Fünf Jahre und drei Monate
Kaut Ihr Kind auf seinem Pulli herum oder nässt es plötzlich wieder ein? Solche Herausforderungen treffen viele Eltern an. Es gilt herauszufinden, was dahintersteckt.
Jedes Kind, jede Familienkonstellation ist einmalig, entsprechend gibt es keine allgemeingültigen Ursachen und Lösungen für ein Problem. Es gibt jedoch einige Schwierigkeiten, die häufig vorkommen:
Wenn Tim besonders aufgeregt und nervös ist, nimmt er den Kragen oder Ärmel seines Pullis in den Mund und saugt so lange daran herum, bis der Stoff ganz aufgeweicht ist. Wenn Tim das tut, wird auch sein Vater ganz kribbelig, vor allem, wenn das «Pullichätsche» in aller Öffentlichkeit stattfindet. Schon oft hat er Tim den Ärmel aus dem Mund gezogen, ihm gesagt, wie «gruusig» das ist, doch einen Moment später war der Ärmel bereits wieder im Mund verschwunden.
Vielleicht kennen Sie dieses oder ein anderes «Mödeli» auch von Ihrem Kind? Und vermutlich löst es auch in Ihnen gleichzeitig Ärger und Verunsicherung aus.
Kinder drücken oft ihr inneres Leben, ihre verborgenen Bedürfnisse und Sorgen durch Fingerlutschen, Nägelkauen, nervöse Zuckungen, Nasenbohren, «Pullichätsche» und so weiter aus.
Manche Angewohnheiten bleiben über einen längeren Zeitraum bestehen, andere verschwinden genauso plötzlich, wie sie gekommen sind. Eingreifen? Verbieten? Nichts sagen? Eines ist sicher – solche Verhaltensweisen sind nicht mit Schimpfen und Strafen abzugewöhnen, denn sie sind weder absichtlich angeeignet, noch lassen sie sich durch den Willen kontrollieren.
Auch wenn es ziemlich schwerfällt: Übersehen Sie nach Möglichkeit das störende Verhalten. Versuchen Sie herauszufinden, was dahintersteckt.
Kinder klagen häufig über Bauchweh. Bei akuten Schmerzen, vor allem, wenn sie mit Fieber, Erbrechen oder Durchfall einhergehen, handelt es sich um eine organische Erkrankung, die der ärztlichen Hilfe bedarf. Wiederholtes Bauchweh sollte immer medizinisch abgeklärt werden, da es die verschiedensten Ursachen haben kann.
Stellt sich heraus, dass dem Bauchweh keine organische Erkrankung zugrunde liegt, so sollte gemeinsam herausgefunden werden, warum der Bauch wehtut. Vielleicht immer dann, wenn das Kind sich bedrängt oder missverstanden fühlt oder vor etwas Angst hat?
Körperliche Schmerzen können einen Zusammenhang mit seelischen Belastungen haben. Gerade im Alter Ihres Kindes äussern sich Spannungszustände häufig in Bauchweh. Vielleicht können Sie Ihrem Kind erklären, dass seine Angst oder Aufregung im Bauch sitzt und macht, dass der Bauch wehtut.
Eine erste Hilfe bei «seelischem Bauchweh» sind ein warmer Bauchwickel und etwas Tee, verbunden mit Zuwendung und Liebe. Entwickeln Sie mit Ihrem Kind Tricks und Tipps, wie es die Spannung aktiv abbauen kann, zum Beispiel bei aufkommender Angst tief durchatmen, einen Mutmachvers aufsagen oder einen Glücksstein in die Hand nehmen. Auch Bilderbücher können helfen, gute und schlechte Gefühle wahrzunehmen und darüber zu reden.
Bis zum Alter von vier, fünf Jahren kann man eigentlich nicht von Einnässen reden. Auch bei älteren Kindern kann es noch lange vorkommen, dass sie weder in der Nacht noch tagsüber trocken sind. Das Trockenwerden braucht seine Zeit, Rückfälle sind möglich. Die einen Kinder sind früher trocken, die anderen später. Das hängt von der körperlichen Entwicklung und Reifung ab und ist keine Frage der Disziplin oder der Erziehung. Daher macht es keinen Sinn, sich selbst oder dem Kind Vorwürfe zu machen oder es gar zu strafen. Auch Bedrängen, Vergleiche mit anderen Kindern oder Versprechen von Belohnungen sind keine Lösung. Das Gleiche gilt fürs «Wieder-Einnässen» – dahinter können auch andere Gründe stecken: Bedrückt Ihr Kind etwas? Ist es überfordert? Hat es gerade ein Geschwisterchen bekommen?
Versuchen Sie, dem (wieder) einnässenden Kind mit Verständnis zu begegnen und scheuen Sie sich nicht, Ihren Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin um Rat zu fragen, wenn Sie verunsichert oder beunruhigt sind.
Wenn Eltern verzweifelt fragen, wie sie ihr Kind zum Schlafen bringen können, geht es oft um das Wohlbefinden der ganzen Familie. Denn nicht nur für das Kind ist das Nicht-Einschlafen-Können mit Leid verbunden, auch die elterlichen Nerven sind in der Zerreissprobe. Manchmal stecken ganz einfache Gründe dahinter, wie zu viel Schlaf, falsche Zubettgehzeit, ein aufregendes Tageserlebnis, ein furchteinflössender Film, ausgelassenes Toben vor dem Schlafengehen, störende Nebengeräusche, ein unbequemes Bett und so weiter.
Den Grund zu finden, ist der erste Schritt zu ungestörter Nachtruhe. Hilfreich kann dabei ein Schlaftagebuch sein. Notieren Sie darin, was dazu beigetragen haben könnte, dass Ihr Kind Mühe hat, einzuschlafen. Halten Sie auch fest, wie viel Schlaf Ihr Kind braucht und wann es schläft. Oft lässt sich so feststellen, dass die Schlafdauer des Kindes durchaus der Norm entspricht, vielleicht muss der Tag nur etwas anders geplant werden. Nach wie vor wichtig ist auch das vertraute Einschlafritual, das zum Beispiel mit einer Gutenachtgeschichte, einer Massage, einem Lied oder einem Fussbad den Tag abschliesst und schlaffördernde Entspannung schafft.
Schlafschwierigkeiten können bei einer Erkrankung vorübergehend auftreten. Längerfristig können sie aber auch Ausdruck sein für aktuelle Belastungssituationen im Umfeld des Kindes (Familie, Kindergarten, Krippe, Hort). Sollte Ihr Kind wiederholt Mühe haben, einzuschlafen, oder in der Nacht immer wieder aufwachen, so lassen Sie sich fachlich beraten.