuglingsnahrung, die mehrere Stunden bei Zimmertemperatur herumstand, darf nicht mehr verwendet werden. Milchreste sind ein idealer Nährboden für Bakterien und deshalb leicht verderblich. Auch im Kühlschrank ist Schoppennahrung nur einen Tag haltbar!
Muttermilch sollte nie in der Mikrowelle erhitzt werden, da dadurch wichtige Inhaltsstoffe verloren gehen. Erwärmen Sie die Muttermilch immer im Wasserbad.
Wenn Sie Schoppenmahlzeiten im Mikrowellenherd erhitzen, sollten Sie dazu ausschliesslich Glasflaschen verwenden. Achten Sie darauf, dass die Milch nicht zu heiss ist. Die Flasche kann sich zwar nur lauwarm anfühlen, der Inhalt aber noch zu heiss sein. Die erwärmte Flasche sollte daher immer sorgfältig geschüttelt und die Milchtemperatur an der Innenseite des Handgelenkes getestet werden.
Lassen Sie die warme Schoppenmahlzeit nicht länger als eine halbe Stunde im Wärmebehälter. Nehmen Sie für unterwegs kaltes und abgekochtes warmes Wasser sowie Schoppenpulver separat mit. So können Sie jederzeit die richtige Trinktemperatur mischen.
Nehmen Sie sich viel Zeit für die Mahlzeiten und versuchen Sie die Kinder langsam an einen Rhythmus zu gewöhnen. Zu Beginn ist dies jedoch sehr anspruchsvoll. Wenn Sie alleine mit den Babys sind, füttern Sie eines nach dem anderen. Werden Sie vom anderen Elternteil oder einer anderen Person unterstützt, können beide Kinder gleichzeitig geschöppelt werden.
Sobald sich das Stillen oder Schöppeln eingependelt hat, Sie sich sicher fühlen und das Trinkverhalten Ihrer Kinder kennen, können Sie versuchen, beide gleichzeitig zu füttern. Wenn die Still- oder Schoppenmahlzeiten ausgedehnt sind und Sie die Kinder zeitversetzt füttern, bleibt womöglich Tag und Nacht kaum Zeit, etwas anderes zu tun. Falls es möglich ist, einige Aufgaben abzugeben, bleibt mehr Zeit für die Pflege Ihrer Kinder und Sie können sich zwischendurch etwas Ruhe gönnen. Wichtig ist, eine Lösung zu finden, die für die ganze Familie passt.
Möchten Sie beide Kinder voll stillen, benötigen Sie anfangs viel Zeit. Lassen Sie sich von einer Hebamme oder einer Stillberaterin mit Zwillingserfahrung die verschiedenen Stillpositionen zeigen und klären Sie auch weitere Fragen zum Stillen. Die Kinder können nacheinander oder gleichzeitig gestillt werden. Für das gleichzeitige Stillen, das sogenannte Tandemstillen, benötigen Sie anfänglich etwas Übung. Es gibt spezielle Zwillingsstillkissen, doch Sie können auch ein herkömmliches grosses Stillkissen verwenden.
Sobald die Kinder älter sind und mehr Trinkfertigkeit besitzen, wird es einfacher. Trinken die Kinder schnell, können sie gut nacheinander gestillt werden. Wählen Sie einen ruhigen und bequemen Platz aus. Legen Sie das Kind, das noch nicht oder nicht mehr trinkt, neben sich. Kuscheln Sie es beispielsweise in ein zweites Stillkissen und lagern Sie es leicht hoch, falls es aufstossen muss.
Reicht die Milch nicht für beide Kinder, können Sie bei einer Mahlzeit ein Kind stillen und dem anderen einen Schoppen verabreichen und bei der nächsten Mahlzeit machen Sie es andersrum. Oder Sie pumpen ab und verteilen die Milch nachher auf beide Kinder. Wenn Sie Muttermilch und Pulvermilch verabreichen, sollten Sie diese nicht in einer Flasche zusammenmischen. Auch Kombinationen sind möglich. Das heisst beispielsweise, tagsüber stillen und nachts schöppeln. So können verschiedene Personen mithelfen. Bei Zwillingen kommt es vor, dass ein Kind besser an der Brust trinkt und das andere die Flasche bevorzugt.
Auf zwei leicht hochgelagerten Stillkissen können Sie beide Kinder gleichzeitig schöppeln. Oder jeder Elternteil konzentriert sich auf ein Kind und geniesset diese innigen Momente. Ob beide Kinder miteinander oder nach Bedarf gefüttert werden, hängt davon ab, wie rasch und problemlos sie trinken.
Vor allem nachts ist ein gemeinsamer Rhythmus hilfreich. Wenn sich das erste Kind zum Trinken meldet, kann das zweite ebenfalls geweckt werden und mittrinken. Oftmals ist wecken weniger störend, als wenn das Baby mit grossem Hunger aufwacht und zuerst schreien muss, bevor es gefüttert wird. Grundsätzlich gilt: Je weniger wach das Kind ist, umso leichter schläft es wieder ein. Beim Schöppeln können sich die Eltern abwechseln und in Schichten schlafen. Auf diese Weise kommen beide zu etwas mehr Schlaf.