Sonderthema Kinderrechte (12. Monat)
Das Leben ist das höchste Gut des Menschen. In der Kinderrechtskonvention wird das Recht auf Leben, Überleben und Entwicklung festgehalten. Ohne dieses Recht sind alle anderen Rechte bedeutungslos. Seine gesamte Bedeutung erhält es jedoch erst in Zusammenhang mit anderen Rechten.
Entwicklung ist in der Kinderrechtskonvention als Prozess definiert, der zum Ziel hat, alle anderen Rechte der Kinderrechtskonvention zu verwirklichen. Demzufolge geht Entwicklung weit über das Überleben hinaus und umfasst die Persönlichkeit, die Begabungen, die seelischen, geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes sowie sein materielles Wohlbefinden. Eltern kommt die wichtige Rolle zu, die Entwicklung ihres Kindes bestmöglich zu unterstützen.
Im Alltag nimmt die Sorge um die Gesundheit der Kinder bei den Eltern einen grossen Stellenwert ein. Mit Ihrem Handeln und Ihren Entscheidungen nehmen Sie Einfluss auf die Gesundheit Ihrer Tochter oder Ihres Sohns, beispielsweise wenn es um die Ernährung oder um Impfungen geht. Wichtig ist, dass Sie sich dieser Verantwortung von Anfang an bewusst sind.
Die sechs Monate alte Leonie weint seit mehreren Stunden. Obwohl ihr das Herumtragen im Tragetuch sonst immer guttut, lässt sie sich heute nur vorübergehend beruhigen. Trinken mag sie auch nicht. Die Mutter berät sich mit einer Nachbarin und wendet sich schliesslich an den Kinderarzt.
Säuglinge teilen ihre Bedürfnisse durch Mimik, Weinen, Lächeln und später auch durch Gesten mit. Sie sind darauf angewiesen, dass Bezugspersonen auf ihre Bedürfnisse angemessen reagieren. Eltern lernen ihr Kind immer besser kennen und merken oft, was es gerade braucht. In Bezug auf die Entwicklung des Kindes gibt es aber auch Momente der Unsicherheit. Bei Bedarf sollten sich Eltern Unterstützung und Hilfe holen.
Der neun Monate alte Ben ist hellwach und lauscht den Worten seines Vaters, der ihn kitzelt und dabei die verschiedenen Körperteile benennt.
Um frei zu stehen, zieht sich die zwölf Monate alte Valentina immer wieder am Sofa hoch und lässt es dann los.
Vom ersten Tag an eignen sich Kinder Wissen an und entwickeln ihre Fähigkeiten. Das Recht auf Bildung steht Kindern von Geburt an zu. In der Kinderrechtskonvention wird festgehalten, dass Bildung allen Kindern zugänglich gemacht werden muss. Zudem soll Bildung zum Zweck haben, dass jedes Kind seine Persönlichkeit entfalten, seine Begabungen entwickeln und seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten zur Entfaltung bringen kann.
Die acht Monate alte Lara liebt es, im Wasser zu sein. Jedes Mal, wenn sie gebadet wird, drückt sie ihre Freude durch Jauchzen und Lachen aus. Gerne würden die Eltern mit ihr einen Babyschwimmkurs besuchen. Doch die regionalen Kurse sind teuer und die Termine stimmen nicht mit dem Familienplan überein. Laras Eltern besorgen ein kleines Planschbecken und beschliessen, regelmässig mit ihrer Tochter ins Schwimmbad zu gehen.
Ein Kind braucht, unabhängig von seinem Alter, Eltern oder Bezugspersonen, die es in seiner Individualität wahrnehmen und merken, wenn ihm etwas besonders entspricht. Angebote wie Babyschwimmen zu nutzen, ist hingegen keine Voraussetzung, die für eine bestmögliche Entwicklung notwendig sind.
Frühkindliche Bildung bedeutet, dass sich Erwachsene aktiv mit dem Kind beschäftigen und ihm eine anregende Umgebung bieten. Sich Fähigkeiten, Kompetenzen und Wissen anzueignen, ermöglicht Kindern eine gesunde Entwicklung und trägt zum Schutz ihrer körperlichen und psychischen Integrität bei.
In der Kinderrechtskonvention ist auch das Recht auf Freizeit, Spiel und Kultur verankert. Spielen ist für Ihr Kind zentral und ein essenzieller Bestandteil seiner Entwicklung. Zu Beginn kann zwischen Spiel und Bildung nicht unterschieden werden: Kinder machen Erfahrungen und lernen im Spiel. Auch wenn die formale Bildung einsetzt, bleibt das Spielen bedeutungsvoll. Im Spiel erproben Kinder ihre Fähigkeiten und entwickeln sie weiter.
Lernen ist für Kinder nur nachhaltig, wenn sie sich auch erholen können. Säuglinge und Kleinkinder fordern ihre Ruhephasen meist selbst ein, indem sie zum Beispiel quengelig werden oder weinen. Ab dem Kindergarten- und Schulalter ist die Zeit der Kinder immer stärker verplant. Eltern sollten dafür sorgen, dass ihre Kinder genügend Freiraum haben. Sie brauchen Zeit, über die sie nach Lust und Laune verfügen können, um sich ganz allein etwas zu widmen oder auch einmal das Gefühl der Langeweile zu erfahren.
Oftmals gerät das Recht der Kinder auf Spiel und Freizeit in den Hintergrund: Wenn beispielsweise bei Freizeitanlagen gespart wird, wenn die Nutzung kostenpflichtig ist und der Zugang nicht allen Kindern offensteht, wenn die Bedürfnisse der Kinder bei der Wahl der Freizeitaktivitäten nicht berücksichtigt werden oder wenn Kindern nur wenig Raum zum Spielen bleibt. Durch die Gestaltung des Wohnraums, die Mitgestaltung der Aussenräume und die Unterstützung der Kinder bei der Wahl von Freizeitaktivitäten können Eltern Einfluss nehmen. Denn das Recht auf Spiel und Freizeit ist kein Luxusgut, sondern «zu Recht» ein Recht!
Jeder Mensch hat ein angeborenes Recht auf Leben. Es ist das höchste und grundlegendste aller Menschenrechte. In der Kinderrechtskonvention ist dieses Recht hauptsächlich in Artikel 6 festgehalten. Der Staat ist verpflichtet, Überleben und Entwicklung «in grösstmöglichem Umfang» sicherzustellen. Neben dem Zugang zu einer umfassenden Gesundheitsversorgung gehören auch die soziale Sicherheit und ein angemessener Lebensstandard zu den Grundlagen einer bestmöglichen Entwicklung.
Die UNO-Kinderrechtskonvention wurde als internationales Menschenrechtsinstrument entwickelt und 1989 in Kraft gesetzt. Die darin enthaltenen Kinderrechte umschreiben die Rechte für Kinder von 0 bis 18 Jahren und sind universell gültig. Bis auf ein Land haben alle Staaten das Abkommen unterzeichnet. Dies zeugt von einem weltweiten Bekenntnis zu den Kinderrechten. Auch die Schweiz hat sich 1997 verpflichtet, für die Einhaltung der Kinderrechte zu sorgen. Bei der Umsetzung der Rechte bestehen zwischen den Staaten jedoch grosse Unterschiede. Die Verwirklichung der Rechte geschieht im Dreieck Staat – Eltern – Kinder.
Die Kinderrechtskonvention enthält allgemeine Menschenrechte wie zum Beispiel die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit oder das Recht auf Bildung und Gesundheit. Da Kinder besonders verletzlich sind und ihre Rechte aufgrund ihrer Stellung in der Gesellschaft nicht alleine durchsetzen können, beinhaltet die Kinderrechtskonvention darüber hinaus spezielle Rechte: Kinder brauchen besonderen Schutz, besondere Fürsorge und Erwachsene, die dafür sorgen, dass sie an Angelegenheiten und Entscheiden, die sie betreffen, teilhaben können. In Bezug auf Kinder mit einer Behinderung betont die Konvention ihr Recht auf ein erfülltes und würdiges Leben, ihr Recht auf Förderung der Selbstständigkeit und der aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.
Zum ersten Mal in der Geschichte werden Kinder durch die Kinderrechtskonvention als Akteure und eigenständige Persönlichkeiten angesehen. Eine Sichtweise, die auch in Gesetze einfliesst, zum Beispiel ins Kindes- und Erwachsenenschutzgesetz der Schweiz. Ebenso bedeutsam ist diese Haltung, damit Eltern ihre Erziehungspflicht wahrnehmen und Kinder in der Ausübung ihrer Rechte unterstützen können.
Dieser Beitrag wurde von Kinderschutz Schweiz erarbeitet.