Drei Jahre und drei Monate
Welche Regeln machen Sinn, wo sollen wir Grenzen setzen? Jede Familie braucht ihre eigenen Regeln.
Kinder sind oftmals masslos in ihrem sinnlichen Erleben. Beim Malen oder Basteln wird nicht nur das Blatt zum Kunstwerk, sondern auch die Kleider. Und weil «Lärmen» einfach Spass macht, geht es beim Spielen oft laut und ausgelassen zu und her.
Zulassen oder verbieten? Tag für Tag wird Ihre Toleranzgrenze von neuem herausgefordert werden. Eine Wohnung, in der Kinder aktiv tätig sind, zeigt nämlich unübersehbare Spuren von Unordnung. Nicht in jeder Situation werden Sie Einfühlungsvermögen und Geduld für die Sinnlichkeit Ihres Kindes aufbringen. Nach einem anstrengenden Arbeitstag oder einem nervenaufreibenden Familientag ist der Spielraum, den Sie Ihren Kindern gewähren, wahrscheinlich kleiner. Trotzdem lohnt es sich, in einem ruhigen Moment zu überdenken, ob bei Ihnen eingespielte Regeln und Verbote gelten, die Sie, aus einem «sinnlichen» Blickwinkel betrachtet, neu formulieren möchten? Was nützt eine perfekt aufgeräumte Wohnung, wenn die Kinder sich darin nicht bewegen können, sich langweilen und am Ende Ihre Nerven strapazieren?
Grenzen setzen ist keine einfache Aufgabe. Jede Familie orientiert sich dabei an ihren eigenen Lebensumständen. Wenn Sie die Frage nach dem «Warum» einer Grenze beantworten können und die Antwort auch konsequent vertreten, werden die Spielregeln für alle Beteiligten verständlicher und verbindlicher. Erklären Sie Ihrem Kind, warum Sie nicht möchten, dass es die Wände des Kinderzimmers anmalt. Stellen Sie ihm stattdessen einen abgedeckten Tisch mit einem Plastiktischtuch zur Verfügung. Schützen Sie den kleinen Künstler oder die kleine Künstlerin mit einer Malschürze.
Verbote haben häufig mit Angst ums Kind zu tun. Wie hoch schätzen Sie die Selbstständigkeit Ihres Kindes ein? Bekommen Sie bereits eine Gänsehaut, wenn Ihr Kind in Richtung Kletterturm losmarschiert? Würden Sie am liebsten sofort eingreifen, wenn es in eine heftige Auseinandersetzung verstrickt ist? Gewähren lassen oder eingreifen? Auch hier gilt es, herauszufinden, ob die Besorgnis zum Verbot wird.
Vertrauen Sie auf die Widerstandsfähigkeit und Selbstständigkeit Ihres Kindes. Es ist wichtig, dass Sie Ihrem Kind Grenzen und Gefahren aufzeigen, denn Kinder können diese oft noch nicht abschätzen. Versuchen Sie aber, wann immer möglich, ein unsichtbares Sicherheitsnetz zu spannen und Ihr Kind seine Erfahrungen selber machen zu lassen. Elterliches Vertrauen fördert kindliches Selbstvertrauen und damit die innere Sicherheit, den Herausforderungen des Lebens mutig zu begegnen. Denn Überängstlichkeit stoppt die Entdeckerlust Ihres Kindes und wirkt lähmend.