Zwei Jahre
Kinder helfen gerne mit und sind stolz, wenn sie die gleiche Arbeit wie die Grossen verrichten dürfen. Durch eigene Erfahrungen lernen Kinder am meisten.
Bestimmt zeigt Ihr Sohn, Ihre Tochter grosses Interesse an den alltäglichen Haushaltarbeiten. Beziehen Sie ihn oder sie, wann immer möglich, in die Alltagstätigkeiten mit ein. Mit Freude und Eifer wird Ihr Kind Ihnen helfen, das Geschirr abzutrocknen, die Möbel abzustauben oder den Tisch zu putzen. Indem Sie ihm Verantwortung übertragen, die seinem Alter angemessen ist, zeigen Sie ihm, dass Sie es als Partnerin oder als Partner schätzen und ernst nehmen.
Der Haushalt ist ein wertvolles Lern- und Erfahrungsfeld. Ein- und Ausräumen ist nach wie vor ein beliebtes Spiel. Im jetzigen Alter sind Kinder vor allem fasziniert davon, Gleiches zusammenzufügen. Da werden zum Beispiel Schuhpaare oder Besteck sorgfältig sortiert. Tisch decken oder den Geschirrspüler ausräumen eignen sich perfekt als Übungsfeld. Freuen Sie sich über das rege Interesse an Haushaltarbeit und der ausgeprägten Ordnungslust Ihres Kindes. Es werden nämlich Phasen kommen, wo mithelfen sehr unpopulär ist und aufräumen alles andere als Spass macht!
Auch vor gefährlichen Aktivitäten macht das Interesse Ihres Kindes nicht Halt. Ob Sie Gemüse mit einem scharfen Messer rüsten oder ein Papier mit der Schere zerschneiden, Ihr Kind will mithelfen und es Ihnen gleichtun. Unter Aufsicht gewähren lassen ist sinnvoller als verbieten. Sicher ist es noch zu gefährlich, mit einem neuen, scharfen Messer harte Karotten zu schnetzeln. Ihre «Küchenhilfe» wird aber bestimmt zufrieden sein, wenn sie mit einem stumpfen Messer eine weiche Banane «schneiden» darf.
Wahrscheinlich bangen Sie um Ihr Geschirr, wenn Ihr Kind Ihnen unbedingt beim Ausräumen der Abwaschmaschine helfen will. Vertrauen Sie Ihrem Kind und lassen Sie es immer wieder üben – am Anfang vielleicht nicht gerade mit Ihrem schönsten Geschirr. Überlassen Sie Ihrem kleinen Helfer oder lhrer kleinen Helferin das Sortieren des Bestecks. Vielleicht darf Ihr Kind auch einmal eine Vase mit Blumen in die Stube tragen. Sie werden sehen, wie gewissenhaft und mit wie viel Vorsicht es diese heikle Aufgabe bewältigt. Es gibt Dinge, die man vorsichtig behandeln muss. Das zu lernen, geht nur durch praktisches Üben, verbunden mit kleinen Misserfolgen.
Im selbstständigen Tun lernt Ihr Kind am meisten, vor allem bei ganz alltäglichen Handlungen wie Händewaschen, Essen oder An- und Ausziehen. Lassen Sie es Fehler machen und herausfinden, welche Öffnungen am Pulli für den Kopf und die Arme sind, wie man in die Finken schlüpft. Kinder sind neugierig und haben viel Zeit und Geduld. Ihr Tag ist noch nicht vollgestopft mit tausend Pflichten und Abmachungen. Und sie lernen aus ihren Fehlern, aus kleinen Misserfolgen und grossen Erfolgen.
Achten Sie darauf, dass Sie Ihrem Kind vor allem Lob und Bestätigung für das entgegenbringen, was es gut kann. Das stärkt das Selbstvertrauen und die Selbstständigkeit. Weisen Sie Ihr Kind wiederholt auf seine Schwächen hin, kann dies sein Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Möglicherweise traut es sich dann mit der Zeit immer weniger zu und ist immer mehr auf Ihre Hilfe angewiesen. Bei aller Selbstständigkeit lässt sich Ihr Mädchen oder Ihr Junge immer wieder gerne von Ihnen helfen. Jedes Kind braucht zwischendurch kleine Beweise, dass die Mutter, der Vater für es da ist.
Versucht Ihr Kind schon, sich alleine anzuziehen?
Bei den ersten An- und Ausziehversuchen sind kleine Kinder noch auf die Hilfe von Erwachsenen angewiesen. Zum Beispiel, wenn die Knöpfe zu fest in den Knopflöchern sitzen oder der Reissverschluss klemmt. Hilfe ist jedoch nur so viel und so lange nötig, bis Ihr Sohn oder Ihre Tochter sich selbst weiterzuhelfen weiss und allein weitermachen kann.
Beim Kauf von Kleidungsstücken sind nach Möglichkeit solche vorzuziehen, die einfach zu handhaben sind. Unkomplizierte Kleidung bedeutet eine Erleichterung für das Kind, und auch für Sie!
Beim Anziehen der Unterwäsche oder des Pullovers geraten manchmal Innenseiten nach aussen. Das stört Ihr Kind nicht – stört es Sie?