Drei Jahre und neun Monate
Mit unterschiedlichen Geschichten entdecken die Kinder, wie vielseitig unsere Welt ist. Zudem regen Märchen die Fantasie an.
Kinder denken in Bildern. Diese inneren Bilder entstehen nicht nur im Kopf, sondern vor allem auch im Herzen. Bilderbücher, Geschichten und Märchen drücken sich in dieser bildhaften Sprache aus. Sie regen die Fantasie und Kreativität an, sie vermitteln Einsicht in andere Lebensweisen. Sie vermitteln Wissen und helfen bei der Realitätsbewältigung, sie fördern das Sprachverständnis und regen zum Sprechen an. Sie bringen Kinder zum Lachen, zum Staunen, zum Träumen, zum Weinen, können bei der Angstbewältigung helfen und Mut geben. Bilderbücher, Geschichten und Märchen können auch in speziellen Situationen sehr hilfreich sein, wie zum Beispiel bei einem bevorstehenden Umzug, bei der Geburt eines Geschwisterchens, beim Verlust eines geliebten Menschen oder eines Tieres.
Geschichten regen oftmals zum Umsetzen an. Im bildhaften Gestalten wie zum Beispiel Zeichnen, Malen, Basteln und Kneten sowie im Rollenspiel finden Kinder Möglichkeiten, Geschichten nachzuspielen.
Ihr Kind kann noch nicht lesen, daher nimmt es die Illustrationen in den Büchern umso stärker wahr. Allerdings betrachtet es das Buch mit anderen Augen. Während bei uns Grossen ansprechende, ästhetische Bilder im Vordergrund stehen, ist bei den Kleinen die bildliche Aussage viel wichtiger. Kinder spüren die Ausstrahlung eines Bildes und identifizieren sich mit den dargestellten Figuren.
Machen Sie sich gemeinsam auf die Suche nach vielfältigen Illustrationen und Charakterfiguren. Fragen Sie sich, ob das Mädchen immer eine blonde Prinzessin oder ein feines Feenwesen sein muss. Warum spielt es nicht dreckverschmiert mit anderen Kindern Fussball? Weshalb ist der Junge im Buch nicht ein zartbesaiteter Einhornfreund statt ein muskulöser Drachenkämpfer? Durch Bilder lernen Kinder schon sehr früh Rollenklischees und Schönheitsideale kennen. Mit unterschiedlichen Geschichten und Charaktervorbildern entdecken Kinder, wie vielfältig und fantasievoll unsere Welt sein kann.
Jedes Kind entwickelt mit der Zeit auch seinen eigenen künstlerischen Geschmack. Diesen Prozess können Sie unterstützen, indem Sie ihm Zugang zu möglichst vielen unterschiedlich illustrierten Büchern verschaffen.
Bibliotheken sind dafür ein geradezu idealer Ort. Hier können Sie gemeinsam herumstöbern und die Bücher erst noch ausleihen statt sie zu kaufen! Vielleicht nehmen Sie bei dieser Gelegenheit noch ein befreundetes Kind mit, das dieses Angebot noch nicht kennt?
Sowohl beim Erzählen als auch beim Vorlesen ist es wichtig, dass der oder die Erzählende sich viel Zeit und Ruhe nimmt. Erklären Sie Sachverhalte, beantworten Sie Fragen und sprechen Sie über Gefühle. Kinder brauchen diese Zeit, um die Worte und Bilder zu verarbeiten. Häufig bringen sie ihre Person und ihre Erlebnisse selber in die Geschichte mit ein und verbinden sich gefühlsmässig ganz stark mit der Hauptfigur. Vielleicht können Sie das nachvollziehen, wenn Sie sich einen Kinobesuch oder das Lesen eines Romans vor Augen halten. Wir wissen zwar, dass die Story frei erfunden ist, dennoch verlieren wir uns plötzlich im Drehbuch oder in der Geschichte.
Selber in die Rolle des Erzählers oder der Erzählerin zu schlüpfen, fällt dem einen leichter, der anderen schwerer. Die Mutprobe lohnt sich. Ihre Nähe und die damit verbundene Erzählatmosphäre bedeuten viel mehr als jedes noch so gut erzählte Hörspiel. Auch mit Hörbüchern tauchen Kinder in andere Welten ein und üben sich im Zuhören. Dennoch können Hörbücher persönlich erzählte Geschichten nicht ersetzen. Sie sind jedoch eine wertvolle Option, weil die Kinder sie unabhängig, ohne Anwesenheit von Erwachsenen, geniessen können.
Es ist auch legitim, wenn Ihr Kind ab und zu Filme oder Serien anschaut. Sie als Erwachsene brauchen zwischendurch vielleicht eine Verschnaufpause und erhalten so ein bisschen Ruhe. Wichtig ist, dass die Inhalte altersgerecht sind und die Dauer zeitlich beschränkt ist.