7. Monat
Dass sich Kinder in unterschiedlichem Tempo entwickeln, zeigt sich auch beim Krabbeln. Bevor die Fortbewegung auf Knien und Händen beginnt, gibt es Vorstufen, wie Drehen und Robben. Und jedes Kind entwickelt seinen eigenen Krabbelstil.
Die meisten Sechsmonatigen sind noch ganz zufrieden damit, in ihrem Bett, auf einer Decke am Boden oder im Sommer draussen im Gras zu liegen und sich im Drehen zu üben. Und nach wie vor ist es natürlich ein Genuss, von Mama oder Papa auf dem Arm herumgetragen zu werden.
Es wird aber nicht mehr lange dauern, bis Ihr Kind beginnt, sich selbstständig fortzubewegen. Wann das sein wird, entscheidet jedoch Ihre Tochter oder Ihr Sohn. Denn kein Kind krabbelt, weil man ihm «vorkrabbelt», sondern wenn es bereit dazu ist. Lassen Sie sich also überraschen. Damit Sie sich in Ruhe auf die Krabbelzeit vorbereiten können, schalten wir aber schon jetzt eine «Krabbel-Lektion» für Eltern ein.
Drehen, Robben und Krabbeln – die Fortbewegung auf Knien und Händen – kennt viele Vorstufen und Varianten: Viele Kinder kriechen oder robben zunächst auf dem Bauch vorwärts, häufig zuerst auch rückwärts. Andere bewegen sich durch Drehen vom Rücken auf den Bauch und umgekehrt fort.
Gelingt es ihnen, quietschen und lachen sie vielleicht vergnügt. Geraten sie in eine ungemütliche Lage, aus der sie sich nicht mehr befreien können, können sie ganz schön ärgerlich werden! Lassen Sie diesen Ärger ruhig zu, greifen Sie nicht sofort helfend ein. Der «Frust» ist für Ihr Kind wichtig, denn er gibt Antrieb, selbst auszuprobieren, zu üben und zu lernen.
Jedes Kind entwickelt seinen eigenen Krabbelstil. Es gibt Kinder, die vorerst nur rückwärts, und andere, die nur vorwärts krabbeln. Andere rutschen im Sitzen oder gehören zu denen, die wenig oder noch gar nichts von solchen Krabbelmöglichkeiten wissen wollen. Einige Monate später beginnen diese Kinder dann trotzdem zu laufen.
Auf jeden Fall braucht Ihr Kind in der Krabbelzeit viel Raum für seinen Bewegungs- und Forschungsdrang. Daher ist es von Vorteil, wenn das «Krabbel-Areal» so vorbereitet ist, dass Ihr Kind mit den Dingen, die es erreichen kann, auch spielen darf.
Zum Beispiel können Sie in der Küche Töpfe, Deckel und andere unzerbrechliche Geräte, die das Kind ohne Schaden herausnehmen kann, in den unteren Schrankfächern versorgen. Oder Sie füllen eine Schublade mit Spielsachen, mit bunten Tüchern, mit Frischhaltedosen oder mit Kochlöffeln, die es zuerst erkunden und später zum Spielen brauchen kann.
Am liebsten halten sich Kinder in Sichtweite von Erwachsenen auf. Sie sind nicht gerne alleine in einem Zimmer, sondern wollen an dem teilhaben, was die Erwachsenen (oder auch andere Kinder) tun.
Gerne beobachten sie grosse und kleine Leute bei ihren Tätigkeiten. Daraus können sich zum Beispiel gemeinsame Alltagsrituale zwischen Mutter oder Vater und Kind entwickeln: zum Beispiel Kochen und das Küchen-Spielschrankfach ausräumen oder Zeitung lesen und die Wohnzimmer-Spielschublade erforschen.
Mit den ersten Krabbelversuchen beginnt eine aufregende Zeit – für das Kind wie auch für Sie! Die ganze Wohnung wird zum Spielraum, jedes Kästchen, jede Schublade, jede Vase, jedes Buch, jede CD, jeder Blumentopf und alles, was einen Raum wohnlich und gemütlich macht, gilt es zu entdecken.
Wie turbulent die Krabbelzeit wird, hängt ganz vom Temperament Ihres Kindes ab, aber auch von der Attraktivität der verlockenden Gegenstände sowie vom kindlichen Interesse an der Reaktion der Erwachsenen und nicht zuletzt von den hauseigenen Spielregeln.
Damit es nicht allzu aufregend wird, sind einige Umstellungen innerhalb der Wohnung ratsam. Mit wenigen Handgriffen können Sie die Räume krabbelfreundlich und trotzdem gemütlich gestalten. Das Wichtigste ist, dass Ihrem Kind nichts passieren und es keinen grossen Schaden anrichten kann. Dementsprechend empfiehlt es sich, gefährliche oder wertvolle Gegenstände ausser Reichweite des Kindes aufzubewahren. So können auch Sie Ihre Nerven schonen, denn ein ständiges «Nein, nein!», «Pass auf!» oder «Achtung, bleib da!» erübrigt sich.
Obschon es sicherer ist, Kostbares oder Gefahrvolles wegzuräumen, soll das nicht heissen, dass Sie alles in luftiger Höhe in Sicherheit bringen müssen. Damit Kinder lernen, auch mit heikleren Dingen umzugehen, müssen sie entsprechende Erfahrungen machen dürfen.
Im Allgemeinen respektieren kleine Kinder unsere Welt und unsere Bedürfnisse leichter, wenn die Eltern grosszügig sind und ihnen genügend Spielmöglichkeiten lassen. Wichtig ist, dass Sie Ihr Kind davor bewahren, sich in Gefahr zu begeben.
Für die ungefährlichen Dinge lassen sich keine Verhaltensmassregeln aufstellen: Die einen Eltern lassen ihr Kind mit gewissen Gegenständen spielen, während anderen bei den gleichen Dingen bereits der Atem stockt – weil es sich um Kostbarkeiten handelt oder um Dinge, die ihnen besonders lieb sind.
Es ist nicht einfach, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Gewährenlassen und Verbieten. Eine gute Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Sie als Eltern Prioritäten setzen, sich absprechen und beide konsequent bleiben. Haben Sie Geduld, wenn Ihr Kind ein «Nein» nicht sofort akzeptiert.
Ihr Kind möchte Sie damit nicht provozieren, sondern es braucht noch viel Zeit und Erfahrung, bis es verstehen und nachvollziehen kann, dass und warum es etwas nicht tun darf. Nach und nach wird es aber lernen, die gesetzten Grenzen zu akzeptieren.
Obwohl Ihr Kind nach wie vor am liebsten in Ihrer Nähe ist, wird es durch das Krabbeln beweglicher und unabhängiger. Es kann nun ein Stück weit selbst entscheiden, wohin es möchte. Betrachten Sie daher all Ihre Wohnräume einmal aus der Perspektive Ihres Krabbelkindes. Entdecken Sie auf allen vieren die eine oder andere Gefahrenquelle?
Haben Sie schon Kontakt zu anderen Eltern mit gleichaltrigen Kindern in Ihrer Umgebung gefunden? Wenn nicht, ist der Besuch einer Krabbelgruppe oder eines Mütter- oder Vätertreffs eine gute Gelegenheit dafür. Fragen Sie bei der Mütter- und Väterberatung, wo und wann solche Treffen stattfinden.
Laufgitter können krabbelfreundliche Dienste leisten, wie die nachfolgenden Möglichkeiten aufzeigen: