Ein Jahr und sechs Monate alt
Ihr eineinhalbjähriges Kind kennt noch keinen Unterschied zwischen Werk- und Feiertagen. In den meisten Familien sind am Wochenende – im Gegensatz zu den Arbeitstagen – alle zu Hause. Vom Kind wird das als etwas Spezielles erlebt.
Eltern haben an Wochenenden spezielle Bedürfnisse. Einerseits möchten sie vielleicht die «freie» Zeit für sich nutzen, sportlich aktiv sein oder sich einem Hobby widmen. Vielleicht würden Sie gerne gemeinsam ein paar Stunden allein verbringen, wieder einmal miteinander ausgehen. Andererseits bietet gerade das Wochenende Gelegenheit, das seltene Zusammensein als Familie zu geniessen.
So treffen viele, zum Teil widersprüchliche Bedürfnisse aufeinander. Mit einem Wochenendgespräch am Freitagabend oder am Samstagmorgen kann abgeklärt werden, wer was wann macht an diesen zwei «freien» Tagen und wer welche Pflichten übernimmt. Teilen Sie Ihre Erwartungen und Wünsche Ihrer Partnerin, Ihrem Partner mit, diskutieren Sie darüber und treffen Sie klare Abmachungen.
Dabei gilt es, gegenseitig tolerant zu sein. Der «Wochenend-Papa», die «Wochenend-Mama» braucht vielleicht etwas Zeit, um sich vom Berufsalltag auf das Familienleben umzustellen. Falls ein Elternteil während der Woche hauptsächlich für das Kind verantwortlich ist, dann fühlt er oder sie sich oft ausgelaugt von der dauernden Beanspruchung und möchte deshalb die Betreuung des Kindes gerne dem Partner, der Partnerin übergeben. Warum nicht einen Babysitter (Grosseltern, Nachbarn) für den Samstagmorgen anfragen? Dies gäbe Luft für alle! Meist sind zu hohe Erwartungen an das Wochenende der Grund für Enttäuschungen und Streitereien.
Ganz wichtig ist die Wochenendplanung – und eine allfällige Unterstützung durch einen Babysitter – auch für Alleinerziehende. «Kinderlose» Wochenenden oder Stunden geben neue Kraft und Energie für den anstrengenden Alltag. Es kann bereichernd sein, den Kontakt mit anderen Alleinerziehenden und Familien zu pflegen. Sie können vom Zusammensein mit anderen Eltern profitieren, und Ihr Kind freut sich wahrscheinlich je länger, je mehr über den Kontakt zu anderen Kindern.
Manche Väter oder Mütter haben nur am Wochenende ausgiebig Zeit für ihre Kinder. Haben Sie auch das Gefühl, Sie müssten Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn an diesen Tagen etwas Besonderes bieten? Warum eigentlich? Attraktionen sind für ein Kleinkind häufig anstrengend und braucht es gar nicht.
Für Ihr Kind kann es bereits spannend genug sein, wenn es mit Ihnen zusammen mit Nachbars Katze oder Hund spielen darf. Oder es ist vollauf zufrieden, wenn Sie sich die Zeit nehmen, um mit ihm Bilderbücher anzuschauen. Weniger ist oft mehr. Und am allerwichtigsten ist, dass Sie innerlich ganz «dabei» sind, wenn Sie sich mit Ihrem Kind beschäftigen.
Seien Sie nicht enttäuscht und haben Sie Geduld, wenn Ihr Kind im Zusammensein mit Ihnen Anlaufschwierigkeiten hat. Manche Kinder brauchen am Wochenende Zeit, um sich auf die spezielle Situation einzustellen.
Wieder einmal richtig ausschlafen ist ein Wunschtraum vieler Eltern! Am Samstagabend wird es manchmal etwas spät: Sie sind ausgegangen oder mit Gästen bis nach Mitternacht gemütlich zusammengesessen. Doch Ihr Kind ist am Sonntagmorgen so munter wie immer! Es hat ja auch nicht gefeiert. Und da man kein Kleinkind dazu bringen kann, länger zu schlafen, als es will, können wir Ihnen nur folgenden Tipp geben: An einem Sonntag steht ein Elternteil früh auf und übernimmt die Betreuung des Kindes. Am nächsten Sonntag ist dann der andere Elternteil an der Reihe. Vielleicht darf sich ja der Frühaufsteher am Nachmittag auch nochmals kurz hinlegen. Machen Sie diese Regelung vorher ab.
Wenn unter der Woche mehrheitlich nur ein Elternteil präsent ist und sich an den Wochenenden der sonst abwesende Elternteil ebenfalls um das Kind kümmert, werden vielleicht diese Tage dazu genutzt, um Erziehungsgrundsätze in die Tat umzusetzen. Es ist für das Kind jedoch sehr irritierend, wenn am Samstag und Sonntag strengere Regeln gelten und es ständig unter der wachsamen Kontrolle seiner Eltern ist. Umgekehrt fällt es ihm aber auch schwer, sich zu orientieren, wenn plötzlich anderes und mehr erlaubt ist als unter der Woche.
Mami sagt «Nein», Papi sagt «Ja», und plötzlich streiten sie darüber, ob nun das eine oder das andere gilt: Prallen am Wochenende unterschiedliche Erziehungsvorstelllungen aufeinander, kann das für das Kind sehr verwirrend sein. In der Regel können Kinder sehr gut damit umgehen, dass bei Mama und Papa die Regeln nicht genau gleich sind. Wenn jedoch beide Elternteile präsent sind und ihre Erziehungsaufgabe wahrnehmen, ist es wichtig, dass sie sich vor dem Kind einig sind. Versuchen Sie, hinter dem zu stehen, was Ihr Partner, Ihre Partnerin gerade entscheidet, und besprechen Sie eventuelle Uneinigkeiten später in Ruhe.
Ist ein Kind samstags und sonntags besonders quengelig, kann dies verschiedene Gründe haben. Manchmal besteht ein Zusammenhang mit den Wochenendgewohnheiten der Eltern. In vielen Familien ist der Samstag Einkaufstag. Oft läuft auch der Fernsehapparat am Wochenende besonders häufig. Sowohl längere Einkaufstouren mit dem Kind als auch ein ständig laufender Fernsehapparat bedeuten, dass das Kind mit sehr vielen wechselnden Eindrücken konfrontiert wird.
Erwachsene unterschätzen manchmal, dass ein Zuviel an Geräuschen und Bildern eine Reizüberflutung zur Folge hat, auf die das Kind mit Unruhe und Unzufriedenheit reagiert. Vielleicht möchten die Eltern an den Wochenenden alles ein wenig lockerer nehmen, die Essens- und Zubettgehzeiten spontaner festlegen als unter der Woche üblich. Oft haben Kinder jedoch Mühe, sich zurechtzufinden, wenn der Tagesablauf völlig anders ist als gewöhnlich.