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Vertrautes und Unvertrautes

7. Monat

Etwa mit acht Monaten beginnt die Phase des «Fremdelns». Sobald sich unbekannte Personen dem Baby nähern, sucht es Ihre Nähe. Durch Weinen oder sich Sträuben drückt es sein Unbehagen aus. Mehr zum Umgang mit solchen Signalen.

Immer deutlicher unterscheidet Ihr Kind nun zwischen Vertrautem und Unvertrautem: Unbekanntes kann es beunruhigen. Das deutlichere «Fremdeln» tritt zwar im Allgemeinen etwas später auf – ungefähr mit acht Monaten –, doch schon viel früher reagieren einige Kinder irritiert, wenn ihnen unbekannte Menschen zu nahe kommen.

Haben Sie Verständnis dafür, denn so, wie wir Erwachsenen normalerweise nur Menschen umarmen, die wir gern mögen, so muss sich auch ein kleines Kind davor sträuben dürfen, dass ihm Unbekannte oder Menschen, die es als fremd empfindet, allzu nahe kommen.

Sich dem Baby zurückhaltend nähern

Häufig möchten alle das Kind in die Arme nehmen, streicheln und knuddeln, weil es so herzig ist. Einige Kinder mögen das nicht. Das sollten Eltern wahrnehmen, respektieren und nach aussen vertreten. Ihr Kind kann sein Unbehagen selbst noch nicht in Worten ausdrücken, ergreifen Sie daher das Wort und setzen Sie allzu überschwänglichen Menschen klare Grenzen. Dazu gehören auch so vertraute Personen wie Grosseltern, Tanten und Onkel, Gotte und Götti.

Erklären Sie Erwachsenen, dass sie sich Ihrem Kind behutsam und zurückhaltend nähern und ihm Zeit lassen sollen, sie besser kennenzulernen. Sie als Eltern sind jetzt besonders wichtig für lhr Kind: Sie sind der sichere «Ort», von dem aus es langsam die Welt und die Menschen «draussen» erkundet und wohin es sich jederzeit zurückziehen kann, wenn das Fremde bedrohlich erscheint.

Was tun gegen kinderfeindliches Verhalten?

Wenn Kinder lachen und weinen, quietschen und schreien, spielen und streiten, krabbeln und herumtollen, fallen sie auf. Sie sind laut, schaffen Unordnung und brauchen viel Raum. So sind Kinder, in ihrer Sinnlichkeit und Natürlichkeit, in ihrer Spontaneität und Direktheit, und so sollten sie auch sein dürfen.

Leider sehen das nicht alle Leute so. Wir leben in einer eher kinderfeindlichen Gesellschaft, die dem Nachwuchs nicht viel Raum zur freien Entfaltung zugesteht. Für Familien fehlt es vielerorts an Einfühlungsvermögen, Verständnis und Toleranz.

Wie vorsichtig bewegen Sie sich in der Öffentlichkeit mit Ihrem Kind?

Haben Sie sich auch schon gefragt, wie viel Raum Sie sich überhaupt nehmen dürfen, wie beliebt man mit Kindern überhaupt ist? Zum Beispiel dann, wenn das Baby lauthals schreit und man in einer Schlange an der Kasse steht, oder wenn man mit einem Kinderwagen in einen vollen Bus einsteigen will …

Es gibt überall Menschen, die wenig Verständnis für kleine Kinder haben, die empfindlich reagieren und sich durch Kinder gestört fühlen. Ein weinendes Baby kann sie mehr aufregen als der Strassenlärm rund um die Wohnung, mehr auch als die dröhnenden Maschinen am Arbeitsplatz oder die Musikberieselung im Shoppingcenter.







Illustration Kind schreit im Einkaufswagen.

Wie gehen Sie mit unangenehmen Situationen um?

Sieht Ihr Kind speziell aus, hat Ihr Kind eine sichtbare Beeinträchtigung, oder zeigt es ein sogenannt «auffälliges Verhalten», kann es sein, dass Sie und Ihr Kind noch stärker mit unangenehmen Reaktionen – wie etwa ungehemmtem Starren – konfrontiert werden. Ein Rezept, wie Sie auf solche Menschen reagieren können, gibt es leider nicht.

Je nach Ihrem Temperament werden Sie zornig oder verletzt reagieren oder sich gar schuldig fühlen, wenn jemand seine Unzufriedenheit auf Sie und Ihr Kind abwälzt. Vielleicht versuchen Sie, wenn sich Ihr erster Ärger ein wenig gelegt hat, in Kontakt zu kommen. Es sind zwar nicht alle Menschen Eltern, doch alle waren einmal Kinder.

Sich für die Bedürfnisse der Kinder einsetzen

Oft steckt hinter dem unfreundlichen Verhalten mangelndes Vorstellungs- und Einfühlungsvermögen. Ein Gespräch bringt unter Umständen mehr Verständnis. Manchmal hilft auch eine humorvolle Bemerkung, die Situation zu entspannen.

Denken Sie bei solchen Gesprächen und auch bei allfälligen Auseinandersetzungen daran, dass es wichtig ist, sich in der heutigen Zeit für die Bedürfnisse von Kindern stark zu machen. Lassen Sie sich als Familie nicht kleinkriegen – setzen Sie sich ein, im Kleinen wie im Grossen.

Fordern Sie Ihre Rechte ein und machen Sie auf Ihre Bedürfnisse aufmerksam im privaten Raum, am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit, in unserer Gesellschaft. Schliessen Sie sich dafür auch mit anderen Eltern zusammen, in Quartiervereinen, in Elternvereinen. Kinder kann man nicht in den eigenen vier Wänden verstecken; für ihre Entwicklung brauchen sie anregende Spiel-, Bewegungs- und Begegnungsräume, die ihnen vielfältige Erfahrungen ermöglichen.

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