Due bimbi piccoli che litigano.

Streiten will gelernt sein

Zwei Jahre und neun Monate

Sind Kinder zusammen, lassen sich Auseinandersetzungen und Streitereien nicht vermeiden. Sie gehören zum sozialen Lernen.

Streitereien geben den Kindern die Möglichkeit, mehr über sich, die anderen und übers Miteinander zu erfahren: Was mag ich? Was mögen wir beide? Was funktioniert zusammen? Was nicht? Wann gebe ich nach? Was ist mir wichtig? Warum weint ein anderes Kind oder warum spielt es nicht mehr mit mir?

Manchmal aber sehen sich Eltern von Zwei-, Dreijährigen plötzlich vor die Tatsache gestellt, dass ihr Kind beisst, kratzt, andere an den Haaren reisst und wild um sich schlägt. Weshalb? Ein bestimmtes Mass an Aggressivität haben wir alle, denn dieses braucht es, um sich nicht entmutigen zu lassen, seine Meinung kundzutun und sich durchzusetzen. Sind sehr heftige Gefühle vorhanden, kann die Aggressivität jedoch ausufern. So sehen sich Mütter und Väter plötzlich einem wütenden Sprössling gegenüber, der seinen Ärger heftig demonstriert. Oder sie erleben das eigene Kind als «Opfer» eines zornigen Spielkameraden, einer zornigen Spielkameradin.

Für Eltern ist es nicht einfach, erleben zu müssen, dass das eigene Kind schlägt oder geschlagen wird. Mischen Sie sich aber bei Streitereien unter Kindern nicht zu schnell ein. Oft sind Kinder fähig, einen Streit allein zu beenden. Erst wenn Sie merken, dass die Kinder einen Konflikt nicht selber lösen können, ist Ihr Eingreifen nötig. Versuchen Sie, bei einem Streit immer beide Kinder anzusprechen, damit es nicht zu einseitigen Schuldzuweisungen kommt.







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Was steckt hinter aggressivem Verhalten?

Viele Kinder wollen in diesem Alter mehr, als sie bereits können. In diesem Zwiespalt von Wollen und Können fühlen sie sich ohnmächtig und werden unter Umständen wütend oder aggressiv gegenüber anderen Kindern (und Erwachsenen). Die folgenden Überlegungen sollen Ihnen als Eltern helfen, zu erkennen, welche Situationen für Ihr Kind im Moment schwierig sein könnten:

  • Läuft im Moment so viel, dass Ihr Kind kaum noch zur Ruhe kommt?

  • Kam kürzlich ein Geschwisterchen zur Welt? Könnte sich Ihr Erstgeborenes dadurch vernachlässigt oder verunsichert fühlen und versuchen, mehr Aufmerksamkeit auf sich zu lenken?

  • Könnte Ihr Kind sprachlich überfordert sein? Viele Kinder reagieren in diesem Alter frustriert, da ihnen noch die Worte fehlen, um sich auszudrücken.

  • Könnte Ihr Kind motorisch überfordert sein? Möchte ein Kind etwas erreichen, das schwierige motorische Fertigkeiten erfordert, beispielsweise anspruchsvolle Kletterübungen oder knifflige Knöpfe öffnen, und das noch nicht umsetzen kann, führt dies allenfalls zu heftigen Wutausbrüchen.

  • Könnte Ihr Kind mit dem Spielzeugangebot überfordert sein? Hat es zu viele oder zu komplizierte Spielsachen?

  • Sind die Spielsachen zu wenig vielfältig nutzbar? Könnte Ihr Kind deshalb unterfordert sein?

  • Schränken Sie das Kind zu sehr ein? Vielleicht darf es zu wenig selber tun? Aggressives Verhalten kann auch eine Reaktion auf die eigene Ohnmacht sein.

  • Auch Fernsehsendungen können aggressives Verhalten auslösen. Eine zu komplexe Handlung, eine Flut an Eindrücken und wechselnde Szenen überfordern das Kind. Umso wichtiger also, dass Kleinkinder – wenn überhaupt – nur ausgewählte und auf das Alter angepasste Inhalte zu sehen bekommen. Grundsätzlich sollten junge Kinder nur kurze Zeit vor dem Fernseher oder anderen Bildschirmmedien verbringen. Weil Kleinkinder noch nicht zwischen Wirklichkeit und Fiktion unterscheiden können, erscheint die Handlung real.

  • Gibt es Probleme in der Familie? Könnte Ihr Kind aus diesem Grund unbewusst versuchen, Sie davon abzulenken, indem es die Aufmerksamkeit auf sich lenkt?

Es besteht kein Grund zur Sorge, wenn Ihr Kind jetzt seine Konflikte manchmal noch «handfest» austrägt. Es wird sich mit jeder Streiterfahrung weiterentwickeln. Das Streiten wird mit der Sprachentwicklung auch neue Formen annehmen. Je mehr Sprache Ihrem Kind zur Verfügung steht, desto besser wird es seine Wünsche, Bedürfnisse, seine Enttäuschung und seinen Ärger in Worten ausdrücken können und braucht dann weniger Körpereinsatz dazu.

Ein Kind, das beisst oder schlägt, ist kein böses Kind

Aggressionen legen viel Energie frei und treiben uns an, Leistungen zu vollbringen, uns an schwierige Aufgaben zu wagen, uns mit andern auseinanderzusetzen. Gefährlich sind sie erst, wenn sie zerstörerische Formen annehmen. Wenn Ihr Kind im Spiel mit anderen Kindern häufig angriffslustig ist, ist es wichtig, den Gründen für sein Tun nachzugehen.

Manche Kinder reagieren in diesem Alter aggressiv, wenn sie etwas tun wollen, wozu sie von ihrer Entwicklung her noch nicht in der Lage sind. Beispielsweise, weil es noch an Geschicklichkeit fehlt oder an der richtigen Kraftdosierung, an der Sprachfähigkeit oder am Einfühlungsvermögen. Sie können Ihrem Kind in vielen Situationen helfen, indem Sie Überforderung im Voraus zu vermeiden versuchen, zum Beispiel, indem Sie die Spielsachen des Kindes überprüfen. Manchmal ist ein Kind überfordert, weil es zu viele Sachen zur Auswahl hat oder weil das Spielen mit bestimmten Spielsachen noch zu schwierig ist. Räumen Sie die Sachen, die Ihr Kind überfordern könnten, weg oder tauschen Sie sie aus, zum Beispiel kleine Klötze gegen grössere, mit denen es sich einfacher bauen lässt.

Nehmen Sie die Gefühle Ihres Kindes ernst. Benennen Sie die Wut, den Zorn, die Hilflosigkeit. Wenn Kinder lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen, können sie mit der Zeit immer besser ihre innere Balance regulieren. Wichtig ist auch, dass Sie Ihrem Kind ein Maximum an Autonomie zugestehen. Es wird zwar immer wieder an seine Grenzen stossen und kann darüber sehr wütend werden, doch diese Lernerfahrungen bringen es weiter. Greifen Sie also nicht zu schnell ein, wenn etwas nicht auf Anhieb gelingt.

Holen Sie sich Hilfe

Bereitet Ihnen das aggressive Verhalten Ihres Kindes Sorgen? Wird es wegen seines Verhaltens von anderen Kindern und Erwachsenen ausgeschlossen? Trauen Sie sich womöglich mit Ihrem Sohn, Ihrer Tochter nicht mehr unter die Leute? Dann sollten Sie unbedingt die Hilfe einer Fachperson in Anspruch nehmen. Gemeinsam werden die Gründe für die Aggressionen gesucht und auf spielerische Art neue Verhaltensweisen eingeübt. So kann dem Kind und auch Ihnen geholfen werden.

Es gibt auch Kinder, die zurückhaltender sind und sich gegenüber aggressiveren Kindern nicht wehren können. Das kann Mütter und Väter sehr betroffen und auch wütend machen. Dem Kind ist jedoch nicht geholfen, wenn Eltern es gegen andere Kinder verteidigen oder es gar dazu drängen, sich zu wehren. Dadurch könnte es noch mehr in Not geraten. Viel wichtiger ist, dem Kind Liebe, Sicherheit und Vertrauen entgegen zu bringen und ihm zu helfen, seine eigenen Stärken zu entdecken. So kann es mehr Selbstvertrauen und Selbstsicherheit entwickeln, mutiger werden und lernen, sich auf seine eigene Art und Weise zu wehren. Für Eltern bedeutet das: aushalten und ausharren – eine Haltung, die nicht unbedingt einfach ist.

Was tun, wenn Kinder streiten?

Es ist eine wichtige Aufgabe, dem Kind zu helfen, seinen Willen, seine Interessen und Anliegen zu vertreten und seinen Ärger auszudrücken, ohne andern wehzutun. Darauf sollten Sie achten, wenn Kinder streiten:

  • Liebesentzug oder Strafen verstärken das Problem und zeigen dem Kind keinen Weg auf, sich anders zu verhalten.

  • Ein aggressives Kind sucht oft mehr Aufmerksamkeit. Lassen Sie ihm diese vor allem in friedlichen Momenten zukommen und wenn möglich nicht im Moment der Aggression. Diese führt sonst aus der Sicht des Kindes immer zum «Erfolg». Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Kind, lesen Sie ihm eine Geschichte vor, kneten oder zeichnen Sie mit ihm.

  • Eine Veränderung der Spielsituation kann hitzige Köpfe auf andere Ideen bringen. Auch ein Spaziergang an der frischen Luft bringt Abwechslung und Abkühlung in die brodelnde Atmosphäre.

  • Häufig greifen Erwachsene zu schnell in kindliche Auseinandersetzungen ein. Die kleinen Streithähne finden nämlich meist selbst eine Lösung und versöhnen sich.

  • Vielen Eltern macht es zu schaffen, wenn ihr Kind beisst. Schliesslich schmerzt das die anderen Kinder tatsächlich sehr. Erklären Sie Ihrem Kind energisch, dass Beissen nicht erlaubt ist. Greifen Sie in solchen Situationen konsequent und klar ein und nehmen Sie das Kind zu sich.

  • Spitzt sich die Lage zu und ist freundschaftliches Spielen nicht mehr möglich, bringt es mehr, die beiden streitenden Kinder ohne Drohung und Schuldzuweisung zu trennen. Einige Minuten später oder spätestens beim nächsten Treffen sieht die Situation meist besser aus.

  • Machen Sie die Konflikte Ihres Kindes nicht zu Ihren eigenen. Reden Sie unter Eltern darüber. Liegen sich die Kinder im Moment ständig in den Haaren, ist es vielleicht besser, sie sehen sich eine Zeit lang nicht mehr. Vielleicht ergibt sich zwischendurch eine Gelegenheit, dass sich die Eltern ohne Kinder mal treffen.

  • Versuchen Sie zu beobachten, wann und warum ein Konflikt entsteht. Wiederholen sich solche Situationen? Können Sie daraus vielleicht Rückschlüsse ziehen, wie sich Konflikte vermeiden lassen?

Beruhigt sich die Situation gar nicht, kann es manchmal besser sein, wenn ein zaghaftes Kind vorübergehend mit jüngeren Kindern spielt oder nur mit einem einzelnen «Gspänli» zusammen ist. Falls Ihr Kind eine Kindertagesstätte besucht und in der Gruppe Schwierigkeiten hat, könnte eine kleinere Gruppe von Vorteil sein, um sich durchsetzen zu lernen. Sprechen Sie mit der Leitung darüber. Erkundigen Sie sich auch, wie sie die Situation beurteilt. Vielleicht nimmt sie Ihr Kind in der Gruppe ganz anders wahr, kann Sie beruhigen oder Ihnen wertvolle Anregungen geben.

Wo sind spielende Kinder anzutreffen?

Geht Ihr Kind auch gerne ins Freie? Kein Wunder, denn vor der Haustür geht die Welt weiter und bietet so viel Interessantes. Vor allem dann, wenn das «Draussen» viel Raum zum Bewegen, zum Toben, zum Lärmen, alleine und mit anderen Kindern, bietet. Gibt es einen Spielplatz in Ihrer Nähe? Kletternetz, Rutschbahn und Schaukel machen grossen Spass, aber es gibt auch viele andere Möglichkeiten, um draussen zu spielen! Dazu braucht es keine speziellen Geräte: eine Nische unter dem Balkon, ein grosser Stein oder eine kleine Mauer in der Wohnsiedlung bieten vielfältige Spielmöglichkeiten. Wo Kinder sind, bilden sich spontan Gruppen: Viele Orte können Kindertreffpunkt sein, wenn die Nachbarschaft grosszügig, kinderfreundlich und tolerant ist.

Möglicherweise leben aber in Ihrer unmittelbaren Nähe keine anderen Kinder? Es gibt in vielen Gemeinden und Stadtquartieren verschiedenste Kontaktmöglichkeiten. Sie reichen von der Spielgruppe über die «Chinderhüeti» bis zum «Mutter-Kind-Treff» in Familien- oder Freizeitzentren und Kirchgemeindehäusern. Vielleicht besuchen Sie zusammen das «Muki»- oder «Vaki»-Turnen (gemeinsames Turnen mit dem Kind)? Oder fragen Sie sich, ob es wirklich nötig ist, das Leben Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes jetzt schon zu organisieren? Die erwähnten Angebote sind durch die veränderten Wohn- und Lebenssituationen entstanden und entsprechen vielfach einem Bedürfnis. Sie sind wichtig, weil sie gute Möglichkeiten bieten, andere Kinder und Eltern zu treffen. Doch: Nicht jedes Kind muss in einer Spielgruppe sein. Nicht jede Mutter, jeder Vater muss regelmässig an organisierten Eltern-Kind-Aktivitäten teilnehmen. Die Hauptsache ist, dass Ihr Kind auf die eine oder andere Weise Kontakt zu anderen Kindern hat.

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