Fünf Jahre und sechs Monate
Ob Sie nun Ihren Beruf (für eine Weile) an den Nagel gehängt haben, Teilzeit oder Vollzeit erwerbstätig sind: Es gibt verschiedenste Möglichkeiten, wie Erwachsene sich die Arbeit ausser Haus aufteilen.
Ein Hauptthema dabei ist die Belastung.
Wenn Familienarbeit und Berufstätigkeit strikt getrennt werden, ist heute noch meist die Mutter für Haus und Familie zuständig, während der Vater die volle finanzielle Verantwortung übernimmt. Klare Rollenteilung hat ihre Vorteile, jede und jeder schaltet und waltet relativ selbstständig . Doch ohne Austausch über Glück und Sorgen, ohne Anteilnahme kann die einseitige Aufgabe isolieren und belasten. Ein Rollentausch (berufstätige Person nimmt ein paar Tage frei, die im Hause tätige engagiert sich ausser Haus) kann Verständnis für die Situation des anderen wecken.
Teilen sich die Eltern hingegen Erwerbs- und Hausarbeit, beziehungsweise arbeiten Alleinerziehende ausser Haus, so gibt es viel zu organisieren. Doppel- und Dreifachanforderungen in Beruf, Haushalt und Familie werden häufig zu Doppel- und Dreifachlasten. Und immer noch bleibt gerade der Haushalt oft an den Frauen hängen.
Ein gemeinsamer Zeitplan hilft, Hausarbeit, Berufsarbeit, Familienarbeit und Freizeit gerecht zu verteilen: «Wie viel Zeit habe ich für was zur Verfügung, wie viel du?»
Wird die Belastung erdrückend? Ist Ihnen in Ihrer Rolle nicht (mehr) wohl? Der Spielraum für Veränderungen ist nicht immer gleich, manchmal hat man keine grosse Wahl, es bremsen finanzielle Vorbehalte. Manchmal aber kann, gemeinsam mit Arbeitgebenden oder Beratungsstellen, nach neuen Lösungen gesucht werden.
Oft lohnt es sich auch, in politischen Gremien darüber nachzudenken, wie sich Hürden beseitigen liessen (zum Beispiel mit der Gründung eines Mittagstisches im Quartier). Und in einigen Fällen braucht es einfach etwas Mut, Neues auszuprobieren. Zum Beispiel:
Wird ein Kind geboren, reduziert oft ein Elternteil sein Pensum. Weniger Lohn muss nun plötzlich für alle reichen. Auch wenn ein Paar sich die Erwerbsarbeit aufteilt, wirkt sich das auf den Familienlohn aus, denn immer noch sind viele Frauen schlechter bezahlt als Männer. Und wenn beide gleichzeitig arbeiten oder jemand alleine erzieht, braucht es häufig zusätzlich Geld für familienexterne Kinderbetreuung.
Dass es aus diesen und anderen Gründen manchmal knapp wird, manchmal ganz einfach nicht reicht, ist klar. Doch Armut und Geldprobleme werden tabuisiert. Nicht wenige Familien und besonders häufig Alleinerziehende leiden unter Geldsorgen, ohne dass die Umwelt etwas davon weiss. Dabei wäre der Austausch von Erfahrungen, Lösungen, Tipps, Adressen von Kleiderbörsen, Daten von Floh- oder Tauschmärkten oder Öffnungszeiten von Ludotheken angesagt.
Dauern die Geldsorgen an, lohnt sich der Gang zu den kantonalen Budgetberatungsstellen. Neutrale Personen beraten anonym und mit einem grossen Erfahrungshintergrund. Sie bieten Hilfe zur Selbsthilfe. Man entscheidet gemeinsam, unter Einbezug aller Beteiligten, wo etwas eingespart werden kann und wo finanzielle Hilfe oder staatliche Unterstützung (zum Beispiel die Reduktion der Krankenkassenprämien, Alimentenbevorschussung u. Ä.) in Anspruch genommen werden können.
Viele Familien sind vorwiegend in der Freizeit zusammen, am Abend, am Wochenende oder in den Ferien. Dann prallen nicht selten die verschiedensten Bedürfnisse aufeinander: Flexibilität ist gefragt, wenn unterschiedlichste Vorstellungen zum Thema Freizeit unter einen Hut gebracht werden müssen. Wenn ein Riesenangebot verschiedenster Möglichkeiten zusätzliche Bedürfnisse weckt. Wenn je nach Familienform am Wochenende plötzlich doppelt so viele Kinder und Wünsche da sind oder aber jedes zweite Wochenende gar keines.
Gerade mit Vorschulkindern gilt häufig «Weniger ist mehr!». Meist liegen kindgerechte und erschwingliche Möglichkeiten vor der Haustüre, denn Kinder brauchen vor allem
«Ein Ausflug war geplant und dann das: Regen in Strömen. Wir blieben enttäuscht zu Hause. Die Kinder fassten sich als Erste und begannen zu spielen. Und plötzlich sass die ganze Familie da und baute an einer Landschaft aus Lego.»
Sandra, 37 Jahre
Konflikte sind vorprogrammiert, wenn alle auf der Vorstellung beharren, auf die er oder sie sich die ganze Woche insgeheim gefreut hat. Deshalb dazu einige Gedanken:
Und wieso nicht täglich «eine halbe Stunde Ferien» geniessen, statt eigene und Kinderbedürfnisse allzu häufig auf «später» zu verschieben?