Bimbo che si arrampica.

Erlauben und Verbieten

9. Monat

Jetzt, da Ihr Kind sich selbstständig fortzubewegen lernt und Ihnen manchmal schon entwischt, tauchen neue Fragen auf: Was sollen Sie ihm erlauben? Was wollen Sie verbieten? Und vor allem – wie machen Sie das am besten? Denn einsichtig sind Kinder in diesem Alter noch nicht.

Vielleicht haben Sie kürzlich eine neue Stereoanlage gekauft und stellen nun fest, dass sich Ihr Kind ebenso sehr dafür interessiert wie Sie – und dies mit ausgeprägter Hartnäckigkeit. Oder Sie kommen müde von der Arbeit nach Hause, das Essen ist angebrannt, ein unangenehmer Telefonanruf belastet Sie zusätzlich.

Ihre Geduld wird auf eine harte Probe gestellt, wenn Ihr Kind in dieser Situation den Blumentopf untersucht und ausleert oder intensiv erprobt, wie es tönt, wenn man mit einem Pfannendeckel auf den Steinboden schlägt.

Gewisse Verhaltensweisen kleiner Kinder sind für Erwachsene schwierig zu verstehen: Wir werfen keine Gegenstände auf den Boden, patschen nicht im Essen herum, schlagen keine Becher auf den Tisch. Für kleine Kinder sind dies jedoch keine sinnlosen Handlungen, sie sind wesentlich für ihre Entwicklung.

Eigene Möglichkeiten entdecken

Spielerisch machen sie mit den Ohren, den Augen, dem Mund, den Händen, den Füssen – ja dem ganzen Körper – vielfältige sinnliche Erfahrungen. Diese verhelfen dazu, sich selbst und die eigenen Möglichkeiten zunehmend zu entdecken. Oder auszuprobieren, wie die Umwelt darauf reagiert, und zum Beispiel ein Gefühl für Töne und Klänge, die Beschaffenheit von Materialien, Formen, Raum, Distanz und Schwerkraft zu entwickeln.

Spielmöglichkeiten im Alltag bieten also ganz viel Gelegenheit, fürs Leben zu lernen. Daher sollte Kindern möglichst viel Raum für Bewegung, Erkundungen und Entdeckungen gewährt werden.







Illustration Kind sitzt im Kinderhochstuhl und schmeisst alles hinunter.

Alles hat Anziehungskraft

Kinder wollen an allem, was die Eltern tun, teilhaben. So übt zum Beispiel die Wäsche, die Sie gerade am Zusammenlegen sind, eine unbeschreiblich starke Anziehungskraft auf Ihr Kind aus. Falls sich der Wäschestapel in Kinderreichweite befindet, ist das natürlich ausgesprochen verlockend. Ein Kleidungsstück wird am Zipfel gepackt, und hoppla – schon fällt der sorgfältig aufgebaute Wäscheturm in sich zusammen.

Dieses intensive Mittunwollen ist manchmal sehr beschwerlich. Nichts kann man mehr ungestört tun. Es braucht viel Geduld, nicht unwirsch zu reagieren. Vielleicht hilft es, wenn Sie dem Kind eine Alternative anbieten. Meist wird es aber genau an dem interessiert sein, was Sie in den Händen halten. Am ehesten schonen Sie Ihre Nerven, wenn Sie das, was Sie ungestört tun wollen, auf den Zeitpunkt verlegen, wenn Ihre Tochter oder Ihr Sohn schläft oder in der Obhut eines Babysitters ist.

Kinderschublade mit Haushaltutensilien

Das Ausräumen von Schubladen, Gestellen, Kästchen in der Küche, aber auch in allen übrigen Räumen ist ein bevorzugtes Spiel der meisten Kinder. Hier sind Ihr Organisationstalent und Ihre Flexibilität angesprochen: Wechseln Sie den Inhalt so, dass alles, was nicht in Kinderhände gehört, oben – für das Kind unerreichbar – aufbewahrt wird. In den unteren Regionen befindet sich nur das, was nicht gefährlich ist, nicht kaputtgehen kann und nicht zu viel Zeit braucht, es wieder einzuräumen.

Wie wir bereits an früherer Stelle erwähnt haben, können Sie dem Kind eine «Kinderschublade» zur Verfügung stellen, die Sie mit geeigneten und attraktiven Haushaltutensilien füllen. Gelegentliches Auswechseln des Inhalts erhöht das Vergnügen. Mit speziellen Schubladensicherungen oder durch das Abschrauben der Griffe können einzelne Schubladen so gesichert werden, dass das Kind sie nicht mehr öffnen kann.

Zeit für gemeinsame Entdeckungsreisen

Und noch eine Anregung: Nehmen Sie sich Zeit, mit dem Kind zusammen auf Entdeckungsreise zu gehen, und lassen Sie sich von seiner Begeisterung anstecken. Betrachten Sie einmal gleichsam mit den Augen Ihres Kindes Ihre Wohnung. Sie werden staunen, was Sie da alles an Attraktivitäten entdecken.

Kleine Kinder sind neugierig und ungestüm. Missgeschicke, die ihnen beim Spiel passieren, sind manchmal unangenehm, geschehen jedoch nie mit Absicht. Kinder in diesem Alter können die Folgen ihres Tuns nicht abschätzen. Was für Erwachsene «Zerstörung» ist, bedeutet für kleine Kinder «Untersuchung mit interessanten Folgen».

Sich in Gelassenheit üben

Dass Dinge kaputtgehen können, an denen Erwachsene hängen, dass ausgeleerte Blumentöpfe viel Aufwischarbeit verursachen – das hat für Kinder keine Bedeutung. Der kindliche Erkundungsdrang bringt viel Unordnung und viel Aufräumarbeiten und bedingt ständige Aufmerksamkeit, damit das Kind sich nicht in Gefahr bringt.

Viele Verbote und auch Ärger können jedoch vermieden werden, wenn Dinge, die nicht in Kinderhände gehören, weggeräumt werden. Vielleicht sieht die Wohnung dann nicht mehr so schön und wohnlich aus, wie Sie sich das eigentlich wünschen würden. Sie schaffen sich aber einen grossen Freiraum und ein Stück weit mehr innere Gelassenheit, weil Sie das Kind in einer «kindersicheren» Wohnung nicht ständig beaufsichtigen müssen.

Nach wie vor wird Ihr Kind beim Spielen Ihre Nähe suchen und bevorzugen. Der Sichtkontakt zu Ihnen gibt ihm die notwendige Sicherheit, um sich ruhig und entspannt auf sein Spiel einzulassen.

Nein sagen – wann und wie?







Illustration Zwischen Kind und Vater liegt das halbe Wohnzimmer.

Wenn wir immer wieder betonen, dass Kinder einen grossen Freiraum benötigen, so meinen wir damit nicht, ihnen jederzeit alles zu gewähren. Jedes Kind muss lernen, dass es bestimmte Dinge nicht tun darf. Sei es, weil sie ihm schaden und es sich dabei verletzen könnte, oder, weil die Eltern dies nicht wollen.

Dass die Stereoanlage nicht untersucht werden soll, die Fotoalben nicht zerrissen werden dürfen und das Katzenkistchen nicht zum Ausleeren da ist – das müssen kleine Kinder lernen. Verbote müssen immer wieder klar ausgesprochen werden. Das eine Kind wird ein Nein sofort akzeptieren, ein anderes wird Ihr Verbot vorerst missachten und immer wieder ausprobieren, wie Sie reagieren.

Erwarten Sie von einem Kleinkind weder Einsicht noch ein sofortiges Akzeptieren. Dieser Lernprozess braucht viel Zeit. Es dauert noch eine ganze Weile, bis Ihr Kind nachvollziehen kann, warum etwas verboten ist. Erziehung ist umso wirkungsvoller, je stärker sich die Eltern am Entwicklungsverlauf ihres Kindes orientieren.

Wenige, aber klare Grenzen setzen

Erlauben und Verbieten verlangt viel Fingerspitzengefühl und Geduld und fordert Eltern auch immer wieder heraus, gesetzte Grenzen kritisch zu beurteilen. Wenn Sie Ihrem Kind in einfachen Worten erklären, warum Sie bestimmte Dinge verbieten, können Sie gleichzeitig überprüfen, ob es wirklich einleuchtende Gründe für das Verbot gibt.

Bedenken Sie, dass mit allzu vielen Verboten nicht nur Ihr Kind, sondern auch Sie eingeschränkt werden. Sie müssen ja konsequenterweise immer darauf achten, dass Ihre Vorschriften befolgt werden.

Wenige, dafür klare und eindeutige Grenzen hingegen werden leichter eingehalten. Wenn Sie ein Nein aussprechen, sollten Sie dies klar und mit Nachdruck tun. Das Kind soll spüren, dass es Ihnen ernst ist. Versuchen Sie, Ruhe zu bewahren und nicht loszuschimpfen – auch wenn ein wiederholtes Nein nötig ist. Klapse auf die Hände sind kein Erziehungsmittel, um Verbote durchzusetzen. Sie gehören ins Kapitel Schlagen.







Illustration Klare Grenzen setzen aber nie das Kind schlagen.

Geduld, Geduld, Geduld

Dass Krabbelkinder oft unendlich viel Geduld erfordern, die Sie als Vater oder Mutter nicht immer aufbringen können, wissen wir aus eigener Erfahrung. Bestimmt werden Sie hin und wieder inkonsequent oder unwirsch reagieren, schliesslich sind Sie kein «Erziehungsroboter». Etwas möchten wir Ihnen aber ganz besonders ans Herz legen: Ihr Kind sollte nicht durch Ihre Äusserungen und Verhaltensweisen das Gefühl bekommen, Sie hätten es nicht mehr lieb, wenn es etwas tut, das Ihnen nicht passt.

Sagen Sie ihm nicht, es sei kein Liebes oder Sie hätten es gar nicht mehr gern. Sperren Sie es nicht allein in seinem Zimmer ein. Wenn Sie wütend geworden sind, das Kind vielleicht angeschrien haben, so schliessen Sie bald wieder Frieden. Lassen Sie Ihr Kind nicht lange weinen, nehmen Sie es in den Arm und zeigen Sie damit, dass das Gewitter vorbei und die Welt wieder in Ordnung ist.

Ein Wort zum Schlagen

Kleine Kinder sind anstrengend, können Eltern an ihre äussersten Grenzen bringen. Die meisten Eltern kennen das Gefühl, wenn Wut in ihnen hochsteigt, sie sich nur noch mit Mühe beherrschen können, ihnen fast die Hand ausrutscht, sie das Kind schlagen oder schütteln möchten.

Manchmal hat einen das Kind wirklich geärgert, oft ist man aber auch aus Gründen nervös, die überhaupt nichts mit ihm zu tun haben. Auch wenn es nicht immer einfach ist, sagen Sie zu sich selbst «Halt», wenn Sie Ihr Kind schlagen wollen. Wenden Sie sich von ihm ab, schaffen Sie Distanz.

  • Legen Sie Ihr Kind an einen sicheren Ort und gehen Sie kurz aus dem Zimmer. Versuchen Sie, sich zu beruhigen, und suchen Sie Hilfe, wenn Ihnen dies allein nicht gelingt.
  • Gehen Sie zu einer Nachbarin, einem Nachbarn, einer Freundin, einem Freund oder telefonieren Sie mit dem Partner, der Partnerin, der Pro Juventute Elternberatung oder jemandem, dem Sie vertrauen.
  • Schlagen oder Schütteln darf nicht sein, das Kind kann gefährliche, sogar lebensbedrohende Verletzungen davontragen. Zudem versteht es nicht, warum Sie es schlagen, es lernt dadurch nichts.
  • Schlagen ist kein Erziehungsmittel, es macht Kinder nur traurig, enttäuscht, mutlos und verängstigt.
  • Noch immer ist die Meinung weit verbreitet: «Ein Klaps hat noch niemandem geschadet», und Klapse auf die Hände oder auf den Hintern seien keine «richtigen» Schläge. Wir möchten dem klar eine andere Ansicht entgegensetzen: Klapse sind Schläge und sollten nicht als Erziehungsmittel verwendet werden.

Hilfe in Anspruch nehmen

Es gibt immer wieder Situationen, in denen alle guten Vorsätze nichts mehr nützen, wo Eltern nicht mehr ein noch aus wissen. Sei es, dass Ihr Kind wirklich ein sehr eigenwilliges Persönchen ist, das immer genau das macht, was es nicht soll; sei es, dass Sie übermüdet sind, sich momentan allgemein vom Alltag mit Kind und Haushalt überfordert fühlen, finanzielle Sorgen haben, Probleme mit dem Partner, der Partnerin oder mit der Arbeit.

Eine Erziehungs- oder Eheberatungsstelle aufzusuchen, kostet Überwindung. Doch es gibt Situationen, in denen es ganz bestimmt besser ist, Hilfe in Anspruch zu nehmen. In vielen Fällen genügen ein paar wenige Gespräche, um alles wieder etwas klarer und vielleicht sogar gelassener zu sehen. Auch die Kinderärztin, der Kinderarzt, die Mütter- und Väterberaterin, der Elternnotruf oder weitere Fachstellen sind Ihnen Gesprächspartner in schwierigen Situationen.

Über Erziehungsfragen sprechen

Waren es in der allerersten Babyzeit vor allem Fragen der Pflege und der Beziehung zum Kind, welche Sie beschäftigten, so werden mit zunehmendem Alter des Kindes vermehrt Erziehungsfragen aktuell: Wie finde ich die Grenze zwischen Gewährenlassen und Neinsagen? Wie verhalte ich mich, wenn ich mich manchmal von allem überfordert fühle? Verwöhne ich mein Kind? Solche Fragen beschäftigen die meisten Eltern – warum nicht gemeinsam darüber reden?

Verschiedene Meinungen helfen, den eigenen Weg zu finden, und manchmal tut es einfach gut, zu merken, dass andere Eltern ähnlich empfinden: Neben vielen beglückenden Momenten gibt es auch schwierigere Stunden, neben der grossen Freude gehören auch Unsicherheiten, Ängste und manchmal Ärger über das Kind zum Elternalltag.

Elternsein verbindet

So verschieden Eltern und Kinder sind, so unterschiedlich sie leben, Elternsein verbindet. Der Blick über die eigene Familie hinaus kann anregend sein und neue Kontakte schaffen. Eltern- und Familienzentren, Elterngruppen und Elternbildungszentren gibt es fast in allen grösseren Ortschaften. Diese Vereinigungen bieten Gesprächsgruppen, Diskussionsabende, Vorträge und Kurse zu den verschiedensten Entwicklungs- und Erziehungsthemen an.

Es gibt beispielsweise auch Gruppen für Alleinerziehende, für Eltern mit behinderten Kindern, für Zwillings- und Mehrlingseltern oder Krabbelgruppen. Erkundigen Sie sich doch bei Ihrer Gemeinde, bei der Mütter- und Väterberatung, beim Jugendamt, bei der Kirchgemeinde, bei Frauenvereinen oder bei der Dachorganisation für Elternbildung über die jeweiligen Angebote.

Die Teilnahme an solchen Veranstaltungen stellt eine zusätzliche Anforderung an Eltern dar. Wenn Sie daheim oder ausser Haus bis über beide Ohren mit Arbeit eingedeckt sind, möchten Sie sich vielleicht in Ihrer kargen Freizeit nicht auch noch mit Kindererziehung beschäftigen. Doch über sich selbst und das Elternsein mehr zu erfahren und Neues dazuzulernen, kann frische Energie geben und Freiraum oder Sicherheit schaffen.

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