12. Monat
Als alleinerziehender Elternteil haben Sie in den vergangenen elf Monaten eine riesige Leistung vollbracht. Ihre Doppelbelastung als alleinerziehender Elternteil ist anspruchsvoll und verlangt viel Kraft, Belastungsfähigkeit und Organisationsgeschick.
Haben Sie inzwischen Ihren eigenen Rhythmus, Ihre eigene Organisationsform gefunden, eventuell mit Unterstützung aus dem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis? Konnten Sie dadurch auch etwas Zeit und Raum für sich gewinnen? Oder geht es Ihnen noch häufig so, dass neben der Berufs- und Familienarbeit ganz einfach Zeit und Energie fehlen, um überhaupt wegzugehen und aktiv zu werden?
Wir möchten Sie ein weiteres Mal dazu ermutigen, Prioritäten zu setzen, die sich an Ihren Bedürfnissen orientieren – und nicht nur an denjenigen Ihres Kindes. Vielleicht empfinden Sie den jetzigen Entwicklungsstand Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter als besonders anstrengend, denn aus dem Baby ist ein lebendiges Kleinkind geworden, das viel Aufmerksamkeit verlangt.
Teilen Sie den Personen, die Ihnen nahestehen, mit, wenn Sie Unterstützung brauchen. Manchmal tut es nur schon gut, wieder einmal eine ruhige Stunde für sich zu haben – noch besser ist natürlich ein ganzer Nachmittag oder Abend. Mit «Unterstützung» ist aber nicht ausschliesslich Babysitten gemeint, sondern auch Entlastung in Form von gemeinsamen Aktivitäten mit anderen Familien.
Versuchen Sie, alte Freundschaften zu pflegen oder neue zu knüpfen, auch wenn es für Sie im Moment vielleicht anstrengend ist, nach aussen zu treten. Sie werden vom Zusammensein mit anderen Eltern und Ihr Kind durch den Kontakt mit anderen Kindern profitieren.
Immer wieder kommen wir in den Elternbriefen auf die Bedeutung beider Elternteile zu sprechen. Je nachdem, wie Ihre Beziehung zum Vater oder zur Mutter Ihres Kindes ist, können diese Aussagen für Sie belastend sein. Jede Trennung ist ein Abschied und mit Schmerzen verbunden. Es braucht Zeit, bis verletzte Gefühle verheilen.
Manchmal ist dieser Prozess auch mit Wut oder Hass auf den anderen Elternteil verbunden. Für Ihr Kind ist es trotzdem wichtig, dass Sie als Eltern eine Ebene finden, auf der gemeinsame Elternschaft möglich wird. Ihr Kind soll spüren, dass es in Ordnung ist, Mutter und Vater zu lieben oder mindestens mit der Zeit zu beiden ein eigenes, geklärtes Verhältnis zu haben.
Wenn Sie zum Vater oder zur Mutter des Kindes keine Beziehung herstellen können oder wollen, so versuchen Sie, für Ihr Kind ein inneres Vater- oder Mutterbild aufrechtzuerhalten. Oft wird es für Sie vielleicht schwierig sein, die eigenen Gefühle von den Bedürfnissen des Kindes zu trennen. Für Ihr Kind ist es aber wichtig, zu wissen, wer der andere Elternteil ist, auch wenn er nicht präsent ist. Erzählen Sie Ihrem Kind von ihm, schliessen Sie ihn in Ihre Gemeinschaft mit ein.
Fehlt der Vater im Familienleben, so können Kontakte zu anderen Männern, wie zum Beispiel zu einem Kollegen, zum Freund, zum Onkel, zum Grossvater oder zum Götti Ihrem Kind helfen, ein Bild zu entwickeln über das, was es heisst, Mann zu sein. Durch eine regelmässige und verlässliche Beziehung kann Ihr Kind bereichernde Erfahrungen machen, die wichtig für seine Identitätsentwicklung sind. Fehlt die Mutter, ist es natürlich genauso wichtig, Kontakte zu anderen Frauen herzustellen.