Un bambino mangia allegro la sua pappa.

Gemeinsame Mahlzeiten

10. Monat

Essen ist viel mehr als nur die Zufuhr von lebenswichtigen Nährstoffen. Gemeinsam eine Mahlzeit einzunehmen, ist ein wichtiges, regelmässig wiederkehrendes Ritual, das Menschen miteinander verbindet und im wahrsten Sinne des Wortes Leib und Seele zusammenhält.

Für viele Menschen ist der Esstisch in den eigenen vier Wänden Zentrum des Gemeinschaftslebens. Hier isst und trinkt man nicht nur, hier plaudert man, diskutiert, lacht und streitet auch.

Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo Ihr Kind mit Ihnen am Tisch sitzt und die Tafelrunde in vielerlei Hinsicht belebt, mit seinen Plaudereien, mit klecksenden Breiexperimenten, mit musikalischen Löffel-Teller-Kompositionen und mit «Gugus-dada»-Spielen …

Regeln für den Familientisch

Das gemeinsame Essen mit einem kleinen Kind verläuft kaum ohne Aufregungen! Anfangs ist es nicht ganz einfach, mit einem quicklebendigen kleinen Kind am Tisch das Essen selbst noch zu geniessen. Dennoch sollten Sie versuchen, möglichst viele Mahlzeiten gemeinsam einzunehmen.

So können Sie von Anfang an Ihre eigene Tischkultur und Regeln entwickeln, die für die ganze Familie zunehmend wichtig und verbindlich sind. Dazu kann beispielsweise die Abmachung gehören, dass während des Essens kein Radio oder Fernseher läuft und das Handy weggelegt wird, dass man sich zu Beginn des Essens «Guten Appetit» wünscht oder gemeinsam ein Gebet spricht.

Familientisch als Herausforderung

Wir haben es schon gesagt: Mit ungestörtem Essen ist es vorübergehend vorbei, wenn ein kleines Kind am Tisch sitzt. Liebevoll und aufwendig gekochte Nahrungsmittel, die dem Kind noch unbekannt sind, werden mit Skepsis betrachtet und vielleicht ohne weitere Prüfung abgelehnt.

Erste Versuche, selber mit dem Löffel zu essen, finden vielleicht bald ein Ende – mit den Fingern geht es besser und schneller. Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit, und schon fliegt der Teller samt Inhalt auf den Boden. Am Ende der Mahlzeit verziert der Gemüsebrei nicht nur den Tisch und den Boden, sondern auch das Kind.

Gelassenheit am Familientisch

Versuchen Sie, so gut es geht, all die kleinen Zwischenfälle mit Geduld und Gelassenheit zu ertragen und dabei die gute Laune sowie den eigenen Appetit nicht zu verlieren. Ein Esslatz für das Kind, eine Plastikdecke unter seinem Stuhl und ein griffbereiter feuchter Lappen helfen mit, dass nicht jedes Essen eine aufwendige Putzzeremonie nach sich zieht.

Und vergessen Sie vor allem nicht: Ihr Kind wird von Tag zu Tag grösser und selbstständiger – vorausgesetzt, es darf auch vieles selbst ausprobieren. Es orientiert sich an Ihrem Vorbild und wird sich eines Tages auch dementsprechend an die familieninternen Tischregeln halten können.







Illustration Das Kind sitzt am Esstisch im Kinderhochstuhl, der Staubsauger liegt am Boden und saugt vorzu auf.

Damit das Essen am Familientisch Freude macht

Der Familientisch kann Ort des gemeinsamen Geniessens, aber auch der ständigen Auseinandersetzungen sein. Anregungen für ein entspanntes Klima am Familientisch:

  • Das Kind darf so viel essen, wie es mag. Es ist normal, wenn es nicht immer gleich viel isst. Auch wir Erwachsenen haben nicht bei jeder Mahlzeit denselben Appetit. Kleine Kinder spüren, wann sie genug haben. Nehmen Sie auf die kindlichen Bedürfnisse Rücksicht und zwingen oder überlisten Sie das Kind nicht zum Essen.
  • Essen soll weder als Bestechung noch als Strafe oder Belohnung missbraucht werden! Beispiele: «Wenn du jetzt brav bist, bekommst du ein Biskuit», oder «Wenn du jetzt nicht sofort ruhig bist, bekommst du kein Biskuit».
  • Für Tischmanieren ist es noch zu früh. Erzwungene Essmanieren schaffen Voraussetzungen für Essprobleme. Ihr Kind wird sich allmählich an Ihrem Vorbild orientieren.
  • Das beliebte Hinunterwerfspiel probieren viele Kinder auch mit dem gefüllten Teller aus. Sie kippen diesen blitzschnell über den Rand des Esstisches und schauen gespannt auf den Boden hinunter. Mit diesem Verhalten überprüft das Kind, ob das Essen noch da ist, wenn es den Inhalt des Tellers «verschwinden» lässt. Genau wie beim «Gugus-dada-Spiel» übt es seine Merkfähigkeit und sein Erinnerungsvermögen. Schimpfen Sie deshalb nicht. Je mehr Aufregung dabei entsteht, desto spannender wird das Spiel. Damit es Ihnen aber nicht zu viel wird, hier ein Tipp: Geben Sie Ihrem Kind einen Extrateller mit wenig Inhalt zum Experimentieren. Dann ist der Schaden nicht ganz so gross, wenn diese kleine Portion zu Boden fliegt.
  • Bitte zwingen Sie Ihr Kind nicht, etwas zu essen, das es nicht mag. Es gibt viele Nahrungsmittel, die für das Kind gut sind, und es gibt (fast) keine, die sich nicht durch andere ersetzen lassen. Wenn es gewisse Nahrungsmittel ablehnt und sogar ausspuckt, ist es möglich, dass Sie ihm diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder anbieten, spielerisch, ohne Zwang. Geben Sie Ihrem Kind aber grosszügig Zeit, bis es sich an den neuen Geschmack gewöhnt hat.
  • Haben Sie keine Bedenken, das Kind werde «einseitig» ernährt, wenn es für ein bestimmtes Nahrungsmittel eine besondere Vorliebe zeigt. Lassen Sie es gewähren, sein Geschmack wird sich immer wieder ändern.
  • Kommentieren Sie das Essverhalten Ihres Kindes nicht abfällig oder kritisierend.
  • Zunehmend Spass macht es nun, selber etwas in die Hand zu nehmen und zu essen, zum Beispiel eine Brotrinde, eine Banane oder gekochte Gemüsestücke. Sie können dem Kind allenfalls vor der gemeinsamen Mahlzeit bereits etwas Brei geben, damit es nicht mehr ganz so hungrig ist, und dann beim Essen am Familientisch die Nahrungsmittel anbieten, die es selber in die Hand nehmen kann.
  • Mit Essen zu experimentieren, fördert Freude am Essen und bewirkt ein entspanntes Essverhalten. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Ihrem Baby und erkunden Sie was passiert, wenn Sie ein Stück Brot ganz lange im Mund kauen. Schmecken Sie die Süsse?

Isst mein Kind zu wenig?

Häufig machen sich Eltern Sorgen über das Essverhalten des Kindes. «Isst mein Kind zu wenig?», ist eine oft gestellte Frage in der Mütter- und Väterberatung oder in der Arztpraxis.

Hier ein paar Hinweise:

  • Wenn das Kind stetig zunimmt und wächst, bekommt es genug. Grösse und Gewicht können Sie bei der Mütter- und Väterberatung oder bei der Kinderärztin, dem Kinderarzt überprüfen lassen.
  • Ist das Kind aktiv, leidet es keinen Mangel.
  • Kinder verwerten – wie Erwachsene – das Essen sehr unterschiedlich: Manche Kinder essen sehr wenig und gedeihen trotzdem gut.
  • Wenn das Kind appetitlos ist und wenig feste Nahrung zu sich nimmt, hat dies vielleicht damit zu tun, dass es viel Muttermilch, Säuglingsanfangsnahrung oder Folgenahrung trinkt. Diese Milch ist – im Gegensatz zu Getränken wie Tee, Wasser oder Fruchtsaft – ein sättigendes Nahrungsmittel. Ein Kind in diesem Alter sollte pro Tag nicht mehr als etwa 4 dl Milch trinken. Falls Ihr Kind mehr trinkt und wenig Appetit auf Brei hat, ist es ratsam, die Milchmenge zu reduzieren.
  • Manchmal hat das Essverhalten am Tisch einen Zusammenhang mit den Zwischenmahlzeiten. Süsses Knabberzeug oder ein Gipfeli sowie zuckerhaltige Getränke zwischendurch können sich auf den Appetit bei den Hauptmahlzeiten auswirken.
  • Benutzen Sie Essen oder die Nuckelflasche nicht als Beschäftigung gegen Langeweile oder um Unzufriedenheit bei ihrem Baby aufzufangen. Kinder sollen essen, wenn sie Hunger und trinken, wenn sie Durst haben. Deshalb ist es auch nicht sinnvoll, mit Essen zu belohnen oder zu bestrafen.
  • Seien Sie nicht beunruhigt, wenn Ihr Kind von Gemüse oder Obst nicht begeistert ist und eines oder beides mehrheitlich ablehnt. In unseren Breitengraden leiden Kinder deswegen keinen Mangel. Die Abneigung kann auch einfach momentan sein, denn die Vorlieben verändern sich immer wieder. Auch hier gilt, dass Sie dem Kind Früchte und Gemüse, die es zunächst abgelehnt hat, immer wieder anbieten können. Manchmal kann die Lust am Essen geweckt werden, indem Obst und Gemüse fantasievoll geschnitten und attraktiv auf dem Teller präsentiert werden. Kleine Mengen wirken zudem «gluschtiger» als grosse Portionen.

Oder zu viel?

Im Gegensatz zu den Kindern, die mit wenig Nahrung auskommen, gibt es auch die «Ewighungrigen». Dies kann die Eltern genauso beunruhigen. Unter Umständen essen diese Kinder einfach viel zu schnell, sodass sich das Sättigungsgefühl nicht rechtzeitig einstellt. Sie können Ihrem Kind helfen, langsamer essen zu lernen: Geben Sie ihm nur kleine Portionen auf den Teller und schalten Sie vor dem Nachschöpfen kleine Pausen ein.

Und natürlich ist es vor allem wichtig, dass Sie ihm mit gutem Vorbild vorangehen und sich selbst genug Zeit nehmen, das Essen zu geniessen! Geben Sie Ihrem Kind Gelegenheit, ein eigenes Essverhalten zu entwickeln. Schaffen Sie eine entspannte Situation. Ermahnen und kritisieren Sie Ihr Kind nicht. Es macht nichts falsch, sondern folgt den eigenen Bedürfnissen und reagiert auf die Signale seines Körpers.

Ob zu viel oder zu wenig – wenden Sie sich an die Mütter- und Väterberaterin oder den Kinderarzt, die Kinderärztin, wenn Sie sich Sorgen machen. Wichtig ist, dass Sie über Art und Menge der Nahrung Ihres Kindes Auskunft geben können.







Illustration Eine Frau trägt in jeder Hand einen Teller mit Essen.

Von der Flasche zur Tasse

Es gibt Kinder, die schon mit sieben oder acht Monaten keine Flasche mehr möchten, sondern lieber aus dem Glas, dem Becher oder der Tasse trinken. Andere wehren sich bis ins zweite Lebensjahr gegen diese Trinkform und bevorzugen weiterhin das Saugen. Auch hier gibt es keine allgemein gültige Regel.

Wenn das Kind feste Nahrung zu sich nimmt, gibt es keinen Grund, ihm die Flasche zu verweigern. Lässt es jedoch erkennen, dass es Milch oder Tee so wie die «Grossen» haben möchte, dann ist der Zeitpunkt da, das Trinken aus dem Becher zu üben. Da wird zuerst einmal allerhand danebenfliessen – auf Tisch und Boden bilden sich kleine Seen aus Milch, Tee oder Wasser. Einmal mehr gilt: Übung macht den Meister oder die Meisterin.

Trinken in der Nacht

In der Nacht braucht ein neunmonatiges Kind in der Regel keine Flüssigkeit mehr. Das heisst, Ihr Kind muss in der Nacht nicht mehr unbedingt gestillt werden und braucht auch keine Schoppenflasche. Kleinkinder trinken nachts oft eher aus Gewohnheit als aus Bedarf. Vielleicht lässt sich Ihr Kind ja auch auf andere Weise wieder beruhigen, wenn es in der Nacht aufwacht: durch Streicheln, sanftes Zureden, neben dem Bett sitzen oder im Arm halten. So können Sie versuchen, ihm die nächtliche Trinkgewohnheit sachte abzugewöhnen.

Lassen Sie sich von der Mütter- und Väterberaterin oder der Kinderärztin, dem Kinderarzt beraten, wie Sie vorgehen könnten. Wenn das Kind aber die Flüssigkeit braucht – zum Beispiel im Sommer bei grosser Hitze oder wenn es krank ist und Fieber hat –, dann sollte ihm selbstverständlich auch in der Nacht Muttermilch, ein Schoppen mit Leitungswasser oder ungesüsster Kräutertee zur Verfügung stehen.

Praktische Tipps zur Ernährung

  • Bieten Sie dem Kind regelmässig Gemüse und Obst an. Gemüse enthält noch mehr wichtige Vitamine und Mineralstoffe als Obst und sollte nicht nur gekocht, sondern auch roh gegeben werden.
  • Kartoffeln liefern viele wertvolle Nährstoffe und können auch mehrmals pro Woche serviert werden. (Beispielsweise mal als «Gschwellti» ohne Haut, mal zerdrückt als Püree oder mal als weich gekochte Stäbchen.)
  • Verwenden Sie qualitativ gutes Gemüse und Obst aus der jeweiligen Jahreszeit.
  • Gründliches Säubern und eventuell Schälen der Lebensmittel vor der Zubereitung ist aus hygienischen Gründen und zur Verminderung der Schadstoffbelastung notwendig. Am besten geschieht dies vor dem Zerkleinern, weil so weniger Nährstoffe verloren gehen.
  • Bei der Zubereitung von Gemüse ist auf schonendes Garen zu achten: Beim Dünsten in wenig Wasser, bei geringer Temperatur und möglichst kurzer Garzeit werden nur wenig Nährstoffe zerstört.
  • Langes Warmhalten oder mehrmaliges Aufwärmen der Speisen vermeiden, weil empfindliche Stoffe zerstört werden und schädliche Stoffe entstehen können.
  • Neben der Milch braucht es noch zusätzliches Eiweiss. Kinder, die viel Milch trinken, benötigen weniger ergänzende eiweisshaltige Nahrungsmittel als solche mit bescheidenerem Milchkonsum. Geben Sie dem Kind mehrmals pro Woche ein wenig Fleisch, Fisch, Geflügel, ein hart gekochtes Ei, Tofu oder Hummus. Wenn Ihr Kind kein Fleisch isst oder Sie es vegetarisch ernähren möchten, so sollten Sie sich mit Ihrer Mütter- und Väterberaterin oder der Kinderärztin, dem Kinderarzt absprechen; diese Fachpersonen können Ihnen Hinweise geben, wie Ihr Kind durch andere Nahrungsmittel die benötigten Stoffe erhält.
  • Speisen für das Kind benötigen bis Ende des ersten Lebensjahres kein Salz und keine Gewürze. Trennen Sie deshalb die Kinderportionen ab, bevor Sie Ihr Essen würzen. Babynahrung darf fad sein!
  • Kinder haben eine Vorliebe für Süsses. Zuckerbeigaben sind jedoch unnötig. Gezuckerte Speisen stillen kein Bedürfnis, sondern führen dazu, dass das Kind immer mehr nach Süssem verlangt, und sollten demnach während des ersten Lebensjahres gar nicht gegeben werden. Auch Getränke sollen keinen Zucker enthalten (Ausnahme: einem kranken Kind kann man nach Absprache mit dem Arzt, der Ärztin leicht gezuckerten Tee geben). Geben Sie dem Kind neben Milch Wasser, ungesüssten Tee oder stark verdünnte Fruchtsäfte. Leitungswasser ist der beste Durstlöscher und in den meisten Schweizer Gemeinden von sehr guter Qualität. Weitere Informationen finden Sie unter www.trinkwasser.ch.
  • Wenn blähendes Gemüse, wie Kohlsorten, Zwiebeln, Bohnen oder Hülsenfrüchte, Bauchweh auslöst, dann seien Sie im ersten Lebensjahr zurückhaltend damit.
  • Falls Sie Fragen zur Ernährung Ihres Kindes haben, können Sie sich in der Mütter- und Väterberatung oder von der Kinderärztin, dem Kinderarzt beraten lassen.
  • Für weitere Informationen zur Ernährung, siehe die Broschüre «Ernährung für Säuglinge und Kleinkinder».
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