6. Monat
Ihr Kind weiss nun immer deutlicher, dass es zu Ihnen gehört, und drückt dies auch aus. Sie sind seine Eltern und unterscheiden sich von allen anderen Menschen, mit denen es bisher Bekanntschaft geschlossen hat.
Es freut sich und lacht, wenn es Sie sieht, wenn Sie mit ihm spielen und wenn Sie es umarmen. Es weiss auch, dass von Ihnen Hilfe kommt, wenn es sich nicht wohlfühlt. Aus dieser inneren Sicherheit heraus wagt Ihr Kind nun neue Schritte. Da gibt es doch tatsächlich noch viel mehr als «Mami» und «Papi» – die Neugier auf die Welt wird sichtbarer, das Neue und Unbekannte wird zunehmend interessanter.
Vielleicht protestiert Ihr Sohn oder Ihre Tochter jetzt öfters, wenn Sie ihn oder sie hinlegen möchten, denn es ist viel spannender, auf Ihren Armen, im Tragebeutel oder im Tragetuch beim Haushalten dabei zu sein.
Es kann durchaus sein, dass Ihr Kind auf Ihrem Schoss sitzt und sich mit seiner ganzen Kraft von Ihnen wegstemmt. Wenn Sie es auf seine Spieldecke legen, schreit es lauthals; nehmen Sie es jedoch hoch und legen es in den Kinderwagen, so ist das auch nicht recht. Wo will es hin, was will es sehen, was ergreifen? Das herauszufinden, ist nicht immer einfach.
Oft will Ihr Kind schon mehr, als ihm von seiner Entwicklung her möglich ist. Können Sie sich vorstellen, wie frustrierend das sein kann? Doch keine Sorge, der «Frust» hat durchaus seine guten Seiten, denn er motiviert immer wieder von Neuem zum Ausprobieren und Üben.
Dementsprechend sollten Sie zurückhaltend sein. Eilen Sie Ihrem Kind nicht sofort zu Hilfe, räumen Sie ihm nicht alle Hindernisse aus dem Weg, sondern geben Sie ihm die Möglichkeit und Ihr Zutrauen, selber etwas zu schaffen.
Wir möchten in diesem Zusammenhang noch einen Moment lang Ihre Aufmerksamkeit auf einen Punkt lenken, der Sie immer wieder beschäftigen wird: Ablösung. Ein Thema, das vielleicht ein bisschen wehtut, denn Ablösung bedeutet auch ein Stück weit loslassen und Abschied nehmen.
Im zweiten Halbjahr verändert sich das Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Baby in einem wesentlichen Punkt: Die Körperbeziehung wird weniger intensiv. Ihr Kind beginnt, sich ganz langsam von Ihnen wegzubewegen. Das heisst für Sie als Eltern, seinen Willen, seinen Entdeckungsdrang und seine Neugierde anzunehmen und zuzulassen.
Auch Sie werden dadurch mehr Bewegungsfreiheit für sich selber gewinnen. Natürlich wird Ihr Kind noch lange Ihre Nähe suchen und Ihren Schutz brauchen, denn für seine Entdeckungsreisen ist es wichtig, dass es immer wieder zu seinem sicheren Ausgangsort zurückkehren kann.