Ein Jahr und zehn Monate
Die Natur schenkt jedem Kind gesunde Milchzähne. Pflege und Ernährung tragen dazu bei, dass die Zähne gesund bleiben.
Wahrscheinlich weiss Ihr Kind schon, dass das Putzen der Zähne zur täglichen Körperpflege gehört. Der häufige Genuss zuckerhaltiger Speisen und Getränke ist die Hauptursache von Karies. Bakterien in den Zahnbelägen (Plaque) vergären den Zucker innerhalb weniger Minuten zu Säuren, die Zahnschmelz und Zahnbein angreifen. Werden die Beläge täglich sorgfältig entfernt und wird auf zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten verzichtet, lässt sich Zahnkaries weitgehend vermeiden.
Fast alle Jungen und Mädchen lieben Süssigkeiten. Meist kommen sie schon früh in Berührung damit, mit oder auch ohne Einverständnis der Eltern. Zuckerhaltige Nahrungsmittel lassen sich kaum vermeiden. Das ist auch nicht nötig. Es ist jedoch wichtig, dass kleine Kinder nicht wahllos Süsses zu sich nehmen.
Oft scheint es die einfachste Lösung, einem quengelnden, müden Kind zur Beruhigung etwas Süsses zu geben. Diese «Tröster» schaden jedoch nicht nur den Zähnen, sondern verhindern auch, dass das Kind lernt, mit seinen Unlustgefühlen umzugehen. Essen soll weder als Belohnung noch zur Beruhigung oder als Beschäftigung eingesetzt werden.
Langeweile, Müdigkeit, Gereiztheit sind unangenehme Gefühle. Wird auf solche Gefühle ständig mit dem Verabreichen von Süssigkeiten oder süssen Getränken reagiert, gewöhnen sich die Kinder daran, Unlustgefühle sofort mit «Hilfsmitteln» zu beseitigen.
Geben Sie Ihrem Kind lieber die Chance zu lernen, wie es Frustrationen aushalten und aus eigener Kraft überwinden kann. Unterstützen Sie Ihr Kind, indem Sie versuchen herauszufinden, warum es so reagiert. Vielleicht hilft ihm Zuwendung, beispielsweise auf den Arm nehmen, um seine unguten Gefühle zu überwinden.
Achten Sie auch bei den Zwischenmahlzeiten auf eine gesunde Ernährung. Manchmal ist man sich als Mutter oder als Vater gar nicht bewusst, dass der verabreichte Riegel sehr viel Zucker enthält. Oder dass beispielsweise Frühstückscerealien, Fruchtjoghurt, Dörrobst, Fruchtsäfte oder Babybiscuits meist nicht zuckerfrei sind und Karies verursachen können. Süsse Snacks werden schnell zur Gewohnheit. Auch ein Dessert sollte eine Ausnahme bleiben.
Speisen, die den Zähnen nicht schaden und die dem Kind schmecken, sind mit Fantasie und durch Ausprobieren leicht zu finden. Dazu zählen alle frischen Früchte und Gemüse wie Äpfel, Birnen, Karotten und Gurken, aber auch Brot. Vielleicht haben andere Eltern ebenfalls einige Tipps für Zwischenmahlzeiten? Fragen Sie doch einmal nach. Ideen lassen sich auch in speziellen Kochbüchern für Kinderernährung finden oder im Internet, zum Beispiel auf der Seite der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung. Zwischenmahlzeiten mit Früchten oder rohem Gemüse sind besonders attraktiv und verlockend, wenn sie in verschiedene Formen geschnitten und auf dem Teller schön arrangiert werden.
Süssigkeiten, die mit dem «Zahnmännchen» und dem Begriff «zahnfreundlich» gekennzeichnet sind, schaden den Zähnen nicht. Die darin enthaltenen Zuckerersatzstoffe können jedoch in grösseren Mengen Durchfall verursachen und gewöhnen Kinder genauso an Süssigkeiten wie «normaler» Zucker.
Andere Zuckerarten wie Traubenzucker und Fruchtzucker sind für die Zähne ebenso ungesund wie Kristallzucker. Normale Früchte sind weniger ein Problem. Doch vermeintlich gesunde Sachen wie Dörrfrüchte, Fruchtsaft wie beispielsweise Apfelsaft oder Smoothies können die Zähne schädigen. Sie sollten daher in kleinen Mengen und nicht zu oft gereicht werden. Oft schenken Verwandte und Bekannte dem Kind Süssigkeiten, «um ihm eine Freude zu machen» oder «weil es doch so gerne Süsses hat». Kommen solche lieb gemeinten Gesten zu häufig vor, können Sie darauf hinweisen, dass Essgeschenke zwar wunderbar schmecken, aber nicht gut für die Zahngesundheit Ihres Kindes sind. Zudem sind unnötige Kalorien auch Ursache für Übergewicht. Geben Sie Ideen für Kleinigkeiten weiter, über die sich Ihr Kind freuen würde. Sagen Sie beispielsweise, wie fasziniert Ihre Tochter von Seifenblasen ist.
Wenn Sie unsere Empfehlungen, «mit dem Zähneputzen ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes anzufangen», umgesetzt haben, ist Ihr Kind jetzt mit dem Ritual des Zähnebürstens bestens vertraut. Viel Geduld von Ihrer Seite ist nach wie vor nötig, um die Zahnreinigung ohne Ausnahmen täglich durchzuführen. In diesem Alter ist es normal, dass Kinder nach Lust und Laune auf ihre Zahnbürste beissen und daran saugen, was ein häufiges Ersetzen der Zahnbürste nötig macht. Nachbürsten bleibt weiterhin unverzichtbar, um Plaque und Speisereste wirkungsvoll zu entfernen.
Auch im zweiten Lebensjahr lutschen und nuckeln viele Kinder, um den Schlaf zu finden, um sich zu beruhigen, aus Langeweile oder aus Müdigkeit. Ihr bevorzugtes «Nuckelmittel» haben die Kinder längst gewählt: einige bevorzugen den Daumen, andere den «Nuggi». Manche Kinder saugen auch an Deckenzipfeln, «Nuschi», Windeln und so weiter. Einem Kind dies abzugewöhnen oder zu verbieten, ist weder sinnvoll noch durchführbar. Eine Beschränkung ist unmöglich, wenn das Kind an den Fingern nuckelt. Verzichten Sie darauf, es ständig zu ermahnen, diese aus dem Mund zu nehmen. Mit zunehmendem Alter wird die Häufigkeit des Lutschens abnehmen.
Verwendet das Kind ein Hilfsmittel wie zum Beispiel einen «Nuggi», können Sie den Gebrauch schrittweise beschränken, damit es nicht zur Gewohnheit wird, dass ihn das Kind ununterbrochen im Mund behält. So wird dann später auch der Abschied vom «Nuggi» einfacher. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es ihn zum Beispiel beim Einkaufen in seinem kleinen Rucksack versorgt oder dass er bei der Puppe wartet, bis es vom Spielen im Sandhaufen zurückkommt. Schaffen Sie für den «Nuggi» in Form einer speziellen «Nuggi»-Dose einen «Ort des Rückzugs». Beim Sprechen sollte das Kind den «Nuggi» im aus dem Mund nehmen. Wenn es stets mit dem Schnuller im Mund spricht, besteht die Gefahr, dass sich die Sprache nicht richtig entwickeln kann.
Wegen der Zahnstellung empfehlen Zahnärzte, das Kind ab dem dritten Lebensjahr vom «Nuggi» zu entwöhnen. Hat sich Ihr Kind bis dahin bereits daran gewöhnt, längere Zeiten – zum Beispiel beim Spielen oder auswärts – ohne «Nuggi» zu sein, wird ihm die unwiderrufliche Trennung vom «Nuggi» einfacher fallen. Mit etwas Fantasie finden Eltern bestimmt wirkungsvolle Möglichkeiten, um ihrem Kind zu helfen, sich vom «Nuggi» zu verabschieden. Bewährt haben sich beispielsweise Tauschgeschäfte: Die Nuggifee holt den Schnuller nachts und legt etwas unter das Kissen. Oder Samichlaus, Osterhase tauschen den «Nuggi» gegen ein Chlaussäckli oder Osterkörbchen ein. Viele Kinderärztinnen und Kinderärzte nehmen «Nuggis» von ihren kleinen Patienten an und schenken ihnen dafür ein Spielzeug. Weitere Möglichkeiten sind: Den Schnuller zusammen mit dem Kind an einen Nuggibaum zu hängen. Alle «Nuggis» einsammeln und ein Paket an eine «geheime» Adresse schicken. Anonym schickt der Götti oder die Grossmama nachher eine Überraschung zurück. Machen Sie mit Ihrem Kind die passende Zeremonie ab und freuen Sie sich mit ihm danach über den gelungenen Abschied.
Die Umstellung von der Schoppenflasche zur Tasse hat vielleicht schon begonnen, und sonst ist jetzt ein guter Zeitpunkt dafür. In diesem Alter braucht das Kind die Schoppenflasche nicht mehr. Äussert Ihr Kind den Wunsch nach «etwas» zu trinken, so bieten Sie ihm Leitungswasser in einer Tasse oder einem Becher an.
Als Durstlöscher sollten Kinder keine gesüssten Getränke oder verdünnte Schoppennahrung zu sich nehmen. Ziehen Sie dabei in Betracht, dass das Durstgefühl bei Kindern sehr unterschiedlich ist. Manche Kinder haben mehr Durst als andere. Machen Sie sich demzufolge und solange das Kind gesund ist, keine Sorgen, dass es zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt. Es trinkt so viel, wie es braucht.