9. Monat
Wenn Ihr Kind zum ersten Mal krank ist, kann Sie das ängstigen. Dies ist normal, fehlt doch die Erfahrung, die Schwere einer Erkrankung einzuschätzen. Krankheit gehört jedoch zum Kindsein. Kontaktieren Sie im Zweifelsfall den Kinderarzt oder die Kinderärztin.
Bei Ihrem Kind treten in der Regel jetzt noch nicht die klassischen Kinderkrankheiten auf, sondern vor allem Infektionen der Atemwege oder der Verdauungsorgane. Sie werden es merken: Ihr Kleines weint mehr, mag nichts essen, ist anders als sonst.
Zur Entwicklung des Immunsystems ist der Kontakt mit Krankheitserregern nötig. Viele Eltern teilen auch die Beobachtung, dass ihr Kind nach einer durchgestandenen Krankheit in seiner Entwicklung ein grosses Stück weitergekommen ist.
Ist Ihr Kind krank, so ist es wichtig, dass Sie Ruhe bewahren, denn Nervosität und Angst übertragen sich auf die kleinen Patientinnen und Patienten und beeinflussen das Befinden ungünstig. Wenn Sie sich unsicher fühlen und sich Sorgen machen, rufen Sie lieber einmal mehr als weniger den Kinderarzt, die Kinderärztin an. Sie können sich entspannter Ihrem kranken Kind widmen, wenn Sie durch die ärztliche Auskunft beruhigt sind.
Fieber kann eine wichtige Reaktion des Körpers auf gewisse Krankheitserreger sein. Messen Sie als Erstes die Körpertemperatur, und zwar im After. Dies ist nach wie vor die zuverlässigste Methode zur genauen Ermittlung der Körpertemperatur. Als Fieber gelten Temperaturen über 38,5 Grad. Von 37,5 bis zu 38,5 Grad handelt es sich um erhöhte Temperatur.
Erschrecken Sie nicht, wenn das Thermometer 40 Grad oder mehr anzeigt: Kinder haben schneller hohes Fieber als Erwachsene. Ob Sie die Ärztin, den Arzt beiziehen oder nicht, ist weniger von der Höhe des Fiebers abhängig als vom Allgemeinzustand des Kindes: Wenn es trotz Fieber trinkt, nicht erbricht, keinen Durchfall hat, weiterhin spielt und nicht apathisch ist, besteht kein Anlass zur Sorge.
Ein Kind, dessen Allgemeinzustand reduziert ist oder das nicht mehr trinkt, sollte von einem Arzt oder einer Ärztin untersucht werden, auch wenn das Fieber nicht hoch ist. Und wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind habe nicht nur Fieber, sondern auch Schmerzen, empfiehlt es sich, abzuklären, ob etwas vorliegt, das einer speziellen Behandlung bedarf, wie zum Beispiel eine Ohrenentzündung.
Bei hohem Fieber können Sie mit Beinwickeln das Fieber senken. Beinwickel nur anwenden, wenn das Kind warme Beine und Füsse hat und Ihr Kind diese Behandlung mag.
Tauchen Sie eine Gazewindel in kühles Wasser, dem Sie ein wenig Essig oder Zitronensaft beigegeben haben. Drücken Sie die Windel aus und wickeln Sie sie um Wade und Fuss des Kindes. Umwickeln Sie das Ganze mit einem Frottee- oder Wolltuch.
Falls die Füsse des Kindes sich nach etwa zehn Minuten immer noch heiss anfühlen, erneuern Sie den Wickel. Kontrollieren Sie anschliessend die Temperatur mit dem Fiebermesser. Manchmal sind nach ärztlicher Verordnung auch fiebersenkende Medikamente angezeigt.
Eine harmlose Erkrankung, die typischerweise im ersten Lebensjahr auftritt, ist das «Dreitagefieber». Das Kind hat drei Tage hohes Fieber ohne weitere Symptome. Wichtig ist, dass Ihr Kind genügend trinkt. Nach dem Abklingen des Fiebers kann sich am Körper kurzzeitig ein feiner Ausschlag zeigen.
Es gibt Kinder, die im Zusammenhang mit hohem Fieber plötzlich kurz das Bewusstsein verlieren und mit Armen und Beinen zucken. Ein solcher Fieberkrampf ist eine Art ungefährlicher epileptischer Anfall, der Eltern sehr ängstigen kann. Wenn es bei Ihrem Kind zu einem Fieberkrampf kommt, sollten Sie Ihre Kinderärztin, Ihren Kinderarzt kontaktieren.
Bei allen Konsultationen am Telefon oder in der Praxis ist Ihnen die medizinische Fachperson dankbar, wenn Sie genaue Angaben über Höhe und Dauer des Fiebers machen können und mitteilen, ob das Kind trinkt. Es empfiehlt sich, alles Wichtige – auch eigene Fragen – schriftlich festzuhalten und zum Arztbesuch mitzunehmen, denn oft gehen die Angaben in der Aufregung teilweise vergessen.
Kinder bleiben eigentlich nur dann ruhig im Bett liegen, wenn sie sehr krank sind, hohes Fieber haben und sich so matt fühlen, dass jede Bewegung sie anstrengt. Leichtes Fieber, Durchfall oder Erbrechen ist vom Kind her kein Grund, im Bett liegen zu bleiben.
Vielleicht ist es an solchen Tagen ein wenig misslaunig, möchte aber trotzdem spielen. Ihr kleiner Patient, Ihre kleine Patientin beansprucht Sie an Krankheitstagen mehr als sonst, wahrscheinlich werden Sie auch nachts öfter aufstehen müssen. Trotzdem ist es gut, wenn im Übrigen alles im Gewohnten abläuft.
Ein krankes Kind ist ganz besonders auf die Zuneigung und Aufmerksamkeit der Eltern angewiesen. Damit es sich nicht einsam und verlassen fühlt, können Sie es so betten, dass es in Ihrer Nähe ist. Vielleicht hat es auch ein grösseres Bedürfnis nach Körperkontakt und Getragenwerden.
Für die Eltern sind Krankheitstage meist sehr anstrengend. Oft müssen Vorhaben verschoben oder abgesagt werden, der Haushalt gerät durcheinander, und vieles, was zu erledigen wäre, bleibt liegen. Der ausser Haus tätige Elternteil kann viel zur Erleichterung der Situation beitragen, indem er am Abend die Betreuung des Kindes übernimmt und der Partnerin, dem Partner dadurch die dringend nötige Verschnaufpause verschafft.
Kleine Kinder sind meist schnell wieder gesund, und bald sind die durch die vermehrte Betreuung bedingten Einschränkungen der Hobbys, des Ausgangs und der beruflichen Verpflichtungen nicht mehr nötig.
Lassen Sie Ihrem Kind aber genügend Zeit, wieder richtig auf die Beine zu kommen. Nehmen Sie die gewohnten Aktivitäten langsam wieder auf. Zeigen Sie Verständnis und nehmen Sie darauf Rücksicht, wenn Ihr Sohn oder Ihre Tochter noch etwas reduziert oder anhänglicher ist und nicht so gut schläft.
Wenn Sie berufstätig und vielleicht auch noch allein erziehend sind, stellt Sie die Krankheit Ihres Kindes vor zusätzliche Probleme. Es empfiehlt sich, im Voraus abzuklären, wie diese Frage an Ihrem Arbeitsplatz geregelt ist.
Im Pro Juventute Elternbrief 6 haben wir bereits auf Ihre Rechte hingewiesen: Pro Krankheitsfall stehen Ihnen in der Regel pro Elternteil drei Freitage zur Verfügung. Denken Sie auch daran, mit Ihrer Krippe, Tagesfamilie oder der sonstigen Betreuungsperson vorzeitig abzusprechen, welche Regelungen für den Krankheitsfall bestehen. Im Notfall kann es entlastend sein, eine vertraute Person zu kontaktieren, die vorübergehend das kranke Kind betreut.