Vier Jahre und sechs Monate
Spielen ist für Kinder nicht einfach ein Zeitvertreib, sondern eine wichtige Tätigkeit. Sie sind mit allen Sinnen ins Spiel vertieft.
Kinder spielen auf ganz verschiedene Arten. Mit einem Vers lässt es sich wunderbar mit Worten spielen:
I üsem Hüsli
Beide Hände bilden ein Haus
hetts schrecklich viel Müsli.
Mit dem Finger drohen
Si chribele und chräbele,
Alle Finger zappeln in der Luft
si zibele und zäbele,
Alle Finger zappeln auf den Oberschenkeln oder auf dem Tisch
gön uf d’Tisch,
Mit beiden Händen einen Tisch darstellen
uf d’Stüehl,
Die beiden Hände sind ein Stuhl
uf d’Bänk,
Beide Hände sind eine Bank
i d’Schränk,
Beide Hände zeigen einen Schrank
und wenn mer se wei packe,
Alle zehn Finger schnellen vor und wollen zupacken
springe alli dervo!
Hände verschwinden hinter dem Rücken
Aus «Spielen und Sprechen»
Susanne Stöcklin-Meier, Verlag Pro Juventute
Natürlich wünschen wir Ihnen nicht, dass zehn kleine Mäuse Ihren Haushalt auf den Kopf stellen. Bestimmt macht es Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter Spass, wenn Sie jeden Finger in eine Maus verzaubern und gemeinsam ein Mäuse-Abenteuer erleben. Oder vielleicht verwandelt sich das ganze Kind in eine Maus, die sich unter dem Tisch, im Schrank oder unter dem Stuhl versteckt?
Genauso gern wie die zwirbligen Nagetiere bewegen sich Kinder. Bewegung ist für sie Spiel. Sie erproben spielerisch die eigenen Kräfte, die Geschicklichkeit, das Erleben von Erfolg und Misserfolg. Wenn Kinder spielen, dann setzen sie ganz viel in Bewegung. Mit allen Sinnen, mit den Gefühlen und Gedanken, mit dem ganzen Körper sind sie ins Spiel vertieft und vergessen alles um sich herum, auch die Zeit.
Um die Spielwelt Ihres Kindes besser zu verstehen, lohnt es sich, die eigene Spielfreude (wieder) zu entdecken. Überlegen Sie sich, was und wo Sie als Kind gerne gespielt haben. Erinnern Sie sich noch, wie wichtig das Spiel für Sie war und was Sie brauchten, um zufrieden zu spielen? Waren es Spielsachen, spannende Orte oder tolle Ideen und Gleichgesinnte? Wissen Sie noch, wie es sich anfühlte, mit anderen Kindern zu spielen und ausserhalb der Sichtweite von Erwachsenen zu sein?
Sorgen Sie im Alltag dafür, dass auch bei Ihrem Kind, das freie und unbeaufsichtigte Spiel nicht an Bedeutung verliert. Gönnen Sie Ihrem Kind viel unverplante Zeit. So schaffen Sie die nötigen Freiräume, damit es unbeschwert spielen und sich entfalten kann. Für Kinder ist Spielen kein Zeitvertreib, sondern eine wichtige Tätigkeit. Erst in der Erwachsenenwelt werden Spiel und Arbeit zu Gegensätzen. Unsere Gesellschaft sollte das Spiel als Kulturgut schützen und dafür sorgen, dass die Spielräume von einst nicht weiter schwinden.