Krank sein und gesund werden
Zwei Jahre und sechs Monate
Ein krankes Kind braucht viel Zuwendung. Die Betreuung kann eine Herausforderung sein, insbesondere für berufstätige Eltern.
Krankheiten bringen den gewohnten Alltag durcheinander und erfordern mehr Aufmerksamkeit und Energie. Schwerere Krankheiten machen Angst oder zwingen zu Entscheidungen, die nicht immer einfach sind, zum Beispiel in Bezug auf Therapien, Medikamente oder Operationen. Krankheit wird deshalb meistens als etwas Bedrohliches, Unangenehmes und Belastendes erlebt. Wer krank gewesen ist, kann jedoch auch erleben, was Genesung bedeutet. Die Kräfte kehren zurück, man ist frei von Schmerzen und Müdigkeit, der Appetit meldet sich wieder, die Lust am Spielen und Herumtoben erwacht erneut.
Bei vielen Krankheiten reichen ein paar Hausmittel (Wickel, Bad, Tee und so weiter) aus, um Beschwerden zu lindern. Vielleicht braucht es noch etwas gegen Fieber und/oder Schmerzen. Selber angewendete oder verabreichte Hausmittel und Medikamente ersetzen aber auf keinen Fall den Anruf bei der Ärztin, beim Arzt, wenn die Krankheitszeichen länger bleiben oder stärker werden.
Zuwendung ist die beste Therapie
In Tagen der Krankheit sind sich Kinder und Eltern oft sehr nahe. Die Zuwendung, die dem Sohn oder der Tochter entgegengebracht wird, unterstützt den Heilungsprozess und ist wichtiger Bestandteil der «Therapie». Sie könnten das Krankenbett des Kindes vielleicht in Ihrer Nähe einrichten und rundum seine Lieblingsspielsachen ausbreiten oder ihm seine Lieblingsgeschichten erzählen.
Ihr Kind wird die spezielle Fürsorglichkeit von Mutter und Vater in dieser Zeit bestimmt sehr geniessen. Vielleicht erinnern Sie sich noch, wie es in Ihrer Kindheit war, wenn Sie krank waren? Wissen Sie noch, was Ihnen besondere Freude gemacht hat?
Genesen ist ein Prozess, der Zeit braucht. Geben Sie Ihrem Kind diese Zeit. Ideal ist, wenn es mit Ihnen oder einer anderen vertrauten Betreuungsperson einen Tag fieberfrei zu Hause sein kann, bevor der normale Alltag wieder beginnt.
Für kleine Kinder ist alles «Bauchweh»
In diesem Alter kennen Kinder die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Körperteilen und deren Funktionen noch nicht. Sie reden deshalb von «Bauchweh», obwohl es Hals oder Ohren sind, die schmerzen. Es ist auch für Eltern nicht immer einfach, die Ursache der Schmerzen herauszufinden. Setzen Sie sich auf jeden Fall mit dem Arzt, der Ärztin in Verbindung, wenn Sie in Bezug auf den Krankheitszustand unsicher sind.
Versuchen Sie, dem kranken Kind zu erklären, was mit ihm los ist. Allerdings wird Ihr Zweieinhalbjähriges noch nicht ganz begreifen, was «krank sein» bedeutet. Wie wäre es, wenn die Puppe oder der Teddy auch Schnupfen, Husten oder Bauchweh hätte? Lassen Sie diese jammern und klagen und erleben, wie es ist, wenn man krank ist und gar keine Lust zum Spielen hat.
Betreuung des kranken Kindes
Es gibt Kinder, die häufig erkältet sind, Kinder, die viele ansteckende Krankheiten durchmachen, und Kinder, die selten krank sind. Die gesundheitliche Konstitution ist von Kind zu Kind verschieden. Wenn Ihr Kind familienergänzend betreut wird, steckt es sich möglicherweise öfter an. Grundsätzlich ist die Tatsache, dass ein Kind früh mit Infektionskrankheiten in Berührung kommt, kein Anlass zur Sorge. Im Gegenteil: Mit jedem Kranksein stärkt der Körper sein Immunsystem, so dass das Kind je länger, desto widerstandsfähiger wird.
Ein krankes Kind kann für die Familie sehr anstrengend sein. Der gewohnte Tagesablauf muss umgestellt werden und durch das kranke Kind ist man vorübergehend stärker an zuhause gebunden. Für berufstätige Eltern, besonders für Einelternfamilien, können zusätzliche Probleme entstehen. Es ist wichtig, im Voraus abzuklären, welche Regelungen bei der Betreuung des Kindes im Krankheitsfall bestehen. Kindertagesstätten nehmen kranke Kinder meistens nicht auf. Im Notfall kann es daher entlastend sein, eine vertraute Person zu kennen, die vorübergehend das kranke Kind betreut.
Sicher ist es für alleinerziehende und/oder berufstätige Eltern schwieriger, geduldig auf die Krankheit ihres Kindes einzugehen – mit dem Wissen im Hinterkopf, dass sie eigentlich am Arbeitsplatz sein müssten. Ein Gespräch oder spezielle Abmachungen mit Ihrem Arbeitgeber (zum Beispiel vorübergehend verkürzte Arbeitszeiten und die Krankenbetreuung mit einer vertrauten Person teilen) könnten Sie eventuell von allzu starkem Druck entlasten. Ebenso das Wissen darum, dass Ihnen rechtlich pro Krankheitsfall und pro Elternteil mindestens drei bezahlte Freitage zur Verfügung stehen (bei 100-prozentiger Arbeitstätigkeit).